2008.08.12 Neuss : Goldener Dienstag für die deutschen Olympioniken

Endlich hat es geklappt mit Gold für Deutschland - und dann gleich viermal. Kanute Alexander Grimm, Judoka Ole Bischof und die Reiter in Einzel und Mannschaft standen ganz oben.

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So sehen Sieger aus: Judoka Ole Bischof

Es war ein goldener Dienstag für die deutschen Olympioniken in Peking: Nachdem Slalom-Kanute Alexander Grimm den Bann gebrochen hatte, zogen Judoka Ole Bischof und Vielseitigkeitsreiter Hinrich Romeike in Einzel und mit der Mannschaft nach. Durch die vier Goldmedaillen verbesserten sich die deutschen Athleten im Medaillenspiegel auf Platz vier.

Den Reigen eröffnet hatte Kanut Grimm bereits am Mittag. Der 21 Jahre alte Augsburger siegte im Finale im Einer-Kajak in der Gesamtzeit von 171,70 Sekunden vor dem Franzosen Fabien Lefevre, der auf 173,30 kam. "Vom Olympiasieg habe ich schon als kleines Kind geträumt, jetzt hat es gleich bei meiner Premiere geklappt. Ich habe noch nie so einen tollen Wettkampf gehabt", jubelte Grimm. Die erste olympische Medaille für Togo gewann der als Spitzenreiter ins Finale gegangene Benjamin Boukpeti als Dritter in 173,45 Sekunden.

Judoka Bischof überrascht alle

Die zweite Goldmedaille für das deutsche Team ließ nicht lange auf sich warten. Im Finale der Klasse bis 81kg besiegte der Reutlinger Bischof den zweimaligen Asienmeister Jae Bum Kim aus Südkorea mit einem 1:24 Minute vor Ende erkämpften Yuko (mittlere Wertung). Bronze erkämpften sich Weltmeister Tiago Camilo aus Brasilien und der Ukrainer Roman Gontjuk. Beide hatte Bischof auf dem Weg ins Finale besiegt. "Ich kann gar nicht fassen, was ich heute geschafft habe. Das wird wohl noch Wochen dauern", freute sich der 28-Jährige.

Den goldenen Dienstag perfekt machten die deutschen Vielseitigkeitsreiter, die zum dritten Mal nach 1936 und 1988 Olympiasieger mit der Mannschaft wurden. Ingrid Klimke (Münster) mit Abraxxas, Andreas Dibowski (Egestorf) mit Leo, Frank Ostholt (Warendorf) mit Mr. Medicott, Hinrich Romeike (Nübbel) mit Marius und Peter Thomsen (Lindewitt) mit The Ghost of Hamish triumphierten nach Dressur, Geländeritt und Springen mit 166,10 Punkten vor Australien (171,20) und Großbritannien (185,70).

Romeike holte anschließend auch im Einzel Gold. Der 45 Jahre alte Zahnarzt siegte mit 54,20 Punkten vor Gina Miles aus den USA (56,10). Bronze gewann die Britin Kristina Cook (57,40). Zuletzt hatten deutsche Vielseitigkeitsreiter 1936 in Berlin im Einzel und in der Mannschaft Siege gefeiert.

DFB-Team nach 1:0 gegen Nordkorea im Viertelfinale

Die deutschen Fußball-Weltmeisterinnen mauerten sich derweil auf dem Weg zur ersehnten olympischen Goldmedaille in China ins Viertelfinale. Die Mannschaft von DFB-Trainerin Silvia Neid erkämpfte sich gegen die starke Vertretung aus Nordkorea einen 1:0-Sieg sowie Rang zwei in der Vorrundengruppe F hinter Brasilien und hat damit zum dritten Mal in Folge bei Olympia die K.o.-Runde erreicht. Das Siegtor erzielte Anja Mittag. Nächster Gegner ist Schweden.

Deutschlands Basketballer mussten im Kampf um den Einzug ins Viertelfinale des olympischen Turniers dagegen den ersten Rückschlag hinnehmen. Die Mannschaft um die NBA-Stars Dirk Nowitzki und Chris Kaman verlor das zweite Vorrundenspiel 64:87 gegen Vizeweltmeister Griechenland. Nächster Gegner ist am Donnerstag Weltmeister Spanien.

Deutsche Handballer verlieren gegen Island

Eine Niederlage gab es auch für die deutschen Handballer, die ihr zweites Olympia-Spiel verloren und einen großen Schritt Richtung Viertelfinale verpassten. Gegen den WM-Achten Island musste sich die Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand 29:33 (14:17) geschlagen geben. Nach dem 27:23 im ersten Spiel gegen Südkorea stehen die Weltmeister am Donnerstag gegen Afrikameister Ägypten (09.00 Uhr Ortszeit/03.00 Uhr MESZ) nun unter Zugzwang. Michael Kraus war mit 13 Toren gegen die Isländer bester deutscher Werfer.

Weiter ungeschlagen sind die deutschen Hockey-Olympiasiegerinnen. Im zweiten Spiel siegte die Mannschaft von Bundestrainer Michael Behrmann gegen Neuseeland 2:1 (0:1). Nächster Gegner in der Gruppe B ist am Donnerstag die Mannschaft der USA (10.30 Uhr/04.30 MESZ).

Fabian Hambüchens Sturz vom Reck ließ bereits am Morgen die vagen Medaillenträume der deutschen Kunstturner im olympischen Teamfinale platzen. Der Welt- und Europameister von der TSG Niedergirmes musste im National Indoor Stadium das Königsgerät nach einem Grifffehler vorzeitig verlassen. Die Riege des Deutschen Turner-Bundes kam am Ende auf den vierten Platz. Einen ungefährdeten Sieg feierte Weltmeister China vor Japan und den USA.

Kiefer im Einzel weiter, im Doppel draußen

Nicolas Kiefer erreichte beim olympischen Tennisturnier das Achtelfinale. Der Hannoveraner bezwang den Südafrikaner Kevin Anderson nach 3:20 Stunden mit 6:4, 6:7, 6:4. Zweimal musste sich der 31-Jährige vom Physiotherapeuten wegen Hitzebeschwerden behandeln lassen. Ausgeschieden ist hingegen Rainer Schüttler. Der Korbacher unterlag dem Weltranglisten-Dritten Novak Djokovic in der zweiten Runde 4:6, 2:6. Im Doppel sind Kiefer/Schüttler ebenfalls draußen. Das Duo, das vor vier Jahren in Athen noch Silber gewonnen hatte, verlor gegen die Österreicher Julian Knowle und Jürgen Melzer 7:6 (7:3), 3:6, 1:6.

Die deutschen Volleyballer kassierten derweil die zweite Niederlage im zweiten Spiel und müssen um den anvisierten Einzug ins Viertelfinale zittern. Das Team von Bundestrainer Stelian Moculescu verlor trotz starker Leistung und großem Kampf mit 2:3 gegen Vizeeuropameister Russland. Zuvor hatte es eine 0:3-Pleite gegen Vizeweltmeister Polen gegeben. Im nächsten Vorrundenspiel gegen Außenseiter Ägypten ist am Donnerstag ein Sieg Pflicht.

Am Strand sah es ähnlich aus: Die Beachvolleyballer Julius Brink/Christoph Dieckmann und Sara Goller/Laura Ludwig kamen mit der ersten Niederlage vom Medaillenkurs ab und müssen sogar um den Einzug ins Olympia-Achtelfinale bangen. Die Weltranglisten-Dritten Brink/Dieckmann erlebten beim 0:2 (15:21, 13:21) gegen Jacob Gibb/Sean Rosenthal (USA) ein regelrechtes Debakel. Nach ebenso schwacher Leistung hatten die Europameisterinnen Goller/Ludwig zuvor mit 0:2 (14:21, 18:21) gegen die Lokalmatadorinnen Chen Xue/Zhang Xi Zhang (China) verloren.

Mitfavorit Limbach geht leer aus

Die erhoffte Medaille verpasst hat Säbel-Fechter Nicolas Limbach. Der Weltranglistenerste und EM-Dritte aus Dormagen, der zu den großen Medaillenhoffnungen des Deutschen Fechter-Bundes zählte, verlor in einem spannenden Achtelfinale gegen Weißrusslands Europameister Alexander Bujikewitsch 14:15.

Erwartet war dagegen das Aus der deutsche Badminton-Meister Marc Zwiebler aus Bonn im Achtelfinale. Der Weltranglisten-24. war beim 13:21, 11:21 in nur 29 Minuten gegen den Südkoreaner Lee Hyun Il chancenlos. German-Open-Gewinner Lee war lange Zeit verletzt, hat sich im Ranking aber auf Position zehn vorgearbeitet.

Platz vier für Synchron-Springerinnen Gamm und Subschinski

Die Europameisterinnen Annett Gamm und Nora Subschinski belegten in der Synchron-Entscheidung vom Turm den undankbaren vierten Platz. Nach fünf Finalsprüngen verfehlten sie eine Medaille um knapp 20 Zähler. Gold ging auch in der dritten Entscheidung der Wasserspringer in Peking an Gastgeber China. Wang Xin und Chen Ruolin siegten souverän vor den Australierinnen Briony Cole und Melissa Wu. Bronze gewannen die Mexikanerinnen Paola Espinosa und Tatiana Ortiz.

Der Deutschland-Achter erlebte eine Blamage und verpasste den Finaleinzug über den Umweg Hoffnungslauf. Das Paradeboot des Deutschen Ruderverbandes kam nach dem enttäuschenden letzten Platz im Vorlauf im Hoffnungslauf erneut nicht über den letzten Rang im Sechser-Feld hinaus.

Deutsche Boxer gehen kollektiv K.o.

Ein ähnliches Debakel gab es für die deutschen Boxer, die schon nach der ersten Runde nicht mehr dabei sind. Als Letzter eines Quartetts kassierte Rustam Rahimov, 2004 in Athen noch Bronzemedaillengewinner, eine Erstrunden-Niederlage. Der Velberter, der im Vorfeld von Gold geträumt hatte, unterlag dem Usbeken Hoorschid Tojibajew 2:11. Damit bleiben die Faustkämpfer des Deutschen Boxsport-Verbandes erstmals seit 1928 ohne Medaille.

Die Ringer Nasyr Mankijew und Islam-Beka Albijew gewannen für Russland die ersten beiden Goldmedaillen von Peking. Zuerst setzte sich Mankijew im griechisch-römischen Stil in der Klasse bis 55kg gegen Rowschan Bayramow durch. Bronze ging an den Südkoreaner Park Eun-Chul und Roman Amoyan aus Armenien. Anschließend holte Albijew in der Klasse bis 60kg gegen Witali Rahimow aus Aserbaidschan den zweiten russischen Olympiasieg. Bronze erhielten Ruslan Tijumenbajew aus Kirgisistan und der Kasache Nurbakyt Tengisbajew.

Für Südkorea war Jin Jong-Oh im Schieß-Wettbewerb mit der Freien Pistole erfolgreich. Mit 660,4 Punkten siegte der Olympiazweite von Athen hauchdünn vor dem Nordkoreaner Kim Jong-Su, der zwei Zehntelpunkte weniger aufwies. Bronze holte sich der Chinese Tan Zongliang.

Superstar Phelps holt drittes Gold mit Weltrekord

US-Schwimmstar Michael Phelps hat in Peking derweil mit einem weiteren Weltrekord sein insgesamt neuntes olympisches Gold gewonnen. Der 23-Jährige siegte über 200m Freistil in 1:42,96 Minuten und verbesserte damit seine eigene Höchstmarke um neun Zehntelsekunden. Silber ging an den Südkoreaner Tae Hwan Park in 1:44,85 Minuten, Bronze an Phelps Landsmann Peter Vanderkaay in 1:45,14. Als Fünfter in 1:46,00 Minuten verbesserte Europameister Paul Biedermann aus Halle an der Saale seinen eigenen deutschen Rekord um 37 Hundertstelsekunden.

Ebenfalls in Weltrekordzeit sicherte sich US-Schwimmer Aaron Peirsol sein insgesamt viertes Olympia-Gold. Der dreifache Gewinner von Athen setzte sich über 100m Rücken in 52,54 Sekunden durch und verbesserte seine eigene Bestmarke um 35 Hundertstelsekunden. Für einen US-Doppelsieg sorgte als Zweiter Matt Grevers in 53,11. Gemeinsame Dritte wurden in 53,18 Sekunden der Australier Hayden Stoeckel und der Russe Arkadi Wjattschanin.

Wie schon in Athen 2004 gewann US-Schwimmerin Natalie Coughlin Olympia-Gold über 100m Rücken. Die 25 Jahre alte Weltmeisterin setzte sich in 58,96 Sekunden vor Kirsty Coventry aus Simbabwe durch, die 59,19 benötigte. Bronze ging in 59,34 Sekunden an Margaret Hoelzer aus den USA. Die Britin Gemma Spooforth schwamm in 59,38 Sekunden als Vierte Europarekord.

Dreifach-Weltmeisterin Leisel Jones holte sich ihr erstes olympisches Einzel-Gold. Die Australierin gewann das Finale über 100m Brust in 1:05,17 Minuten. Silber ging in 1:06,73 an die US-Amerikanerin Rebecca Soni, Bronze in 1:07,34 an die Österreicherin Mirna Jukic.