2008.07.09 Neuss : Etappensieg sorgt für Aufbruchstimmung bei Holczer

Stefan Schumacher hat durch seinen Tour-Etappensieg für Aufbruchstimmung im Team Gerolsteiner gesorgt. Teamchef Holczer stellte sich im Interview den Fragen der Journalisten.

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Hans-Michael Holczer hofft nach dem Schumacher-Sieg auf Geldgeber

Der sensationelle Etappensieg von Stefan Schumacher hat bei dessen Team Gerolsteiner große Euphorie ausgelöst. Teamchef Hans-Michael Holczer spricht im Interview über den starken Auftritt seines Schützlings und die möglichen Folgen.

Frage: "Herr Holczer, Sie haben lange auf einen solchen Erfolg gewartet - auch im Hinblick auf Ihre Suche nach einem neuen Sponsor. Wie wichtig sind Stefan Schumachers Sieg und das Gelbe Trikot für die Zukunft des Teams?"

Hans-Michael Holczer: "Ich gehe davon aus, dass uns das jetzt wirklich weiter hilft. Ich habe auch erst mal ein Glas Sekt auf den Erfolg getrunken."

Frage: "Haben Sie denn schon Anrufe von potenziellen Geldgebern erhalten?"

Holczer: "Es gab in der Tat schon Resonanz. Auch ein konkreter Interessent hat sich gemeldet. Wie sich das entwickelt, muss man abwarten. Ich bin auf jeden Fall noch offen für weitere."

Frage: "Wie problematisch ist es in dem Zusammenhang, dass Schumacher bei einer polizeilichen Blutprobe nach der letztjährigen WM Amphetamin-Spuren aufwies und schon vor der WM einen erhöhten Hämatokritwert hatte, der mit einer Durchfall-Erkrankung erklärt wurde?"

Holczer: "Beide Dinge haben wir sehr genau überprüft und hundertprozentig aufgeklärt. Das war natürlich eine gravierende Imageschädigung, für die Stefan auch einen angemessenen Betrag gezahlt hat. Außerdem hatten wir ihn bis zur Klärung der Sachlage aus dem Rennbetrieb genommen. Nachdem aber von unserer Seite alles transparent gemacht worden ist, sollte der Fall für alle Beteiligten erledigt sein."

Frage: "War das ein Thema in Ihren Sponsoren-Verhandlungen?"

Holczer: "Nein. Meine Haltung zur Doping-Problematik ist jedem, der mich kennt, völlig klar. Aber ich kann natürlich niemandem garantieren, dass nichts passiert. Wenn ich dafür eine Patentlösung hätte, würde ich das Programm im gesamten Radsport verkaufen."

Frage: "Wie wichtig ist es für Ihre Verhandlungen, dass es keinen Dopingfall bei der Tour gibt?"

Holczer: "Das kann man so oder so sehen. Manche sagen, dass es gut wäre, ohne positiven Fall durch die Tour zu kommen. Andere meinen, wenn jemand erwischt würde, könnte das auch ein Beitrag zur Glaubwürdigkeit der Kontrollmaßnahmen sein."

Frage: "Und wie ist Ihre Meinung?"

Holczer: "Ich bin zufrieden, wenn es hier häufig wechselnde Führungen gibt, wenn es keine Mannschaft gibt, die alles dominiert, wenn wir das erleben, was wir glauben können, was normal ist. Wenn am Ende zwei, drei Fahrer besser sind als die anderen - okay. Was nicht passieren darf, ist, dass wieder jemand wie von einem anderen Stern fährt."