2008.08.09 Neuss : Stefan Schumacher muss vorzeitig aufgeben

Radprofi Stefan Schumacher musste beim olympischen Straßenrennen 55km vor dem Ziel aufgeben. Zuvor war bereits Gerald Ciolek aus dem Rennen ausgestiegen.

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Stefan Schumacher musste der Hitze Tribut zollen

Abgekämpft und völlig frustriert schüttelte Stefan Schumacher immer wieder den Kopf. "Das Rennen war eine Quälerei. Die drückende Hitze, dazu der Smog. Das hat mich völlig fertig gemacht", sagte der zweimalige Tour-Etappensieger, nachdem der Traum von einer Olympia-Medaille an der Chinesischen Mauer jäh geplatzt war.

Als Samuel Sanchez dem spanischen Sommermärchen ein weiteres Kapitel hinzufügte und im Ausscheidungsrennen über 245,19km vor Gerolsteiner-Profi und Geburtstagskind Davide Rebellin sowie dem Schweizer Fabian Cancellara triumphierte, hatten die deutschen Trümpfe bis auf Fabian Wegmann (Platz 21) schon entkräftet die Arbeit eingestellt.

"Einfach nur enttäuscht"

"Ich bin einfach nur enttäuscht. Wir waren am Berg nicht stark genug. Natürlich wäre ich lieber zwei Runden weniger gefahren, aber alle hatten die gleichen Bedingungen. Wir sollten jetzt nicht nach Ausreden suchen", sagte Jens Voigt, der das Rennen in der vorletzten Runde beendet hatte. Zu dieser Zeit waren schon Gerald Ciolek (3. Runde), Bert Grabsch und Schumacher (beide 5.) ausgestiegen.

"Das war die erwartete Hitzeschlacht. Ich hatte es befürchtet, Schumi war die ganze Woche mit der Hitze nicht zurechtgekommen", meinte Hans-Michael Holczer als Sportlicher Leiter der deutschen Mannschaft.

Taktik nicht aufgegangen

Die Taktik war ganz auf Goldhoffnung Schumacher zugeschnitten, doch die Karte stach nicht. Frühzeitig hatten sich Voigt und Grabsch in einer 25-köpfigen Ausreißergruppe postiert, Schumacher konnte im Feld Kräfte schonen - offensichtlich ohne Erfolg: "Zuerst hatte ich gute Beine, aber in der vierten Runde habe ich Kopfschmerzen bekommen", erklärte Schumacher.

Die große Hitze von mehr als 30 Grad und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 90 Prozent setzte vielen zu. So ging bei der Medaillenjagd nach einer "Stadtrundfahrt" durch die chinesische Metropole auf den sieben Schlussrunden ohne die Deutschen die Post ab. "Das ist schon ein mörderisches Klima. Ich war nach 80 Kilometern in der Spitzengruppe platt", meinte Grabsch.

Doch auch Ex-Toursieger Alberto Contador und der dreimalige Weltmeister Oscar Freire mussten den schwierigen Bedingungen Tribut zollen und stiegen vorzeitig vom Rad. Im Finish siegte schließlich Sanchez knapp vor Rebellin, nachdem Einzelkämpfer Cancellara mit einem furiosen letzten Kilometer zur Spitzengruppe aufgeschlossen hatte.

Damit gab es gleich am ersten Wettkampftag der Spiele für die Spanier nach dem EM-Triumph der Fußballer, dem Wimbledonsieg von Rafael Nadal und dem Toursieg von Carlos Sastre das nächste Highlight.

"Der spanische Sport befindet sich derzeit an der Spitze. Wir haben eine gute Generation an Athleten", sagte Sanchez, der auch von einem hervorragenden Teamwork der Iberer profitierte. "Gegen die Spanier, Italiener oder Russen hat uns ein wenig das Potenzial gefehlt", sagte Voigt.

Immerhin durfte sich Holczer ein wenig für seinen Gerolsteiner-Fahrer Rebellin freuen. "Ich hätte ihm die Goldmedaille gegönnt. Er ist einer der Größten, die wir seit langem haben", lobte der Teamchef seinen nur 1,71m großen Kapitän, der am Samstag seinen 37. Geburtstag feierte. Der war "ein wenig enttäuscht", zumal er so dicht vor dem Sieg stand. "Dennoch ist eine olympische Medaille eine große Ehre", sagte Rebellin.

Deutschland muss dagegen seit der Goldfahrt von Jan Ullrich und dem Bronzerang von Andreas Klöden in Sydney 2000 weiter auf eine olympische Medaille bei den Männern auf der Straße warten. Am Mittwoch im Einzelzeitfahren haben Schumacher und Grabsch die nächste Chance auf Edelmetall.