2008.08.12 Neuss : Slalom-Kanute Grimm macht das Gold-Märchen perfekt

Das erste Gold für Deutschland ist perfekt. Slalom-Kanute Alexander Grimm siegte im Einer-Kajak in einer Gesamtzeit von 171,70 Sekunden vor Fabien Lefevre und Benjamin Boukpeti.

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Olympiasieg für Alexander Grimm (m.)

Als Grimms Märchen auf der goldenen Welle im Shunyi Park wahr geworden war, gab es kein Halten mehr: Mit der schwarz-rot-goldenen Fahne um die Schultern paddelte Alexander Grimm ganz ruhig eine Ehrenrunde durch das tosende Wasser, Minuten später sprintete er mit dem ersten deutschen Olympiagold von Peking um den Hals zu den Fans und fiel seinem weinenden Vater in die Arme. Für den 21-jährigen Augsburger begann nach dem goldenen Wellenritt ein TV-Marathon und eine Riesensause im Deutschen Haus.

"Vom Olympiasieg habe ich schon als Kind geträumt, jetzt hat es gleich bei meiner Premiere geklappt. Das ist einfach der Hammer, dass es auch noch die erste Goldene für Deutschland ist", sagte der Team-Weltmeister. Vater Wolfgang meinte mit zitternder Stimme: "Ich bin total stolz, er hat sich das wirklich schon immer gewünscht, aber nie zu sagen getraut."

Das ersehnte Gold-Kunststück schaffte der Paddler vom Kanu Schwaben Augsburg im riesigen Shunyi Park vor mehr als 10.000 begeisterten Zuschauern mit einem genialen zweiten Lauf. Wie entfesselt paddelte er noch vom vierten Platz ganz nach vorn. "Es war eine gute Ausgangsposition, ich musste nicht so viel riskieren", meinte Grimm.

Achteinhalb Minuten musste Grimm nach seiner fulminanten Schlängelfahrt auf die Anzeigetafel starren, dann waren die nach ihm gestarteten Rivalen im Ziel. Die aufgeregte Gold-Favoritin Jennifer Bongardt konnte endlich die Fahne über das Geländer nach unten reichen. Im heimischen Augsburg knallten bei Mama Paula und der versammelten Verwandtschaft die Sektkorken.

"Erst Bronze, dann Silber und plötzlich Gold - Wahnsinn", meinte Sportsoldat und Maschinenbau-Fernstudent Grimm. Einen besonderer Dank richtete er an seinen extra angereisten Heimtrainer Thomas Apel. "Der Verein übernimmt die Kosten, diese knapp 1000 Euro haben sich aber wohl bezahlt gemacht", sagte der 35-jährige Apel. Mit seinem Schützling (seit 2001) hatte der Thüringer seit Samstag alle wichtigen Dinge besprechen können, in den Zielbereich mogelte er sich nach dem Wettbewerb zum Gratulieren mit einer geborgten Akkreditierung.

In Lauerstellung gestartet, fand Grimm auf den 280 Metern mit 21 Toren "die richtige Balance". Der Vorsprung auf den Franzosen Fabien Lefevre betrug schließlich deutliche 1,60 Sekunden. Als Halbzeit-Spitzenreiter Benjamin Boukpeti ins Ziel rauschte, aus Freude über Bronze und die erste olympische Medialle für Togo überhaupt sein Paddel zerbrach, war zugleich der erste Erfolg für die deutschen Wildwasser-Kanuten seit Thomas Schmidt vor acht Jahren ebenfalls im Einerkajak perfekt.

"Ab Herbst wird richtig studiert"

Der Triumph macht den Nobody zwar bekannt, aber sicher nicht reich. "Ab Herbst wird richtig studiert", sagt Grimm. In Augsburg an der Fachhochschule steht wieder Maschinenbau auf dem Plan.

Sportdirektor Jens Kahl "fehlten die Worte". Verbandsboss Olaf Heukrodt strahlte. "Zum Glück habe ich meinen nächsten Termin erst am Mittwochmittag, da empfange ich die Rennsportkanuten", meinte der frühere Weltklasse-Athlet und fügte lächelnd hinzu: "Da bin ich wieder nüchtern."

Mit einer weiteren Medaille in den restlichen beiden Disziplinen am Mittwoch und Donnerstag wären alle Wünsche des Deutschen Kanu-Verbandes (DKV) "mehr als in Erfüllung gegangen". Einen Seitenhieb an andere Verbände konnte sich der Canadier-Olympiasieger von 1988 nicht verkneifen: "Bei uns wird konzentrierte Basisarbeit gemacht - wir diskutieren nicht Nebensächlichkeiten wie Badeanzüge."

Vor allem der 25-jährigen Bongardt ist ein weiterer Coup zuzutrauen. Gemeinsam mit Grimm hatte sie kurz vor Olympia Kajak-Bundestrainer Helmut Schröter regelrecht abgesägt und den von ihr favorisierten Sven Peiler durchgedrückt. "Als Weltmeisterin darf ich mich schon als Favoritin bezeichnen", sagte die hübsche Blondine und warnte: "Bei dieser Strecke liegen Lust und Frust aber eng beieinander."