2008.07.16 Neuss : Duenas Nevado beschert Tour zweiten Dopingfall

Die 95. Tour de France hat ihren zweiten Dopingfall: Der Spanier Moises Duenas Nevado vom Team Barloworld wurde bei einer Probe am vierten Tag positiv auf Epo getestet.

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Moises Duenas Nevado muss die Tour verlassen

Überführt, abgeführt, ausgeschlossen: Der zweite Dopingfall der Tour war in nur 60 Minuten abgewickelt. Nachdem das Team Barloworld am Mittwochmorgen um 9.00 Uhr vom positiven Doping-Test seines Fahrers Moises Duenas Nevado unterrichtet, der Spanier anschließend abgeführt und sein Zimmer durchsucht worden war, deutete im Hotel "Le Rex" in Tarbes schon um 10.00 Uhr nichts mehr auf die vorherige Razzia hin. Kurz darauf verließen die verbliebenen sieben Radprofis des britischen Rennstalls die Teamunterkunft Richtung Start der elften Etappe in Lannemezan.

Barloworld bleibt im Rennen

"Ich hatte noch nicht mal Zeit, mit Moises zu sprechen. Wir sind alle absolut schockiert", sagte Teammanager Claudio Corti, der Duenas Nevado sofort aus dem Rennen nahm. Ein Ausstieg der gesamten Mannschaft stand nicht zur Diskussion. "Daran haben wir keinen Gedanken verschwendet. Das Team hat mit diesem Fall nichts zu tun. Wir werden das Rennen selbstverständlich zu Ende fahren", sagte Teamsprecher Claudio Masnata.

Duenas Nevado war nach dem Zeitfahren der vierten Touretappe positiv auf das Blutdopingmittel EPO getestet worden, wie die französische Anti-Doping-Agentur AFLD bekannt gab. "Wir haben den Fahrer am Morgen über den positiven Test informiert", sagte AFLD-Präsident Pierre Bordry. Am Nachmittag wurde dann bekannt, dass die Dopingfahnder bei ihrer Suche nach verbotenen Substanzen im Zimmer von Duenas Bevado fündig geworden waren.

Tourdirektor Christian Prudhomme lobte in einer ersten Reaktion die Arbeit der Doping-Agentur. "Wir haben großes Vertrauen in die AFLD. Unsere gemeinsame Botschaft lautet: Betrüger werden gefasst." Am vergangenen Freitag hatte bereits der Spanier Manuel Beltran vom Team Liquigas nach einer positiven EPO-Probe die Tour verlassen müssen.

Scharfe Kritik von UCI-Boss McQuaid

UCI-Präsident Pat McQuaid übte unterdessen scharfe Kritik am spanischen Radsport: "Es ist interessant, dass ausgerechnet Spanien nun schon den zweiten Dopingfall hat - dort ist die Botschaft offenbar langsamer angekommen", meinte der Ire, der den neuen Doping-Sünder hart angriff: "Er ist ein Idiot."

Auch Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer war nicht überrascht, dass erneut ein Spanier aufflog: "Das passt ins Bild. Ich kenne den Fahrer nicht, aber um so einen ist es nicht schade", sagte der 54-Jährige: "Es wäre dramatischer, wenn es einen namhafteren Fahrer oder ein anderes Team beträfe. Aber ich bin überzeugt, dass die Zahl der Unbelehrbaren inzwischen deutlich gesunken ist. Auch dieser Fall wird seine abschreckende Wirkung haben."

Teamkollegen enttäuscht

Derweil zeigten sich die übrigen Barloworld-Fahrer am Etappenstart bitter enttäuscht von ihrem Teamkollegen. "Natürlich erwartet man nicht, dass sowas in der eigenen Mannschaft passiert. Ich kann nur sagen, dass wir anderen damit nichts zu tun haben und uns weiter auf unser Rennen konzentrieren werden", sagte der Südafrikaner Robert Hunter. Und der Engländer Christopher Froome ergänzte: "Wir werden als Team jetzt noch enger zusammenrücken."

Der 27-jährige Duenas Nevado hatte nach zehn Etappen als bester Fahrer seines Teams den 19. Platz der Gesamtwertung 6:43 Minuten hinter Spitzenreiter Cadel Evans (Australien/Lotto) belegt. Er fuhr seit zwei Jahren beim Team Barloworld. Als Jungprofi hatte er sich durch den Gewinn der Tour de l'Avenir hervorgetan. Sein Sportchef Alberto Volpi zeigte sich verständnislos: "Für unser Team war es schon ein Erfolg, zur Tour eingeladen zu werden. Für uns geht es nicht um Siege, deshalb ist dieser Fall einfach unfassbar."