2008.08.12 Neuss : Deutsches Turnerteam verpasst Medaillenränge

Die deutschen Kunstturner haben beim olympischen Mannschafts-Finale einen Medaillenrang knapp verpasst und landeten auf dem vierten Rang. Gold ging an die starken Chinesen.

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Mit der Mannschaft auf Platz vier: Fabian Hambüchen

Gestürzt, geärgert, aber dann doch gefeiert - für Fabian Hambüchen und Co. war Rang vier im olympischen Teamwettbewerb alles andere als ein undankbarer vierter Platz, ganz im Gegenteil. "Wenn wir so weitermachen, stehen wir in vier Jahren ganz oben. In Athen waren wir schließlich noch Achter", spekulierte der diesmal gefallene Reck-Weltmeister augenzwinkernd.

Schnell verraucht war der Frust über einen Grifffehler beim sogenannten "Ganzen Adler", der erste größere Patzer des 20-Jährigen am Reck seit dem vor-olympischen Test an gleicher Stelle vor knapp einem Jahr. 1,1 Zähler kostete die deutsche Riege der Fehlgriff ihres Vorturners, der Rückstand auf die drittplatzierten US-Amerikaner hingegen betrug 1,275 Punkte - zuviel für einen Sprung auf"s Treppchen.

Zudem ließen neben Hambüchen auch die Teamkollegen Philipp Boy aus Cottbus (Sprung) und Marcel Nguyen aus Unterhaching (Barren) wertvolle Punkte liegen, damit waren die vagen Hoffnungen auf Edelmetall dahin. "Wir wussten, dass es für eine Medaille optimal laufen muss", resümierte Hambüchen. Der neue Olympiasieger China (286,125) und auch die Riege Japans (278,875) blieben ohnehin unerreichbar.

Ganz im Gegensatz zur europäischen Konkurrenz, die geschlossen hinter dem deutschen Sextett lag. "Jetzt sind wir die weltbeste Mannschaft Europas", witzelte Vize-Meister Boy, der nach einem Ruhetag zusammen mit Hambüchen am Donnerstag (11.00 Uhr/05.00 Uhr MESZ) das Mehrkampf-Finale bestreiten wird. Bis dahin, da war sich Vater und Trainer Wolfgang Hambüchen sicher, sei der Lapsus am Reck längst aus dem Kopf seines Sohnes raus: "An dieser Stelle macht Fabian normalerweise keinen Fehler. Aber wir werden die Sache ein bisschen nachtrainieren."

"Aufmerksamkeit noch einmal erhöhen"

Wolfgang Willam, Sportdirektor des Deutschen Turner-Bundes (DTB), konnte dem Missgeschick seines eifrigsten Titelsammlers sogar noch etwas Positives abgewinnen: "Fabian ist immer hochkonzentriert, trotzdem wird ihm dies vielleicht helfen, die Aufmerksamkeit noch einmal zu erhöhen."

Auch Chefcoach Andreas Hirsch wollte dem Zwischenfall keine große Bedeutung beimessen. "Fehler passieren meistens da, wo man sie nicht erwartet", sagte der Berliner, der sich speziell für seine Routiniers Robert Juckel (Cottbus) und Thomas Andergassen (Stuttgart) freute, die mit der besten olympischen Mannschaftsplatzierung seit 20 Jahren ihre Karrieren beendeten.

Eine leichte Stauchung des linken kleinen Fingers - erlitten beim Einturnen am Barren - soll und wird Hambüchen beim Griff nach der Goldmedaille am Reck in einer Woche nicht behindern. "Der Doc hat einen Verband angeordnet, aber nur, damit der Finger nicht anschwillt. Gehandicapt war ich nicht, ich habe ja auch mit der rechten Hand die Reckstange nicht ganz richtig erwischt", analysierte der einstige "Turn-Professor".

Chinas Goldturner unerreichbar

Sein schärfster Mehrkampf-Rivale Yang Wei und dessen Teamkollegen ließen sich unterdessen von den 18.000 Zuschauern im ausverkauften National Indoor Stadium minutenlang feiern. Das zweite olympische Mannschaftsgold für die Gastgeber nach Sydney 2000 hat im Reich der Mitte einen extrem hohen Stellenwert, wie die nicht enden wollenden Wiederholungen im chinesischen Staatsfernsehen bewiesen. So sah es auch Chefcoach Huang Yubin: "Dieses Gold ist die wichtigste aller Turnmedaillen.'