2008.07.15 Neuss : Basketballer schwitzen in Athen für Olympia

Deutschlands Basketballer wollen beim Qualifikationsturnier in Athen das Olympia-Ticket buchen. Heute geht es für das Team von Coach Dirk Bauermann zum Auftakt gegen die Kapverden.

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Bundestrainer Dirk Bauermann

Der erste Vergleich mit den Kapverden in der deutschen Sportgeschichte stellt Deutschlands Basketballer vor seltene Probleme. Kaum Informationen, keine Videos oder DVDs, keine Testspiele, um zu spionieren: Die "Riesen" aus dem Inselstaat 460km vor Westafrika sind bei der Olympia-Qualifikation in Athen eine unbekannte Größe.

"Zum Glück hatten wir die Gelegenheit, sie am Montag bei ihrem Auftaktspiel gegen Neuseeland zumindest einmal zu beobachten", sagte Bundestrainer Dirk Bauermann. Heute (14.30 Uhr/live im DSF) steht für Nowitzki und Co. im ersten Gruppenspiel das Duell mit den Basketball-Exoten auf dem Programm.

Bauermann sah beim 50:77 (20:42) der Kapverden gegen die "Kiwis" schnelle, wendige, aber physisch unterlegene Spieler, die mit einem 4:21 im ersten Viertel starteten. Erst, als Neuseeland nach dem Wechsel zu zaubern versuchte, gestaltete sich das Ergebnis für die Außenseiter ein wenig freundlicher.

Kapverden gefallen sich in der Außenseiterrolle

"Ich hoffe, gegen Deutschland starten wir besser. Zudem müssen wir noch kreativer sein", meinte der kapverdische Coach Eric Silver: "Unser Vorteil ist vielleicht, dass sie uns nicht so gut kennen und keiner von uns ernsthaft einen Sieg erwartet."

Dagegen ist ein Erfolg der DBB-Auswahl beim Länderspiel-Debüt des eingebürgerten NBA-Profis Chris Kaman auf dem Weg nach Peking Pflicht. Bauermann warnt dennoch vor Überheblichkeit, auch wenn nahezu nichts für den Überraschungs-Dritten der Afrikameisterschaft spricht. Die zwölf besten ihrer insgesamt 250 offiziell registrierten Korbjäger haben die Kapverden von ihren neun Inseln (430.000 Einwohner) in die griechische Hauptstadt entsandt, um international Erfahrung zu sammeln.

Ein wenig unsicher und irritiert bewegen sich die langen Kerls aus Afrika im Athener Nobelhotel Divani Caravel abseits des Rummels um die zahlreichen NBA-Profis aus den anderen Teams. Ein bisschen, so ein Beobachter, kommen ihm die Basketballer von den Kapverden bei diesem Quali-Turnier vor wie einst die Bobfahrer aus Jamaika bei den Winterspielen 1988 in Calgary, getreu dem Motto: Dabei sein ist alles.

"Wichtig ist nur das Ergebnis", erklärte derweil Bauermann, der das Duell mit den Nobodies als gelungene Chance sieht, Kaman unter Wettbewerbsbedingungen zu integrieren und zu testen. "Wenn wir im wichtigeren Viertelfinale etwas von ihm haben wollen, dann haben wir jetzt die Möglichkeit, ihn einzuspielen", so der 50-Jährige. Probleme sieht Bauermann nicht, weil "seine Spielweise eigentlich europäisch ist".

Auch die Umstellung auf das im Vergleich zur NBA etwas engere Spielfeld sowie die differenzierte Auslegung der Verteidigungsregeln dürften dem 2,13m langen Center mit deutschen Wurzeln nichts von seiner gewohnten Effizienz nehmen. "Im Gegenteil, das engere Spiel kommt ihm vielleicht sogar entgegen. Chris erhöht in jedem Fall die Chance, unser großes Ziel zu erreichen", ergänzte Bauermann.

Kontinuierlich steigendes Niveau

Der Spielplan des Turniers mit kontinuierlich steigendem Niveau der Gegner kommt der deutschen Mannschaft entgegen. "Wichtig ist, dass wir die notwendige Frische im Kopf und den Beinen für ein derart hartes Turnier haben. Wir haben nur einen Tag Pause. Das bedeutet eine hohe physische und mentale Belastung", erklärt der DBB-Coach.

Das zweite Gruppenspiel steigt am Mittwoch (18.30 Uhr/live im DSF) gegen Neuseeland, bevor die erste hohe Hürde am Freitag im Viertelfinale - höchstwahrscheinlich Brasilien - auf die DBB-Auswahl wartet.