2008.07.25 Neuss : DFL will in Sachen TV-Vermarktung nachverhandeln

Nach der Entscheidung des Bundeskartellamtes will die Deutsche Fußball Liga (DFL) mit dem Vermarkter ihrer Fernsehrechte nachverhandeln. Das gab die DFL am Freitag bekannt.

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Die DFL will nachverhandeln

Der deutsche Fußball sieht sich durch die Rote Karte vom Bundeskartellamt schwer geschädigt. "Durch die Entscheidung des Bundeskartellamts wurde dem Sirius-Vertrag die Grundlage entzogen", sagte DFL-Geschäftsführer Christian Seifert am Freitag auf einer Pressekonferenz im Hotel Interconti in Frankfurt/Main. Ob die DFL juristische Schritte einleitet, war auch einen Tag nach dem Entscheid der Wettbewerbshüter noch unklar.

Sirius, eine Tochtergesellschaft der Kirch-Beteiligungsgesellschaft KF 15, hat der Liga für die Vermarktung der Fernsehrechte ab 2009 für sechs Jahre drei Milliarden Euro garantiert. Aber nur für mehr Exklusivität. Die ist nach dem Spruch des Bundeskartellamtes, das eine zusammenfassende Berichterstattung von den Samstagsspielen der Bundesliga im Free-TV vor 20.00 Uhr verlangt, nicht mehr gegeben.

Es muss nachverhandelt werden, Einnahmeverluste werden sogar befürchtet, weshalb Karl-Heinz Rummenigge in Bezug auf die Konkurrenzfähigkeit ein düsteres Bild malte. "Einen Champions-League-Sieger sehe ich im deutschen Vereinsfußball angesichts der herrschenden Knebelungen in den nächsten Jahren nicht", sagte der Vorstandvorsitzende des deutschen Meisters Bayern München am Freitag in einem Interview mit dem sid.

Pläne C, D und E im Hinterkopf

Die DFL steht nun mächtig unter Zeitdruck. "Es ist jetzt unsere Aufgabe, einen Plan C, vielleicht sogar einen Plan D und E zu entwickeln. Wir werden uns zügig an die Arbeit machen, werden aber nichts überstürzen", kündigte Seifert an. Schnellstmöglichst soll es Gespräche mit Sirius geben, um die vom Bundeskartellamt gestellten Forderungen umzusetzen.

Parallel dazu werde man wie bisher im Dialog mit den Bonner Wettbewerbshütern bleiben, erklärte Liga-Verbandspräsident Reinhard Rauball, der die Situation als "prekär" einschätzte, weil nun der Wettbewerb zwischen den Bietern wegfalle. Zudem überlegt die DFL nach der Entscheidung des Bundeskartellamtes vom Donnerstag juristische Schritte. "Wir haben mehrere Prüfungen in Auftrag gegeben", bestätigte Rauball weiter und gab zu, noch kein Patentrezept zu haben.

Befürchtungen, dass die deutschen Spitzenklubs aus der Zentralvermarktung ausscheren, zerstreute Rummenigge. "Würden wir als FC Bayern die Solidarität aufkündigen, wäre das für uns kurzfristig vorteilhaft, für den Fußball in Deutschland aber schädlich. Wir werden den Profifußball nicht im Regen stehen lassen. Jetzt erst recht", sagte Rummenigge dem sid.

Die DFL befürchtet massive finanzielle Einbußen. Seifert hält es sogar für möglich, dass noch nicht einmal die aktuellen Einnahmen von 420-Millionen-Euro pro Saison aus den TV-Rechten ab 2009 mehr erreicht werden können. Zum internationalen Vergleich: Die Klub in der englischen Premier-League erhalten für die kommende Saison umgerechnet 1,2 Milliarden Euro.

Rauball spricht von "Lex ARD"

Rauball hatte auch am Tag danach kein Verständnis für die Entscheidung und sprach sogar von einer "Lex ARD". Die Verbraucherinteressen seien "identifiziert worden mit dem Erhalt der Sportschau", echauffierte sich der Jurist und klagte: "In keiner anderen Liga werden einem ähnliche Fesseln angelegt wie bei uns." Rauball meinte, dass der Fan bei den Eintrittskarten möglicherweise tiefer in die Tasche greifen müsse.

In die gleiche Richtung äußerte sich Vorstand Dirk Huefnagels von der Sponsorenvereinigung S20 - ein Zusammenschluss der wichtigsten werblichen Unterstützer der Fußball-Bundesliga. "Was ich befremdlich finde ist, dass eine Institution, dessen Aufgabe die Wettbewerbsförderung ist, derart detailliert in die TV-Gestaltung eingreifen kann", meinte Huefnagels.

Seifert ging mit dem Bundeskartellamt hart ins Gericht. Der drohende Wegfall der Bieter verhindere den Wettbewerb. "Durch die Zementierung der Zusammenfassung vor 20.00 Uhr ist ein Free-TV-Wettbewerb nahezu ausgeschlossen. Auch der Wettbewerb zwischen Free- und Pay-TV entfällt", sagte Seifert und konnte sich einen Seitenhieb auf das Kartellamt nicht verkneifen: "Wer das nicht sieht, ist weit weg vom Markt oder zynisch".

Rummenigge von der Politik enttäuscht

Rauball indes will sich auch von anderer Seite Hilfe holen. Rauball: "Die Politik muss im Interesse der Fans und der Bundesliga handeln." In die gleiche Kerbe schlägt Rummenigge: "Wenn ich sehe, wie Politiker bei einer WM oder EM die Spieler und Funktionäre herzen und küssen, und dann, wenn sie gebraucht werden ist niemand da - da kommt man schon ins Grübeln."