2008.07.14 Neuss : Piepoli klettert zum ersten Tour-Tagessieg

Die erste Hochgebirgsankunft der Tour de France hat Leonardo Piepoli vom Team Saunier Duval gewonnen. Der Italiener siegte in Hautacam vor seinem Teamkollegen Juan Jose Cobo.

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Leonardo Piepoli

Es war ein Sieg mit Ansagen. Wie von seinem Teamkollegen und Landsmann Riccardo Ricco tags zuvor angekündigt, stürmte der Italiener Leonardo Piepoli bei der Bergankunft in Hautacam zu seinem ersten Tour-Etappensieg und setzte damit die "Pyrenäen-Show" des spanischen Saunier-Duval-Teams fort. Wie Ricco auf dem vorangegangenen Teilstück feierte auch Piepoli am Ende der zehnten Etappe einen ungefährdeten Erfolg und "schleppte" am Hinterrad gleich noch seinen Teamkollegen Juan Jose Acebo Cobo (Spanien) zum Doppelsieg mit ins 1520m hoch gelegene Ziel.

"Alles noch sehr eng zusammen"

"Ich habe schon Etappen beim Giro und der Vuelta gewonnen und bin sehr glücklich, mit diesem Erfolg nun bei allen drei großen Rundfahrten einmal vorn gewesen zu sein", sagte Piepoli, der die Dominanz seiner Mannschaft an den beiden schweren Pyrenäen-Tagen nicht überbewerten wollte: "Wir waren auf diesen zwei Etappen das beste Team, aber in der Gesamtwertung liegt alles noch sehr eng zusammen."

Das Gelbe Trikot des Spitzenreiters übernahm erstmals in seiner Karriere der Australier Cadel Evans (Lotto) als Etappen-Achter, während der bislang führende Luxemburger Kim Kirchen vom T-Mobile-Nachfolgeteam Columbia auf den siebten Gesamtplatz zurückfiel. Einen beachtlichen vierten Rang belegte der Österreicher Bernhard Kohl vom Team Gerolsteiner, der mit 1:06 Minuten Rückstand ins Ziel kam und auch in der Gesamtwertung Platz vier übernahm.

"Diese Etappe war ein Traum, denn ich hatte super Beine", erklärte Kohl nach dem 156km langen Tagesabschnitt von Pau nach Hautacam. Ob er sich mit seinem Sprung im Gesamtklassement Chancen auf einen Podiumsplatz in Paris ausrechnet, wollte der 26-Jährige indes nicht verraten: "An meinen Platz in Paris mag ich noch nicht denken." Dagegen hat Evans sein Ziel fest im Visier: "Ich möchte am Ende ganz oben stehen, aber ich weiß auch, dass es noch ein ganz weiter Weg ist."

Eine Sekunde hinter Evans, der mit der Gruppe der Tourfavoriten 2:17 Minuten nach dem Etappensieger ankam, liegt im Gesamtklassement der Luxemburger Frank Schleck auf Platz zwei. Der CSC-Fahrer schloss das Teilstück als Dritter ab. Gesamtdritter blieb der US-Amerikaner Christian Vandevelde (Garmin/38 Sekunden zurück), der 38 Sekunden hinter Evans und acht Sekunden vor Kohl liegt.

Zu den großen Verlierern der Etappe gehörte der zuvor als Mitfavorit gehandelte Spanier Alejandro Valverde (Caisse d'Epargne), der wohl alle Chancen auf den Gesamtsieg einbüßte. Der zweimalige Vize-Weltmeister hatte bereits am Tourmalet den Anschluss an die Konkurrenz verloren und kam im Ziel mit 5:52 Minuten Rückstand an. Im Gesamtklassement fiel er damit aus den Top-10 heraus. Der Italiener Damiano Cunego (Lampre) lag am Ende genauso weit zurück und hat mit dem Ausgang des Rennens ebenfalls kaum noch etwas zu tun.

Schumacher fällt weit zurück

Weit zurück fiel auch Gerolsteiner-Fahrer Stefan Schumacher, der mit 7:38 Minuten Rückstand auf Evans das Ziel erreichte. Der Nürtinger, der nach seinem Zeitfahrsieg am vergangenen Dienstag für zwei Tage Gelb getragen hatte, verlor erwartungsgemäß seinen Spitzenplatz in der Gesamtwertung. Zuletzt hatte der 26-Jährige auf Rang vier gelegen, allerdings immer wieder betont, keine Ambitionen im Gesamtklassement zu haben.

In der Anfangsphase der Etappe hatte sich eine erste große Führungsgruppe formiert, die zeitweilig 24 Fahrer stark war. Allerdings lösten sich bereits nach einigen Kilometern sieben Ausreißer aus dem Pulk, darunter auch der Kaarster Markus Fothen. Die Gruppe bildete bis zum Tourmalet die Spitze des Rennens. Nachdem die sieben Fahrer zu Beginn des 17km langen Anstiegs noch neun Minuten Vorsprung auf ihre Verfolger hatten, schmolz der Abstand jedoch mit jedem Kilometer mehr dahin.

Unter der Tempoarbeit des dänischen CSC-Teams angeführt vom Berliner Jens Voigt wurde ein Ausreißer nach dem anderen wieder eingeholt, wobei Fothen bereits in der Abfahrt vom Tourmalet "geschluckt" wurde. Als letzter hielt sich bis zum Schlussanstieg der Franzose Remy de Gregorio allein an der Spitze, ehe auch er nach hinten durchgereicht wurde.

"Das war ein harter Tag, heute habe ich viele Körner gelassen. Für mich ist im Gesamtklassement nicht mehr viel drin. Meine Beine sind nicht gut. In der ersten Woche bin ich für Schumi gefahren, diese Woche fahre ich für Bernhard und ich hoffe auch nächste Woche", sagte Fothen.

Erster Ruhetag am Dienstag

Zeit zum Verschnaufen von den beiden schweren Pyrenäen-Etappen bietet der erste Ruhetag am Dienstag. Etwas leichter als auf den vorangegangenen Tagen wird es am Mittwoch auf dem elften Teilstück, das über 167,5km von Lannemezan nach Foix führt. Höchster Punkt des Tagesabschnitts ist dabei der Col de Portel (1432m), ein Anstieg der ersten Kategorie 60km vor dem Ziel. Daneben stehen zwei kleinere Pässe der dritten Kategorie auf dem Programm.