2008.08.15 Neuss : Unentschieden bei Klinsmanns Bundesliga-Premiere

Bayern München hat mit Trainer Jürgen Klinsmann beim Bundesliga-Saisonauftakt gegen den Hamburger SV nach einer 2:0-Führung lediglich ein 2:2-Unentschieden erreicht.

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Philipp Lahm im Duell mit Hamburgs Jonathan Pitroipa

Jürgen Klinsmann hat eine erfolgreiche Premiere als Trainer in der Bundesliga verpasst. Der deutsche Meister Bayern München kam in einem flotten und abwechslungsreichen Saison-Eröffnungsspiel gegen einen starken Hamburger SV nicht über ein mageres 2:2 (2:1) hinaus und verspielte beim Start in das Unternehmen Titelverteidigung nach einer 2:0-Führung den erhofften Erfolg.

Bastian Schweinsteiger erzielte in der 12. Minute das Premierentor der 46. Bundesliga-Saison. Lukas Podolski erhöhte in der 16. Minute mit einem Foulelfmeter auf 2:0 für den ersatzgeschwächten Rekordmeister. Paolo Guerrero gelang für den HSV, der phasenweise sogar dominierte, in der 25. Minute das 2:1. Piotr Trochowski verwandelte einen Strafstoß zum 2:2 sicher (57.). Beide HSV-Torschützen hatten zuvor beim FC Bayern gespielt. Die Norddeutschen und ihr neuer Coach Martin Jol konnten damit ihre positive Bilanz in der Allianz-Arena fortsetzen. Bisher gab es zwei Siege und zwei Remis.

"Wir haben stark begonnen und dann nach einer 2:0-Führung das Spiel noch aus der Hand gegeben. Wenn man nur einen Punkt im ersten Spiel holt, ist es klar, dass man sich nicht um den Hals fällt", sagte ein unzufriedener Bayern-Manager Uli Hoeneß nach dem Spiel. Klinsmann hatte zwar keinen Fehlstart gesehen, meinte aber auch: "Es gibt noch eine Menge Arbeit. Wir sind noch nicht imstande, überall Druck zu machen. Das kommt mit der Fitness in den nächsten Wochen. Nach der zerfahrenen Vorbereitung muss man zufrieden sein."

Rost: "Die Bayern sind noch nicht richtig fit"

Auf Seiten des HSV war man dagegen glücklich. "Nach einem 0:2 noch zurückzukommen und sogar die Chance zum Sieg zu haben, damit kann man zufrieden sein. Wir sollten das aber richtig einordnen. Die Bayern sind auch noch nicht richtig fit", meinte Torwart Frank Rost nach dem Abpfiff. "Beim 2:0 dachte ich schon, es ist unmöglich, noch etwas zu holen", gab Jol zu, meinte aber auch: "Wir haben mit Herz gespielt, teilweise sehr gut, aber wir haben auch Fehler gemacht."

Insgesamt konnte der FC Bayern der hohen Erwartungshaltung unter Klinsmann, auf dem enormer Druck lastet, nicht gerecht werden und offenbarte noch einige Schwächen. Vor allem die Defensive ohne Abwehrchef Martin Demichelis war wie schon im Pokal bei Drittligist Erfurt (4:3) nicht sattelfest. Auch im Mittelfeld war trotz des Bemühens von Schweinsteiger und Toni Kroos das Fehlen von Franck Ribery spürbar. Der HSV konnte dagegen den Abgang von Spielmacher Rafael van der Vaart mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung kompensieren.

Ivica Olic und Guerrero hatten für den engagiert startenden HSV auch die ersten Möglichkeiten. In der 11. Minute hatte der deutsche Meister zudem Glück, dass Trochowski nur den Pfosten traf. Doch die Münchner schlugen eiskalt zurück: Eine Vorlage von Ze Roberto nutzte Schweinsteiger mit einem strammen Flachschuss von der Strafraumgrenze zum 1:0.

Podolski trifft vom Elfmeterpunkt

Auch in der Folgezeit sahen die 69.000 Zuschauer in der ausverkauften Allianz-Arena ein intensives Spiel und kurz darauf das 2:0 durch Podolski. Joris Mathijsen hatte Schweinsteiger umklammert, Schiedsrichter Thorsten Kinhöfer aus Herne zögerte keine Sekunde und entschied auf Strafstoß.

Der HSV zeigte sich aber keineswegs geschockt und konnte die Partie weiter offen gestalten. Lohn der Hamburger Bemühungen war der Anschlusstreffer von Guerrero, der nach Flanke von Trochowski völlig frei einköpfen konnte. Die beste Chance der Bayern vor der Pause vergab der insgesamt schwache Miroslav Klose, der in HSV-Keeper Frank Rost seinen Meister fand.

Nach dem Wechsel agierten beide Teams unter den Augen von Bundestrainer Joachim Löw, der auf Bayern-Seite in der Startelf immerhin sieben deutsche Spieler sah, weiter offensiv. Nachdem zunächst Podolski freistehend das Ziel verfehlte (49.), hatte Olic mit einem Pfostentreffer (50.) Pech.

Umso verdienter war der Ausgleich durch Trochowski per Elfmeter, nachdem Christian Lell Olic attackiert hatte. In der Folgezeit drängten die Bayern, agierten aber oft zu ideenlos und unpräzise, um den HSV, der immer gefährlich blieb, in Verlegenheit zu bringen.