2008.07.26 Neuss : Horst Köhler wünscht Olympiateam "gute Reise"

In Berlin hat Bundespräsident Horst Köhler die deutschen Athleten zu den Olympischen Spielen in Peking verabschiedet: "Ganz Deutschland drückt ihnen die Daumen."

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Bundespräsident Horst Köhler verabschiedet das Olympiateam

Aus dem idyllischen Garten von Schloss Bellevue hat Bundespräsident Horst Köhler das deutsche Olympiateam auf seine Goldmission nach Peking geschickt. Bei strahlendem Sonnenschein verabschiedete Köhler die Mannschaft am Samstag in lockerer Atmosphäre und versprach den rund 40 Sportlern aus dem 440-köpfigen deutschen Aufgebot sowie zehn Paralympics-Teilnehmern: "Ganz Deutschland drückt ihnen die Daumen, dass sie erreichen, was sie sich vorgenommen haben. Sie sollen wissen: Wir sind stolz auf unsere Teams. Ihnen allen eine gute Reise und viel Erfolg."

Köhler bedauerte, dass die Sportler in jüngster Vergangenheit unter der Diskussion über die Menschenrechtslage in China gelitten hätten, hob aber den Wert der Debatte hervor: "Es ist gut, dass der Sport auf diesem Wege auch politische Diskussionen befördert."

"Auszeichnung und Motivation zugleich"

Vor rund 100 Medienvertretern nahm sich das Staatsoberhaupt anschließend rund eine Stunde Zeit, um mit vielen Sportlern in seinem Amtssitz persönlich zu sprechen und für Fotos zu posieren. Einmal musste sogar der Bundestags-Sportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert als Fotograf fungieren. "Für uns ist diese Verabschiedung Auszeichnung und Motivation zugleich. Sie zeigt, welchen Stellenwert der Sport in der Politik hat", sagte die viermalige Ruder-Olympiasiegerin Kathrin Boron (Potsdam) stellvertretend für das gesamte Team und versprach: "Sie können sich sicher sein, dass wir unser Land würdig vertreten werden."

DOSB-Präsident Thomas Bach hatte Köhler zuvor den deutschen Medaillenanzug mit der Aufschrift "Horst Köhler - Bundespräsident" als Gastgeschenk überreicht. "Ich hoffe, unsere Athleten können ihn in Peking oft tragen", sagte Bach. 22 ernsthafte Goldhoffnungen gibt es im deutschen Team, das den nach 1992 eingesetzten Abwärtstrend bei der Medaillenausbeute in China stoppen will. Zuletzt in Athen gab es 49 Medaillen - 13-mal Gold, 16-mal Silber und 20-mal Bronze, was für Platz sechs im Medaillenspiegel reichte.

Medaillenanzug sitzt wie maßgeschneidert

Bei Köhler, der keine Reise zu den Sommerspielen (8. bis 24. August), dafür aber zu den Paralympics (6. bis 17. September) plant, saß der Medaillenanzug wie maßgeschneidert. Er zog ihn für das gemeinsame Gruppenfoto über. Erstmals tragen Olympioniken und Teilnehmer der Paralympics 2008 die gleiche Kleidung, auch die gemeinsame Verabschiedung durch den Bundespräsidenten war eine Premiere.

Trampolin-Olympiasiegerin Anna Dogonadze (Bad Kreuznach) war dafür eigens aus dem Trainingslager im französischen Antibes angereist. "Als mich der Verband angeschrieben hat, habe ich sofort zugesagt. Es ist eine große Ehre, hier zu sein", meinte die 35-Jährige, die neben Boron, Judoka Yvonne Bönisch sowie Kanutin Katrin Wagner-Augustin (beide Potsdam) eine von vier Athen-Olympiasiegerinnen am Schloss Bellevue war.

Das Gros der deutschen Mannschaft wird zwischen Sonntag und dem 3. August zu den Sommerspielen starten. Eine der größten Gruppen mit rund 80 Sportlern, darunter die Gold anstrebenden Fußballerinnen, fliegt am Mittwoch (30. Juni) ab.

Die Schwimmer sind dagegen schon nach Asien aufgebrochen, um sich in Kumamoto/Japan zu akklimatisieren. Die ersten deutschen Sportler, die in Peking eintreffen, sind am Sonntag die Kanuten. Das Unternehmen Peking kostet rund fünf Millionen Euro, 70 Prozent davon kommen aus Steuermitteln, den Rest decken der DOSB und seine Partner ab.