2008.07.06 Neuss : DHB-Team mit Sieg und Niederlage gegen Ägypten

Licht und Schatten zeigte die deutsche Handball-Nationalmannschaft bei den Testspielen gegen Olympiagegner Ägypten. Trainer Brand kritisiert derweil das Olympia-Nominierungssystem.

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Heiner Brand kann noch nicht mit der Leistung seines Teams zufrieden sein

Die anstrengenden Trainingseinheiten der vergangenen Tage hatten wohl ihre Spuren hinterlassen. Anders erklärt sich jedenfalls nicht, warum die deutschen Handball-Weltmeister knapp fünf Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele in Peking von ihrer Bestform noch weit entfernt sind. Die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand unterlag nach einer harten Vorbereitungsphase am Sonntag Afrikameister Ägypten in Hannover 20:22 (9:14), nach dem sich der EM-Vierte tags zuvor gegen den Olympia-Gruppengegner glücklich mit 26:25 (13:14) in Hamm durchsetzen konnte.

Harte Trainingseinheiten haben Spuren hinterlassen

"Die Spiele haben trotzdem ihren Sinn erfüllt, ohne sie überzubewerten. Wir haben in den vergangenen Wochen hart gearbeitet, das merkte man den Spielern in einigen Phasen an", sagte Weltmeister-Coach Brand nach der durchwachsenen Vorstellung im ersten Vergleich und der schwachen Darbietung einen Tag später. Dabei kassierte die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) in der niedersächsischen Hauptstadt im 28. Länderspiel die 7. Niederlage (ein Unentschieden) gegen den WM-17..

Nach den kraftraubenden Einheiten bei den Lehrgängen in Köln und Kaiserau offenbarte das DHB-Team in allen Mannschaftsteilen noch Schwächen. Besonders der ägyptische Rückraum stellte die deutsche Abwehr immer wieder vor Probleme, sodass es vor 2500 Zuschauern auch am Samstag in Hamm lange Zeit nach einer Niederlage aussah. Sieben Treffer des Hamburgers Torsten Jansen und eine Leistungssteigerung der Torhüter Henning Fritz und Carsten Lichtlein trugen dazu bei, in der Schlussphase einen 22:25-Rückstand (54.) noch in einen Sieg umzuwandeln. "Die Müdigkeit ist schon sichtbar geworden", erklärte Rückraum-Star Pascal Hens.

Spielmacher mit Licht und Schatten

Im Angriff leistete sich der Olympia-Zweite von Athen in den ersten Vorbereitungsspielen auf Peking daher einige Unkonzentriertheiten und technische Mängel. "Für den jetzigen Stand der Vorbereitung habe ich aber auch einige gute Dinge gesehen", meinte Brand, der einige Stammkräfte schonte, eifrig durchwechselte und in dessen Mannschaft am Sonntag vor 5600 Besuchern erneut Jansen und Michael Kraus mit je drei Toren der beste Werfer war.

Nach dem Olympia-Verzicht von Kapitän Markus Baur standen besonders die Spielmacher Michael Kraus, Oliver Köhrmann und Martin Strobel im Blickpunkt. Bei ihnen wechselten ebenfalls Licht und Schatten, daher hielt sich der Lemgoer Kraus mit Forderungen zurück: "Natürlich wäre ich gerne die Nummer eins, aber das ist nicht meine Entscheidung."

Brand sieht Nominierungssystem kritisch

Entscheiden muss sich Heiner Brand bei der Nominierung seines 14er-Kaders für die Sommerspiele. Am 15. Juli ist der letzte Nominierungs-Termin beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Nach dem derzeitigen Stand der Dinge darf Brand 14 Spieler plus einen Ersatzmann vorschlagen. "Bei diesem System haben einige Leute aber nicht an die Mannschaftssportarten gedacht. Wenn ich einen Torhüter als Ersatz nominiere und sich ein Linksaußen verletzt, dann habe ich davon nichts", so der Gummersbacher, der aber noch auf eine Änderung hofft: "Viele Verbände haben protestiert. Ich hoffe auf eine schnelle Klärung."

Nicht dabei sein wird definitiv Sven-Sören Christophersen (Wetzlar). Der Bundestrainer strich den Halblinken aus seinem Aufgebot für Olympia. "Über weitere Streichungen muss ich erst eine Nacht schlafen. Über einige Positionen muss ich mir Gedanken machen", sagte Brand

Begrüßen kann der National-Coach zum nächsten Trainingslager in Meran/Südtirol (ab 9. Juli) dagegen Routinier Christian Schwarzer. Nach dem Aufenthalt mit wohl 19 Spielern in Meran stehen am 19. Juli in Mannheim und tags darauf in Stuttgart zwei Spiele gegen Schweden an. Nach einem Kurz-Lehrgang in Halle/Westfalen folgt die Peking-Generalprobe gegen Rekord-Olympiasieger Russland in Köln (26. Juli) und Halle (27. Juli). Bei Olympia trifft die DHB-Auswahl in der Vorrunde auf Ägypten, Russland, Südkorea, Island und Europameister Dänemark.