2008.08.14 Neuss : Handballer nehmen die Hürde Ägypten

Beim olympischen Handball-Turnier hat Deutschland im dritten Spiel den zweiten Sieg eingefahren. Gegen Afrikameister Ägypten gab es einen 25:23 (14:14)-Erfolg.

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Holger Glandorf (m.) hat alles im Griff

Erst feuerte Johannes Bitter seine Teamkollegen bis zur Heiserkeit an, dann rettete er mit zahlreichen Paraden den 25:23 (14:14)-Sieg gegen Ägypten, und am Ende folgte eine Kampfansage an die Konkurrenz: Die deutschen Handball-Weltmeister haben dank des Hamburger Schlussmanns beim olympischen Turnier wieder Kurs auf das Viertelfinale genommen. "Mit uns ist auch nach den Ausfällen zu rechnen. Wir stehen fast sicher im Viertelfinale, dort geht es dann erst richtig los. Uns darf man nicht abschreiben", sagte Bitter nach einem hart erkämpften Erfolg in der Frühschicht am Donnerstagmorgen.

Dabei avancierte der Hamburger, der 48 Prozent der abgefeuerten Bälle des WM-17. abwehrte, besonders in der Schlussphase zum Matchwinner. "Die Ägypter haben gute Schützen. Wir haben aber gezeigt, dass wir kämpfen können. Leider hat meine Stimme in der Hektik etwas gelitten", so ein heiserer Bitter, der 60 Minuten lang den Vorzug vor WM-Held Henning Fritz erhielt.

Zwei Tage nach der Pleite gegen Island (29:33) und dem Ausfall von Rückraumstar Pascal Hens (Fraktur des Schienbeinplateaus im linken Knie) war der Mannschaft von Bundestrainer Heiner Brand bei der frühen Anfangszeit (09.00 Uhr Ortszeit) die Verunsicherung teilweise anzumerken.

"Als Schulnote würde ich ein Ausreichend geben"

Besonders in der Chancenverwertung leistete sich der EM-Vierte einige Schwächen. "Als Schulnote würde ich ein Ausreichend geben. Wir müssen aber schnell zu einem Befriedigend kommen", stellte Torsten Jansen fest.

Holger Glandorf hat sich gegen die unangenehm zu spielenden Ägypter unterdessen schon ein Gut verdient. Sieben von zehn Würfen fanden ihr Ziel, damit war der Nordhorner bester Werfer in einer deutschen Mannschaft, die zwar fast die gesamte Begegnung in Führung lag, sich aber nie weiter als drei Tore absetzte.

Mit 4:2 Punkten vor den beiden ausstehenden Gruppenspielen gegen Rekord-Olympiasieger Russland und Europameister Dänemark kann das deutsche Team für die Runde der letzten Acht planen. Brand dämpfte aber die Euphorie, es sei zu früh, von einem Befreiungsschlag zu reden. Besonders der Ausfall von Hens sei nicht so einfach zu verkraften. "Wir wissen nicht genau, wie unsere Leistungsstärke einzustufen ist", meinte der Gummersbacher, der allerdings im Spielaufbau "deutliche Fortschritte" sah.

Christian Zeitz durfte seine aktuelle Form nicht zeigen. Nach seiner überflüssigen Roten Karte gegen Island ließ ihn Brand auf der Bank schmoren. Seine Trainingsjacke zog der Kieler erstmals nach dem Spiel im Kabinengang aus. Als Erziehungsmaßnahme sei dies aber nicht zu verstehen gewesen, so Brand: "Ich wollte ihm eigentlich die Möglichkeit geben, seinen Fehler auf dem Feld wieder gutzumachen. Aber Glandorf hat sehr stark und stabil gespielt, da musste ich nicht wechseln."

Um 5.15 Uhr aus den Betten

Ebenso wie Bitter blickt auch der Lemgoer Florian Kehrmann (6 Tore) trotz der Ausfälle von Hens, Lars Kaufmann (Muskelfaserriss in der Wade) und Oleg Velyky (Kreuzbandriss) im linken Rückraum dem weiteren Turnierverlauf optimistisch entgegen. "Das muss man erst mal verkraften. Das ist so, als ob bei den Franzosen Narcisse, Karabatic und Fernandez ausfallen. Wir sind aber als Mannschaft gefestigt", erklärte der Rechtsaußen, bei dem ebenso wie bei seinen Teamkollegen vor dem Ägypten-Spiel bereits um 5.15 Uhr der Wecker geklingelt hatte.

Ausgeschlafen will die Mannschaft des Deutschen Handball-Bundes (DHB) auch am Samstag (15.45/9.45) zum vierten Vorrundenspiel gegen die Russen antreten. "Es hat aber nichts zu bedeuten, dass wir sie in der Vorbereitung zweimal geschlagen haben. Sie sind körperlich sehr stark. Sie machen aber auch technische Fehler, so dass wir über Gegenstöße zum Erfolg kommen können", sagte Brand.