2008.07.09 Neuss : Schumacher verteidigt das Gelbe Trikot

Auch nach dem "längsten Tag" der 95. Tour de France trägt Stefan Schumacher das Gelbe Trikot. Der Tagessieg ging an Mark Cavendish vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia.

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Stefan Schumacher in Gelb

Stefan Schumacher war geschafft, aber hochzufrieden. "Das war ein langer Tag, aber ich habe ihn voll genossen", sagte der Tour-Spitzenreiter, nachdem er das tags zuvor eroberte Gelbe Trikot auf der längsten Etappe der diesjährigen Rundfahrt erfolgreich verteidigt hatte. 232km hatten seine Kollegen vom Team Gerolsteiner zumeist an der Spitze des Feldes gearbeitet, um "Schumi" mindestens einen weiteren Tag als Gesamtführender zu bescheren: "Die Mannschaft ist toll gefahren und hatte das Rennen jederzeit unter Kontrolle. Das war einfach toll", bedankte sich der 26-Jährige artig.

Zabel auf Platz drei

Während Schumacher als 26. der Etappe seinen Vorsprung von 12 Sekunden auf den zweitplatzierten Luxemburger Kim Kirchen (Columbia) behauptete, ging der Tagessieg an den Engländer Mark Cavendish vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia. Der 23-Jährige setzte sich im Sprint vor dem dreimaligen Weltmeister Oscar Freire (Rabobank) aus Spanien und Milram-Kapitän Erik Zabel durch und feierte bei seiner zweiten Tour-Teilnahme seinen ersten Etappenerfolg. "Letztes Jahr hatte ich viel Pech und war trotzdem ein paar Mal vorne dabei. Jetzt bin ich einfach nur glücklich, zum ersten Mal ganz oben zu stehen", erklärte Cavendish.

Zabel durfte sich unterdessen über seinen ersten Podestplatz bei der Frankreich-Rundfahrt in diesem Jahr freuen. "Es war ein sehr schnelles Finale. Mit einer Podiumsplatzierung bin ich zufrieden", sagte der zwölfmalige Tour-Etappengewinner aus Unna, der am Montag seinen 38. Geburtstag gefeiert hatte.

Haussler nach Sturz mit Kratzern

Derweil präsentierte sich Gerolsteiner im Verlauf der Fünfeinhalb-Stunden-Fahrt Richtung französisches Zentralmassiv die meiste Zeit an der Spitze des Feldes und ließ dabei keine ernsthaften Angriffe auf das Gelbe Trikot zu. Pech hatte die Equipe von Teamchef Hans-Michael Holczer allerdings in der Schlussphase des Rennens, als Heinrich Haussler 3,5km vor dem Ziel zu Fall kam und zunächst liegen blieb. Mit 6:30 Minuten Rückstand erreichte der 24-Jährige schließlich blutüberströmt das Ziel. "Ich glaube, es ist nichts gebrochen. Das ist das Wichtigste", sagte der Cottbuser.

Die einzige ernstzunehmende Ausreißergruppe des Tages hatte sich nach gut 50km formiert und mehr als 180km in der Flucht vor dem Peloton zugebracht. Die Franzosen Nicolas Vogondy (Agritubel), Florent Brard (Cofidis) und Lilian Jegou (Francaise des Jeux) konnten dabei einen maximalen Vorsprung von 8:15 Minuten herausfahren und wurden erst auf der Zielgeraden wieder gestellt. Jegou, der sich einen Kilometer vor Schluss noch von seinen Mitausreißern gelöst hatte, wurde gar erst auf den letzten 150m vom jagenden Feld überspurtet.

Donnerstag geht es aufwärts

Ein entsprechendes Szenario hatten die Gerolsteiner-Fahrer bereits vor dem Etappenstart am Morgen erwartet. "Ich denke, dass wir das Gelbe Trikot auf dieser Flachetappe verteidigen werden. Schwieriger wird es wohl erst am Donnerstag, wenn es in die Berge des Zentralmassivs geht", meinte Fabian Wegmann.

Auf dem sechsten Teilstück von Aigurande zur Skistation Super-Besse (1289m) steht die erste Bergankunft dieser Tour auf dem Programm. Der Anstieg am Ende der 195,5km langen Etappe ist insgesamt 11km lang und weist dabei eine Steigung von bis zu 10 Prozent auf (2. Kategorie). Schon 40km vor dem Ziel steht mit dem Col de la Croix-Morand (1401m) ebenfalls ein Kategorie-2-Berg auf dem Programm.