2008.07.05 Neuss : Olympia-Generalprobe der deutschen Fechter in Kiew

Bei der Fecht-EM in Kiew geht es für die deutschen Fechter vor allem darum, sich eine optimale Ausgangsposition für Olympia zu schaffen. Neun Olympioniken stehen im EM-Aufgebot.

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Zwei der deutschen Olympiahoffnungen: Benjamin Kleibrink (l.) und Peter Joppich

Wettkampf statt Trainingslager, unwillkommene Generalprobe statt gezielter Vorbereitung: Rund einen Monat vor Beginn der Olympischen Spiele müssen die deutschen Fechter zu den Europameisterschaften nach Kiew reisen und bei der zu diesem Zeitpunkt lästigen Pflichtveranstaltung um wichtige Plätze in der Weltrangliste kämpfen.

"Ein denkbar ungünstiger Termin. Aber da bei der EM noch wichtige Punkte für die Olympia-Setzliste vergeben werden, sind wir praktisch zu einer Teilnahme gezwungen", sagt Florett-Bundestrainer Uli Schreck über das Turnier in der ukrainischen Hauptstadt vom 5. bis zum 10. Juli.

Gute Positionen in der olympischen Setzliste erreichen

Den insgesamt neun Olympia-Startern im 24-köpfigen EM-Aufgebot des Deutschen Fechter-Bundes (DFeB) dient das Turnier einzig dazu, eine möglichst optimale Ausgangsposition für die olympischen Wettkämpfe zu schaffen. In China wird auf Grundlage der Weltrangliste eine Setzliste erstellt, das bedeutet: Je höher die Platzierung, umso geringer die Wahrscheinlichkeit, früh im olympischen Turnier auf einen Topfavoriten zu treffen.

Nicht Titel und Medaillen stehen deshalb für die DFeB-Fechter bei der EM im Vordergrund, der Blick auf die Ergebnisse der internationalen Olympia-Konkurrenz genießt Priorität. "Das ist für uns kein Höhepunkt. Bei der EM richtet sich alles auf Olympia aus", sagt Schreck offen.

"Kaltstart" für die Deutschen in das EM-Turnier

Ärgerlich ist der Zeitpunkt des Turniers für die deutschen Fecht-Asse vor allem deshalb, weil sie aus der laufenden Vorbereitung auf das Weltereignis Olympia gerissen werden und in Kiew gewissermaßen "einen Kaltstart hinlegen müssen", wie es Schreck ausdrückt.

Seine beiden olympischen Gold-Hoffnungen, der dreimalige Weltmeister Peter Joppich (Koblenz) und Benjamin Kleibrink (Bonn), werden deshalb auch nur zu einer Stippvisite in die Ukraine reisen - Ankunft am Samstag, Einzelwettkampf am Sonntag, Abreise am Montag.

Beispiel Kleibrink: Der Weltranglistenvierte kann noch auf Platz drei vorrücken, muss aber vor allem aufpassen, nicht noch von dem Italiener Salvatore Sanzo verdrängt zu werden und damit bei Olympia von Setzposition fünf oder sechs zu starten.

EM nur als kurze Unterbrechungspause in der Vorbereitung

Beim DFeB ist Schreck nicht der einzige, der über die späte EM mitten in der Vorbereitung nicht erfreut ist. "Da liegt der Termin mit dem zweiten Saisonhöhepunkt sehr ungeschickt", meint auch Verbandspräsident Gordon Rapp.

Um die Vorbereitung nur kurz zu unterbrechen, sollen die neun Olympia-Starter in Kiew nicht mehr machen als nötig. "Die Einzelstarter von Peking gehen auch in der Ukraine nur im Einzelwettbewerb an den Start. Dann geht es wieder zurück nach Hause ins geregelte Training", erklärt Sportdirektor Claus Janka.

Von den Olympioniken wird einzig die Damenflorett-Mannschaft mit Carolin Golubytskyi, Anja Schache, Katja Wächter und Melanie Wolgast (alle Tauberbischofsheim) in Kiew und später auch in Peking als Team an den Start gehen.