2008.07.13 Neuss : Bradl rast auf dem Sachsenring auf Rang zwei

Mit Rang zwei ist 125er-Pilot Stefan Bradl beim WM-Lauf auf dem Sachsenring das beste Ergebnis seiner jungen Karriere gelungen. Sandro Cortese fuhr als Sechster auch in die Top Ten.

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Stefan Bradl (r.) hielt Gabor Talmacsi auf Distanz

Stefan Bradl nimmt in der 125er Klasse der Motorrad-WM mehr und mehr Fahrt auf. Als erster deutscher Fahrer seit sechs Jahren fuhr der 18-Jährige eine Podestplatzierung beim WM-Heimspiel ein und wurde auf dem Sachsenring Zweiter. Der Aprilia-Pilot aus Zahling holte damit die zweite Podiums-Platzierung seiner Karriere nach dem dritten Rang beim Saison-Auftakt in Katar.

In der WM-Wertung verbesserte sich der Sohn des früheren Vize-Weltmeisters Helmut Bradl vom sechsten auf den vierten Rang. Als letzter Deutscher hatte 2002 Steve Jenkner in Sachsen auf dem Podest gestanden. Den Sieg holte sich der Franzose Mike di Meglio (Derbi), der dadurch die Führung in der WM-Wertung ausbaute.

Mit einer Deutschland-Fahne über der Schulter ließ sich Bradl im Anschluss von über 100.000 Fans bejubeln und genoss sichtlich den "wohl schönsten Moment in meinem Leben". Der fünfmalige Weltmeister Toni Mang erteilte dem 18-Jährigen anschließend das ultimative Lob. "Er ist genau der, den wir in Deutschland so dringend gebraucht haben", sagte der beste deutsche Fahrer aller Zeiten.

Vom Start weg ganz nach vorne

Mit großem Kämpferherz war Bradl schon beim Start an die Spitze geschossen, mit kühlem Kopf wehrte er schließlich den Angriff von Weltmeister Gabor Talmacsi (Ungarn/Aprilia) ab und rettete das beste deutsche Heim-Ergebnis seit der WM-Rückkehr an den Sachsenring 1998 ins Ziel. "Alle aus meinem Team sind vor Freude fast von der Boxenmauer gefallen", erzählte er strahlend. In der Auslaufrunde überlief ihn eine Gänsehaut. "Es war ein stressiges Wochenende und es lastete sehr viel Druck auf mir", erzählte er: "Aber von so vielen Fans gefeiert zu werden, war einfach ein unglaublich geiles Gefühl."

Die Siegerfeier und die Pressekonferenz in englischer Sprache meisterte er nach dem zweiten Podestplatz seiner Karriere (zuvor Dritter beim Saison-Auftakt in Katar) spielerisch, doch vor dem offiziellen Termin-Marathon hatte er noch ganz wichtiges Anliegen: Er stürmte in die Box und fiel seinem Vater, dem früheren Vize-Weltmeister Helmut Bradl, in die Arme: "Er durfte nicht so ran wie die Teammitglieder, aber ich musste da einfach hin. Und als wir uns in die Arme fielen, lief es mir eiskalt den Rücken runter", erzählte der Junior und berichtete, dass der Vater ihm den entscheidenden Tipp gegeben habe: "Ich wollte eigentlich die weichen Reifen, aber er hat gesagt, nimm die harten. Manchmal glaube ich ihm nicht, aber man sieht immer wieder, dass er recht hat."

Auch Cortese und Schrötter überzeugen

Neben Bradl überzeugten vor über 100.000 Zuschauern auch der ebenfalls 18 Jahre alte Sandro Cortese (Berkheim/Aprilia) als Sechster und Wildcard-Fahrer Marcel Schrötter (Plugdorf/Honda). Der vom fünfmaligen Weltmeister Toni Mang trainierte 15-Jährige fuhr bei seinem WM-Debüt als 14. direkt zwei Punkte ein.

Marvin Fritz (Neckarzimmern/Honda) belegte bei seiner WM-Premiere einen ordentlichen 20. Platz, Tobias Siegert (Nürnberg/Honda) wurde 25. und Letzter. Stammfahrer Robin Lässer (Isny/Aprilia) sowie die Wildcard-Piloten Eric Hübsch (Lichtenstein/Aprilia) und Sebastian Kreuziger (Ammerndorf/Aprilia) erreichten nicht das Ziel.

250er Sieger Simoncelli übernimmt WM-Führung

Mit seinem überlegenen Sieg im Regen von Sachsen übernahm derweil der Italiener Marco Simoncelli die Führung in der WM-Wertung der Klasse bis 250 ccm. Der Gilera-Pilot siegte auf dem Sachsenring mit deutlichem Vorsprung vor dem spanischen Aprilia-Fahrer Hector Barbera und löste mit 164 Punkten den diesmal viertplatzierten Finnen Mika Kallio (KTM/153) an der Spitze ab.

Der von Ex-WM-Fahrer Dirk Heidolf betreute Toni Wirsing (Chemnitz/Honda) stürzte zwischenzeitlich, fuhr das Rennen aber zu Ende und wurde 20.

Stoner holt 100. Königsklassen-Sieg für Australien

Mit einem ungefährdeten Start-Ziel-Sieg hat Titelverteidiger Casey Stoner in der Moto-GP-Klasse den 100. australischen Erfolg in den Motorrad-Königsklassen eingefahren. Der Ducati-Pilot gewann bei starkem Regen auf dem Sachsenring überlegen vor dem siebenmaligen Weltmeister Valentino Rossi (Italien/Yamaha), der sich mit 187 Punkten allerdings die Führung in der Gesamtwertung zurückeroberte. Stoner rückte durch seinen dritten Sieg in Serie mit 167 Zählern bis auf vier Punkte an den bisherigen Spitzenreiter Dani Pedrosa (Spanien/Honda) heran, der früh stürzte und ausschied.