2008.07.20 Neuss : DFL-Chef Seifert kritisiert Bundeskartellamt

DFL-Chef Christian Seifert hat heftige Kritik an den Forderungen des Bundeskartellamts geübt, die Spiele der Bundesliga zeitnah im Free-TV zu übertragen.

nka
Sieht den Profifußball gefährdet: Christian Seifert

DFL-Chef Christian Seifert hat heftige Kritik an der Forderung des Bundeskartellamts nach einer zeitnahen Übertragung der Ligaspiele im frei empfangbaren Fernsehen geübt. "Wir sind auf dem besten Weg, den Standort Deutschland für den Profifußball massiv zu gefährden", sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) der Bild-Zeitung: "Sollte die Forderung des Kartellamtes umgesetzt werden müssen, würde das nicht nur dem neuen TV-Modell die Grundlage entziehen, die nationale TV-Vermarktung wäre schwieriger denn je."

Selbst für den Zuschauer sei eine Garantie für die Ausstrahlung der Bundesliga vor 20 Uhr im Free-TV "nur auf den ersten Blick ein Sieg". Denn die Liga stehe "im Wettbewerb mit den Top-Ligen in Spanien, England oder Italien. Dort gibt es wesentlich mehr Geld aus dem TV. Wenn diese Lücke noch größer wird, sinken automatisch unsere Chancen im UEFA-Cup und der Champions League. Es kann kein Fan wollen, dass die Superstars nur im Ausland spielen."

Offenbar zeigt sich die DFL aber kompromissbereit. Seifert erklärte, man werde versuchen, "das Kartellamt zu überzeugen, dass es sinnvoll ist, zwei Free-TV-Szenarien auszuschreiben. Eines, das am Samstag um 20 Uhr endet. Und eines, das zwar am Samstag später beginnt, dafür am Sonntag mit Live-Spielen und einer frühen Zusammenfassung insgesamt 27 Prozent mehr Free-TV bedeutet."

Kritik am Werbeverbot für Alkohol

Gleichzeitig zeigte sich der DFL-Chef besorgt über das drohende Werbeverbot für Alkohol. "Wenn dieses Verbot kommt, stehen bei der Bundesliga mindestens 20 Millionen Euro auf dem Spiel. Und unsere Fernsehpartner verlieren 10 Millionen Euro. Geld, dass für die Refinanzierung der TV-Rechte fehlt."

Betrachte man dies alles gemeinsam mit "dem absurden Wettmonopol für die öffentlich-rechtlichen Anbieter", komme man zu dem Ergebnis, "manche Entscheidungsträger in Deutschland glauben offenbar, dass eine gesunde und funktionierende Bundesliga ein Naturzustand ist. Davor kann ich nur warnen", so Seifert.