2008.08.07 Neuss : Schumacher: "Bei Medaillenvergabe mitreden"

Stefan Schumacher startet am Samstag im Straßenrennen zu seiner Olympia-Premiere. Im sid-Interview spricht er über seine Medaillen-Chancen sowie die klimatischen Bedingungen.

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Stefan Schumacher hat auch in Peking das Wetter im Blick

Nach seinen zwei Tagen in Gelb bei der Tour de France will Stefan Schumacher nun in Peking den goldenen Coup perfekt machen und den Olymp erklimmen. Vor seiner Olympia-Premiere äußert sich der deutsche "Rad-Schumi" zu seinen Medaillenchancen im Straßenrennen am Samstag und beim Zeitfahren am Mittwoch sowie zur "großen Unbekannten", dem Wetter.

sid: "Stefan Schumacher, nach Ihren starken Vorstellungen bei der Tour gehören Sie auch in Peking zu den Mitfavoriten. Mit welchen Erwartungen gehen Sie ins Straßenrennen am Samstag?"

Stefan Schumacher: "Ich will bei der Medaillenvergabe ein Wörtchen mitreden. Meine Form wird nach der Tour hoffentlich nicht so schlecht sein. In zwei Wochen kann nicht viel kaputtgegangen sein. Ich habe gut trainiert und bin hochmotiviert. Eine Medaille wäre ein Traum."

sid: "Wie kommen Sie mit den klimatischen Bedingungen zurecht?"

Schumacher: "Das Wetter ist die große Unbekannte. Die Bedingungen sind schon sehr extrem. Jeder hat irgendwie Druck auf den Lungen, die Augen brennen ein wenig. Wir sind am Mittwoch viereinhalb Stunden gefahren, es fühlte sich an wie sieben, acht Stunden. Es ist wenig Sauerstoff in der Luft, einfach wie im Höhentrainingslager."

sid: "Was heißt das für das Rennen?"

Schumacher: "Es wird ein extremes Rennen geben, quasi ein Ausscheidungsfahren. Der Kurs mit dem Berg ist sehr selektiv. Die Strecke ist eine Mischung aus einem Klassiker und einer Hochgebirgsetappe. Dementsprechend werden solche Fahrertypen auch gefragt sein. Die Strecke hat Flair. Ich habe großen Respekt vor dem Kurs und der Veranstaltung insgesamt."

sid: "Am Mittwoch wartet im Zeitfahren die vielleicht noch größere Chance auf eine Medaille. Wie ist dort die Ausgangslage?"

Schumacher: "Sicherlich zähle ich nach meinen beiden Tour-Etappensiegen im Zeitfahren vom Papier her zu den Favoriten. Da will ich auch gar nicht tiefstapeln. Das ist ein schwerer Kurs, der mir liegt. So oder so, eine Medaille ist hier bei Olympia mein Ziel. Aber ich gehe die Angelegenheit entspannt an und will das Optimale herausholen."

sid: "Sie sind bereits seit einer Woche hier in Peking. Welchen Eindruck haben Sie bei Ihrer Premiere von Olympia gewonnen?"

Schumacher: "Die Stimmung im olympischen Dorf ist sehr angenehm. Es herrscht eine tolle Atmosphäre. Das ist schon eine Abwechslung zu den üblichen Radsport-Veranstaltungen. Man lernt viele Leute kennen. Es macht großen Spaß."

sid: "Weniger erfreulich ist die Sponsorensuche bei Ihrem Team. Gerolsteiner-Teamchef Hans-Michael Holczer hat nicht mehr allzu große Hoffnung, dass es mit dem Team weitergeht. Gibt es bereits Kontakt zu anderen Mannschaften?"

Schumacher: "Es hat nach der Tour Anfragen gegeben. Es laufen bereits Gespräche. Aber ich kann es immer noch nicht glauben, dass es womöglich bei Gerolsteiner nicht weitergeht. Hier passt alles. Sicher, ich würde einen neuen Rennstall finden. Und sollte es konkreter werden, werde ich mich mit Hans-Michael Holczer zusammensetzen. Schließlich habe ich bei ihm noch einen Vertrag bis 2009."