2008.07.08 Neuss : Schumacher spurtet sensationall ins Gelbe Trikot

Stefan Schumacher hat das erste Einzelzeitfahren der 95. Tour de France gewonnen und sich damit auch das Gelbe Trikot gesichert. Kim Kirchen belegte 18 Sekunden dahinter Rang zwei.

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Stefan Schumacher triumphiert in Cholet

Der WM-Dritte Stefan Schumacher hat sensationell das erste Einzelzeitfahren der 95. Tour de France gewonnen und darf sich zudem das Gelbe Trikot des Gesamtführenden überstreifen.

Mit seinem überlegenen Triumph auf dem 29,5km langen Rundkurs in Cholet bescherte der 26 Jahre alte Nürtinger seinem Team Gerolsteiner nach drei Jahren den zweiten großen Tour-Erfolg, nachdem der Österreicher Georg Totschnig 2005 den zuvor einzigen Etappensieg für den Rennstall geholt hatte. Als letzter Deutscher hatte sich im vergangenen Jahr Linus Gerdemann in die Siegerliste eingetragen und für einen Tag Gelb getragen.

Schumacher ist der 13. Deutsche in Gelb bei der Tour. Auch beim Giro d'Italia hatte er bereits einmal zwei Tage lang das Rosa Trikot des Spitzenreiters überziehen können. "Es lief super. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl und habe in keiner Kurve Zeit liegen lassen", sagte er strahlend nach dem größten Tag seiner Karriere.

Schumacher wie entfesselt

Der letztjährige WM-Dritte im Straßenrennen, der keineswegs als Top-Spezialist im Kampf gegen die Uhr galt, wirkte auf dem flachen Zeitfahr-Kurs von Beginn an wie entfesselt und ließ schon bei der ersten Zwischenzeit nach 11 km alle Favoriten klar hinter sich. Im Kampf mit ständig wechselnden Winden hatte er sich die Kräfte glänzend eingeteilt und konnte seinen Vorsprung zum Ende hin sogar noch ausbauen.

Im Ziel lag Schumacher 18 Sekunden vor dem zweitplatzierten Luxemburger Kim Kirchen vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia. Dritter wurde zeitgleich der Schotte David Millar (Garmin), während der Australier Cadel Evans (Lotto) als einer der Tour-Favoriten mit 27 Sekunden Rückstand auf den vierten Rang fuhr. Eine Schlappe musste der zweimalige Weltmeister Fabian Cancellara aus der Schweiz hinnehmen und sich am Ende mit dem für ihn enttäuschenden fünften Platz begnügen.

Schumacher übernahm das Führung in der Gesamtwertung vom Franzosen Romain Feillu (Agritubel), der das Leader-Trikot erst am Tag zuvor erobert hatte. Auf dem zweiten Gesamt-Platz folgt Kirchen mit 12 Sekunden Rückstand auf Schumacher.

Auch Voigt stark, Fothen enttäuscht

Einen glänzenden Tag erwischte auch der Berliner Jens Voigt, der als Siebter seine beste Platzierung in einem Tour-Zeitfahren erreichte. "Nachdem ich von meinem Abschneiden bei den deutschen Meisterschaften enttäuscht war, hatte ich etwas gut zu machen. Es lief auf der gesamten Strecke richtig rund. Dass ich so weit vorne lande, hätte ich selbst nicht erwartet", erklärte der Routinier vom dänischen CSC-Rennstall.

Keinen guten Tag erwischte dagegen Schumachers Teamkollege Markus Fothen, der mit 3:06 Minuten Rückstand zur Bestzeit weit hinter den Erwartungen blieb. Zwar wurde der 26-Jährige aus Kaarst durch einen Vorderrad-Defekt kurzzeitig aus dem Rhythmus gebracht, allerdings saß er nach wenigen Sekunden wieder auf dem Rad. "Die Panne hat ihn maximal 20 Sekunden gekostet. Wo der Rest geblieben ist, weiß ich nicht", sagte Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer.

Fothen, der im Kampf um seine angestrebte Top-10-Platzierung im Gesamtklassement einen herben Rückschlag hinnehmen musste, zeigte sich entsprechend enttäuscht: "Am Anfang war ich gut unterwegs, aber nach dem Defekt habe ich meinen Rhythmus überhaupt nicht mehr gefunden. Danach ging nichts mehr", erklärte Fothen.