2008.08.10 Neuss : Torhüter-Trio kämpft um Stammplatz bei Joachim Löw

So unterschiedlich die Keeper Timo Hildebrand, Robert Enke und Rene Adler ihren Beruf ausüben, eines haben sie gemeinsam: Sie wollen als deutsche Nummer eins zur WM nach Südafrika.

jdr
Rene Adler gilt als heißester Kandidat für den Torwart-Posten

Timo Hildebrand träumt, Robert Enke schweigt, und Rene Adler hat im Kampf um die Nachfolge von Jens Lehmann derzeit die Nase vorn: Der 23 Jahre alte Torwart von Bayer Leverkusen wird am 20. August in Nürnberg gegen Belgien voraussichtlich erstmals das Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft hüten. Damit hat er auch beste Chancen, als Nummer eins in die Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika zu gehen.

"Es ist für mich ein Kindheitstraum, im deutschen Tor zu stehen. Wenn ich in diesem Monat mein erstes Länderspiel machen könnte, wäre ich sehr glücklich. Dafür werde ich alles tun", sagte Überflieger Adler, der seine Erfahrungen als dritter Mann bei der EM 2008 nutzen will: "Ich hoffe, dass es für mich so weitergeht. Aber ich möchte keinen Machtkampf entfachen."

Das Ringen um die Nachfolge von Lehmann, der am Freitag nach einem zweistündigen Gespräch mit Bundestrainer Joachim Löw und Bundestorwarttrainer Andreas Köpke in Stuttgart seinen Rücktritt bekanntgab, ist allerdings schon voll im Gange. Vor allem der vor der EURO von Löw überraschend ausgebootete Hildebrand will dem prädestinierten Kronprinzen Adler den Platz im deutschen Tor streitig machen.

Hildebrand meldet Ansprüche an

"Turniererfahrung, internationale Spiele und Titel. Ich spiele mit Valencia gegen die Besten der Welt", sagte der 29-Jährige in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Spiegel (Montag-Ausgabe) auf die Frage, was er den Konkurrenten und EM-Teilnehmern Adler und Enke voraus habe. Zwar stellte Löw dem Keeper vom spanischen Pokalsieger FC Valencia kürzlich ein Comeback in Aussicht, für das Spiel gegen Belgien werden am Dienstag aber zunächst nur Enke und Adler nominiert.

Während Adler von allen Seiten protegiert wird, hat der Hannoveraner Enke im deutschen Fußball weiterhin mit fehlender Lobby zu kämpfen. Dass Enke, bei der EM Nummer 2, nach dem Rücktritt von Lehmann nun automatisch zur neuen Nummer 1 aufsteigt, schloss Löw zuletzt kategorisch aus. "Früher hat sich das meist wie von selbst ergeben. Köpke nach Illgner, Kahn nach Köpke, Lehmann nach Kahn. Diesmal gibt es keine so eindeutige Nummer 2. Deshalb muss nicht sofort eine absolute Festlegung auf die Nummmer 1 stattfinden", erklärte Löw, der in Kürze noch das nach der EM anberaumte Gespräch mit Hildebrand führen will.

Allerdings wartet auf den Bundestrainer in der kommenden Woche voraussichtlich auch ein recht unangenehmes Gespräch mit Enke. Ob sich der 30-Jährige als Adler-Ersatz beim dreimaligen Welt- und Europameister auf die Bank setzt, ist derzeit ungewiss. "Ich glaube, man steht mir beim DFB sehr positiv gegenüber", mutmaßte Enke, nachdem ihm Löw und Köpke als Lehmann-Vertreter bei der EM das Vertrauen geschenkt hatten. Der 96-Keeper vermisst im Konkurrenzkampf mit dem sieben Jahre jüngeren Adler allerdings den Rückhalt der Öffentlichkeit.

Enkes Alter ein Nachteil?

"Der Bundestrainer hat mich bei der EM zur Nummer zwei gemacht - auch wenn das einige nicht zu interessieren scheint und sie lieber andere ins Gepräch bringen", sagte Enke, dessen Alter mit Blick auf die WM 2010 in Südafrika ein Nachteil gegenüber Adler sein könnte.

Keine Gedanken mehr über die WM 2010 muss sich Lehmann machen. Vielmehr laufen bereits die Planungen für das Abschiedsspiel des 38 Jahre alten Schlussmanns vom VfB Stuttgart. Lehmann soll beim Länderspiel gegen England am 19. November in Berlin zum letzten Mal des DFB-Trikot tragen. "Das Spiel könnte der richtige Rahmen sein", sagte Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff der Bild am Sonntag.