2008.08.12 Neuss : Zweites Gold für Vielseitigkeitsreiter Romeike

Vielseitigkeitsreiter Hinrich Romeike hat sich nach der Goldmedaille mit der Mannschaft auch im Einzel durchgesetzt. Der 45-Jährige siegte mit 54,20 Punkten vor Gina Miles (USA).

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Zwei Goldmedaillen innerhalb weniger Stunden für Hinrich Romeike

Deutschlands Reiter waren in Hongkong die Könige einer goldenen Nacht. Erst sicherten sich die Vielseitigkeitsreiter in einem dramatischen Finale den Olympiasieg mit der Mannschaft und tilgten die Schmach von Athen, dann holte Hinrich Romeike mit einem Husarenritt auf Marius kurz vor Mitternacht noch sein zweites Gold.

"Das waren unsere Spiele, das war unser Turnier. Ich war schon so glücklich mit dem Mannschaftsgold. Der Einzelsieg hier ist das Tüpfelchen auf dem I-Tüpfelchen auf der Sahnehaube", sagte Romeike überglücklich.

"Mein Kopf ist leer, mein Herz ist voll"

Nach dem Triumph mit der Mannschaft behielten Romeike und sein Marius auch im Einzel die Nerven. Als letztes Paar im Parcours flogen sie über alle Hindernisse zum zweiten Gold an diesem Tag. Völlig losgelöst feierte der 45-Jährige danach das Happy End.

Als er von den Teamkollegen umringt wurde, stand ihm die Freude ins Gesicht geschrieben: "Mein Kopf ist leer, mein Herz ist voll. Ich bin überwältigt. So etwas habe ich in der Dichte noch nicht erlebt."

Romeike siegte nach Dressur, Geländeritt und Springen mit 54, 20 Punkten vor Gina Miles aus den USA (56,10). Bronze gewann die Britin Kristina Cook (57,40). Ingrid Klimke rutschte dagegen auf Abraxxas aus den Medaillenrängen und belegte Platz fünf.

Gold vor Australien und Großbritannien

Bundestrainer Hans Melzer war bereits nach dem dritten Mannschaftsgold bei Olympischen Spielen nach 1936 und 1988 völlig aus dem Häuschen. "Schatz, wir haben es. Und diesmal nimmt es uns keiner nimmt mehr weg, weil kein Protest eingelegt wurde", sagte er seiner Frau am Handy. Vor vier Jahren in Athen war den deutschen Reitern das Doppel-Gold am grünen Tisch wieder abgenommen worden.

In der Arena von Sha Tin stand Deutschland bereits vor dem abschließenden Ritt von Hinrich Romeike mit 166,10 Minuspunkten als Olympiasieger fest. Auf den Plätzen zwei und drei folgten Australien (171,20) und Großbritannien (185,70). "Mein Vater Reiner hat genau vor 20 Jahren sein letztes Mannschafts-Gold geholt", sagte Ingrid Klimke: "Das ist eine echte Freude."

Vor 18.000 Zuschauern Besuchern in der erstmals ausverkauften Arena präsentierte sich Weltmeister Deutschland einen Tag nach dem Geländeritt erneut in bestechender Form. Bester Einzelreiter nach dem Dreikampf aus Dressur, Geländeritt und Springen war Hinrich Romeike (Nübbel), der mit Marius auf 54,20 Punkte kam.

Auch die weiteren deutschen Starter zeigten im Parcours eine starke Leistung. Andreas Dibowski (Egestorf/57,20) mit Leon und Frank Ostholt (Warendorf/57,80) mit Mr. Medicott blieben fehlerfrei. Ingrid Klimke (54,70) leistete sich mit Abraxxas ebenso einen Abwurf wie Peter Thomsen (Lindewitt/102,90) mit The Ghost of Hamish.

Trauma von 2004 vom Tisch

Mit dem Gewinn der ersten Goldmedaille für die deutsche Vielseitigkeit seit 1988 glückte der Mannschaft von Bundestrainer Hans Melzer die Wiedergutmachug für 2004. Bei Olympia in Athen hatte Bettina Hoy Doppel-Gold gewonnen, ehe der Reiterin und der deutschen Mannschaft am grünen Tisch das Edelmetall aberkannt worden war. Hoy, wegen einer Verletzung ihres Pferdes Ringwood Cockatoo in Hongkong nicht dabei, war damals beim Einreiten in den Springparcours ein Formfehler zum Verhängnis geworden.

Nach den beiden Entscheidungen der Vielseitigkeit wird das olympische Reitturnier am Mittwoch mit dem Grand Prix in der Dressur fortgesetzt. Als letzte greifen die Springreiter am 15. August in das Wettkampfgeschehen ein.