2008.08.15 Neuss : Zwei neue Dopingfälle bei Olympia

Die Olympischen Spiele haben ihre nächsten Dopingfälle. Sowohl Pistolenschütze und Medaillengewinner Jong-Su Kim, als auch Kunstturnerin Thi Ngan Thuong Do wurden positiv getestet.

pk
Muss seine Medaillen wohl wieder abgeben: Jong-Su Kim

Die Olympischen Spiele in Peking werden von den Dopingfällen Nummer zwei und drei überschattet. Nach Angaben von IOC-Sprecherin Giselle Davies wurde beim nordkoreanischen Pistolenschützen und zweifachen Medaillengewinner Kim Jong-Su der verbotene Betablocker Propranolol festgestellt.

Kim wurde von den Spielen ausgeschlossen und muss seine Medaillen zurückgeben. Er hatte Silber mit der Freien Pistole und Bronze mit der Luftpistole gewonnen. Neuer Silbermedaillengewinner mit der Freien Pistole ist der Chinese Zongliang Tan, Bronze erhält der Russe Wladimir Issakow. In der Luftpistolen-Wertung rückt der US-Amerikaner Jason Turner auf den Bronzerang vor.

Zudem wurde die vietnamesische Kunstturnerin Thi Ngan Thuong Do, die allerdings weit außerhalb der Medaillenränge gelandet war, positiv getestet. Bei ihr wurde Furosemid, ein Diuretikum, festgestellt, das auch zur Verschleierung von Dopingmitteln dient.

Gabelmann: "Das System greift"

"Dopingfälle sind auf der einen Seite natürlich schlecht für den Sport", sagte Schützen-Sportdirektor Heiner Gabelmann dem Sport-Informations-Dienst (sid): "Auf der anderen Seite sieht man, dass das System greift. Dopingfälle haben eine abschreckende Wirkung auch im Schießen." Der von Kim benutzte Betablocker, der den Herzschlag senkt und eine beim Schießen nützliche Beruhigungswirkung hat, sei das Mittel, "nach dem man in unserer Sportart besonders sucht".

"Das ist einfach dumm von dem Jungen und dumm für den Sport", meinte Pistolen-Bundestrainer Peter Kraneis. Gabelmann erklärte, dass es bei den Dopingkontrollen außerhalb der Wettkämpfe größere Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern gebe: "Vielleicht ist er daheim nicht getestet worden oder hat das Mittel aus Unkenntnis genommen."

Deutscher Schützenbund mit eigenen Dopingkontrollen

Alle deutschen Schützen müssen vor der Medikamenteneinnahme den Teamarzt informieren. Zudem führt der Deutsche Schützenbund (DSB) zusätzliche Wettkampfkontrollen durch. Die etwa 400 Proben im Jahr kosten den Verband etwa 100.000 Euro. Gabelmann: "Wir versuchen so, Doping bei uns auszuschließen. Aber eine hundertprozentige Sicherheit wird es nie geben."

Vor dem überführten Duo war bei der spanischen Radfahrerin Maria Isabel Moreno bei einer Kontrolle am 31. Juli das Blutdopingmittel Erythropoietin (Epo) nachgewiesen worden.