2008.08.12 Neuss : DHB-Team verliert zweites Spiel gegen Island

Im zweiten Spiel bei Olympia setzte es die erste Niederlage für die deutschen Handballer. Mit 29:33 (14:17) musste sich das Team von Trainer Heiner Brand Island geschlagen geben.

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Michael Kraus war bester deutscher Werfer

Nach einer wahren Achterbahnfahrt haben die deutschen Handball-Weltmeister ihr zweites Gruppenspiel in Peking verloren und sind auf dem Weg ins Viertelfinale erstmal ins Stocken geraten. Dem ewigen Geheimfavoriten Island musste sich die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand 29:33 (14:17) geschlagen geben und erlebte zwei Tage nach dem 27:23 zum Auftakt ein Wechselbad der Gefühle: 15 glänzenden Minuten zum Anfang folgten eine völlig unnötige Rote Karte für den unbeherrschten Christian Zeitz, eine Knieverletzung von Pascal Hens, eine Torgala von Michael Kraus und ein leidenschaftlicher, aber letztlich erfolgloser Kampf gegen die Niederlage.

Im nächsten Spiel am Donnerstag zu ungewohnt früher Stunde um 09.00 Uhr Ortszeit (03.00 Uhr MESZ) gegen Ägypten muss nun unbedingt ein Sieg her, um den Anschluss in der Gruppe B auf dem Weg ins Viertelfinale nicht zu verlieren. Der Afrikameister hatte zum Auftakt mit einem Unentschieden gegen Europameister Dänemark überrascht und gegen Rekord-Olympiasieger Russland nur mit einem Tor verloren. Die Russen (16. August) und Dänemark (18.) sind die weiteren deutschen Vorrundengegner. Die jeweils besten vier Teams aus zwei Sechser-Gruppen qualifizieren sich für die Runde der besten Acht.

Kraus bester deutscher Werfer

Zwei Tage nach dem mühsamen 27:23 gegen Südkorea begannen die Deutschen hochkonzentriert und entschlossen. Auf der Mittelposition setzte Michael Kraus gleich als Vollstrecker Akzente und hatte nach elf Minuten schon vier Tore auf dem Konto, am Ende waren es 13 Treffer für den Lemgoer. Holger Glandorf traf achtmal.

Ohnehin war der Rückraum zunächst das Prunkstück. Gegen die im Vergleich zu den Südkoreanern wesentlich defensivere Deckung der Isländer trafen abwechselnd Kraus, Hens und Glandorf. Hinten hielt Abwehrchef Oliver Roggisch die deutsche Deckung vor dem ordentlichen Torwart Johannes Bitter fest zusammen.

Die völlig berechtigte Rote Karte beim nächsten Blackout des Kielers Zeitz markierte dann zunächst das Ende der deutschen Überlegenheit. Wo die Deutschen zuvor klug und konsequent agiert hatten, war der Spielfluss nun verloren, die Isländer nutzten jede Gelegenheit zum Gegenstoß und die durch Zeitz' Rot entstandene Überzahl eiskalt aus. Vor allem Snorri Gudjonsson bekamen die Deutschen nicht in den Griff. Drei Tore Rückstand zur Pause und ein plötzlich scheinbar verschwundenes Selbstvertrauen waren die Folge.

Mit WM-Held Henning Fritz im Tor kam die Auswahl des Deutschen Handball-Bundes (DHB) aus der Kabine - und die Pause schien gerade rechtzeitig gekommen zu sein. Fritz blies mit einer Parade zur Aufholjagd, vorne machten einmal Florian Kehrmann und dreimal Kraus aus dem Rückstand innerhalb von fünf Minuten wieder eine Führung (18:17).

Schrecksekunde nach Hens-Verletzung

In der 39. Minute kam dann die nächste große Schrecksekunde, als Pascal Hens nach einem Sprungwurfversuch falsch aufkam und das linke Knie verdrehte. Der Hamburger blieb liegen, wurde schließlich vom Feld geführt und nahm mit einem dickem Verband auf der Bank Platz. Schon vor vier Jahren in Athen hatte der Rechtshänder wegen Bandscheibenproblemen zwischendurch pausieren müssen, auch im verlorenen Finale gegen Kroatien konnte er nicht spielen. Mit viel Kampfgeist versuchte die Brand-Truppe schließlich noch alles gegen die Niederlage, doch die Isländer behielten die Ruhe und spielten die Partie clever nach Hause.