2008.08.09 Neuss : Fußball-Zwerge proben im DFB-Pokal den Aufstand

Spannende Spiele stehen am Wochenende im DFB-Pokal an. Die Fußball-Zwerge proben dabei den Aufstand gegen arrivierte Bundesligisten, die sich mit Personalproblemen herumschlagen.

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Im DFB-Pokal werden auch dieses Jahr wieder Amateure die Profis ärgern

Fichte Bielefeld, Hansa Lüneburg oder der ASV Durlach - am Wochenende proben die Fußball-Zwerge den Aufstand und träumen wieder vom ganz großen Pokal-Coup. Die 1. Hauptrunde im 66. DFB-Pokal-Wettbewerb bringt zahlreiche neue Auflagen des reizvollen Duells David gegen Goliath (alle Spiele live bei Premiere).

Gladbach muss zum tiefstklassigen Pokal-Teilnehmer Fichte Bielefeld

Selbst der tiefstklassige Teilnehmer Fichte Bielefeld (7. Liga) will gegen Bundesliga-Aufsteiger Borussia Mönchengladbach heute das Unmögliche möglich machen. "Natürlich sind wir krasser Außenseiter. Wir gehen aber nicht in die Partie und sagen, dass wir eh schon verloren haben", sagte Trainer Mark Sawkill.

Gladbach-Coach Jos Luhukay warnte sein Team bereits vor der auf die Bielefelder Alm verlegte Partie: "Das ist kein Testspiel mehr, wir bekommen nichts geschenkt." Sei jedoch die nötige professionelle Einstellung bei seinen Profis vorhanden, werde man bei allem Respekt auch gewinnen, so der Niederländer, der auf Kapitän Oliver Neuville (Achillessehnenprobleme) verzichten muss. Der Nationalspieler hatte vor einer Woche beim Stadionfest noch den Pokalsieg als Ziel ausgegeben.

Bremen, Schalke, Stuttgart, Frankfurt und Bielefeld müssen sich gegen Oberligisten beweisen

Das Erreichen des Endspiels in Berlin ist auch für Eintracht Frankfurt, das beim SC Pfullendorf antritt, der Anspruch. Doch Pfullendorfs Chefcoach Walter Schnecks verspricht den Hessen einen heißen Kampf: "Das sind auch nur Menschen. Wir wollen unsere Ein- oder Zwei-Prozent-Chance nutzen." Immerhin konnte der Regionalligist 2006 mit Arminia Bielefeld schon einmal einen Bundesligisten in der ersten Runde ausschalten.

Das gleiche Kunststück versucht nun Oberliga-Aufsteiger ASV Durlach. Der Fünftligist, dem wie allen anderen Teams in der ersten Runde TV-Gelder in Höhe von 97.942 Euro sicher sind, träumt vor dem Match gegen die Arminia vom großen Wurf. "Manchmal werden Träume auch wahr. Eine Chance hat man als Außenseiter immer", betonte der ASV-Vereinsvorsitzende Bernd Reize vor dem "Spiel des Jahrzehnts" in dem Karlsruher Stadtteil (30.000 Einwohner).

Pokalfieber herrscht auch beim Fünftligisten Hansa Lüneburg. "Wir haben bei der Auslosung alle mitgefiebert und ein Granatenlos erhalten. Wir freuen uns riesig auf den VfB mit seinen Nationalspielern und besonders auf Jens Lehmann", sagte Trainer Ralf Sievers vor dem Spiel gegen den VfB Stuttgart. Sievers kennt immerhin das Gefühl, den Pott zu holen: 1988 gewann er den Cup mit Eintracht Frankfurt.

Das heiß erwartete Match werden am Sonntag 8.500 Zuschauer im ausverkauften Stadion Wilschenbruch verfolgen. Dabei dürfen die Fans beim VfB die Pflichtspielpremiere von Nationaltorhüter Jens Lehmann bestaunen.

Viele Bundesligisten mit Personalsorgen

Personalsorgen plagen unterdessen Werder Bremen (bei Fünftligist Eintracht Nordhorn), Schalke 04 (beim Oberligisten FC Homburg), Borussia Dortmund (bei Regionalligist Rot-Weiss Essen), Bayer Leverkusen (bei Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen) und vor allem Rekordtitelträger Bayern München. Der Titelverteidiger muss am Sonntag (20.30 Uhr/live im ZDF) beim Drittligisten Rot-Weiß Erfurt gleich auf acht Profis verzichten.

Trainer Jürgen Klinsmann, der am gestrigen Freitag den Niederländer Mark van Bommel zum Kapitän kürte, will den Gegner bei seinem Pflichtspieldebüt als Vereinstrainer auf keinen Fall unterschätzen. "Egal ob es gegen eine Mannschaft aus der Champions League geht oder eine aus der 3. Liga: Ich nehme jedes Spiel ernst", meinte der 44-Jährige, der einen Erstrunden-Krimi wie vor einem Jahr bei Wacker Burghausen (4:3 i.E) verhindern möchte.

Spiel des Jahres für Erfurt und Ingolstadt

Erfurt-Coach Karsten Baumann nimmt das Duell gegen den "Übergegner" mit Humor: "Es ist das einzige Saisonspiel von uns, wo wir jeden Gegenspieler kennen. Unsere Jungs werden aber nicht in Ehrfurcht erstarren", erklärte der ehemalige Bundesliga-Profi.

Eine zumindest auf dem Papier schwierige Aufgabe erwartet den Hamburger SV. Im ersten Spiel nach dem Weggang von Spielmacher Rafael van der Vaart (Real Madrid) müssen die Hanseaten zum Zweitliga-Aufsteiger FC Ingolstadt reisen. Doch HSV-Trainer Martin Jol ist nicht bange: "Wenn wir das umsetzen, was wir normalerweise können, dann müssen wir uns nicht in die Hose machen."