2008.08.06 Neuss : Basketballer Nowitzki darf deutsche Fahne tragen

Wenn die deutsche Mannschaft am Freitag bei der Eröffnungsfeier von Olympia einläuft, wird NBA-Star Dirk Nowitzki die deutsche Fahne tragen. Das gab der DOSB in Peking bekannt.

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Dirk Nowitzki beim Training in Peking

Als der Olympia-Frischling Dirk Nowitzki von seiner Wahl zum Fahnenträger der deutschen Mannschaft erfuhr, war er erst einmal baff. "Ich habe nicht damit gerechnet", gestand er, "denn die Entscheidung für mich ist ein kleiner Traditionsbruch." Keinem mehrfach dekorierten Olympiasieger wurde die Ehre diesmal zuteil, sondern einem titellosen Weltstar und Multi-Millionär. Der aber freut sich wie ein kleines Kind auf die Eröffnungsfeier: "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Da wird es mir kalt den Rücken runterlaufen."

Bei seiner Vorstellung im Deutschen Haus präsentierte sich der 30 Jahre alte Basketball-Profi ungemein locker - und mit einer Frisur, mit der er im übertragenen Sinne schon mal Flagge zeigte. Von Mitspieler Chris Kaman hatte sich Nowitzki unter Zuhilfenahme eines Plastiktellers die olympischen Ringe ins kurz geschorene Haar rasieren lassen. Die ganze Mannschaft will es jetzt machen wie ihr Anführer, der nach DDR-Handballerin Kristina Richter (1980/Moskau) erst als zweiter Teamsportler die deutsche Fahne trägt.

Besondere Ehre für den Würzburger

Der Besonderheit seiner Berufung war sich Nowitzki dabei durchaus bewusst. Eigentlich sei dies ja eine Aufgabe für einen "gestandenen Olympioniken", räumte er ein: "Ich hoffe, dass sich niemand auf den Schlips getreten fühlt." In den vergangenen Tagen hatten sich auch die viermalige Ruder-Olympiasiegerin Kathrin Boron, Pistolen-Schütze Ralf Schumann (dreimal Gold) oder Kanute Andreas Dittmer berechtigte Hoffnungen machen können, die deutsche Mannschaft ins Olympiastadion führen zu dürfen.

Dittmer zeigte sich auch prompt enttäuscht, dass "erstmals kein Athlet, der vorher Olympiateilnehmer war", die Fahne tragen darf. "Auch bei der Begründung mit der Authentizität haben viele von uns im Team den Kopf geschüttelt. Es hätte viele Sportler gegeben, die es verdient gehabt hätten", sagte der dreimalige Olympiasieger. Zuvor hatte bereits Birgit Fischer, mit acht Mal Gold im Kanu die erfolgreichste Deutsche der Olympia-Geschichte, einen möglichen Bruch mit den Traditionen kritisiert.

"Untadelige sportliche Haltung"

Für Michael Vesper, in Peking Chef de Mission der deutschen Mannschaft, ist die Entscheidung für "Gerd Nowitzki, äh, Dirk Nowitzki" allerdings "keine Entscheidung gegen einen anderen Sportler", sondern für einen Weltstar, "der trotzdem bescheiden geblieben ist". Vesper lobte Nowitzkis "authentische Ausstrahlung für die olympische Idee" sowie dessen "untadelige sportliche Haltung".

Zugleich hofft der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sport-Bundes (DOSB), dass von Nowitzkis Ernennung auch ein Signal ausgeht. "Wir hoffen, dass durch diesen Ausnahmeathleten der Funke überspringt auf junge Leute und seine Wahl Auswirkung auf unseren Erfolg in Peking haben wird", sagte Vesper. Die deutsche Mannschaft hat in Peking gut 20 Gold- und 60 weitere Medaillenhoffnungen. Ein Resultat wie 2004 in Athen mit 13 Siegen und insgesamt 49 Medaillen wäre schon ein Erfolg.

Platz sechs ist das Ziel

Während Nowitzki nun davon träumt, mit den deutschen Basketballern eine Medaille zu gewinnen ("aber das wird sehr schwer"), erwartet Vesper, dass die 437 Sportler starke deutsche Mannschaft die seit Barcelona 1992 anhaltende Talfahrt stoppt: "Wir wollen die Trendwende einläuten. Dafür reicht vielleicht schon ein Ergebnis wie 2004 bei Platz sechs in Athen. Aber das, was wir auf den Weg gebracht haben, wird seine volle Wirkung erst 2012 in London entfalten. Da wollen wir wieder unter die ersten Fünf."