2008.08.16 Neuss : "Wir Trainer wollen am liebsten selbst mitspielen"

Im aktuellen Gespräch äußert sich Jürgen Klinsmann zu seinem Debüt als Vereinstrainer, der Leistung des Schiedsrichters und den Problemen seines Teams.

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Jürgen Klinsmann spricht über sein Trainer-Debüt beim FC Bayern

Am Freitag gab Jürgen Klinsmann beim 2:2 gegen den Hamburger SV sein Bundesliga-Debüt als Trainer von Rekordmeister FC Bayern München. Im aktuellen Gespräch zeigt sich Klinsmann "zufrieden, aber ein klein wenig enttäuscht" über seine Premiere als Bundesligatrainer, spricht über den Unterschied zwischen Vereins- und Nationalcoach und den Zustand seiner Mannschaft.

Frage: "Jürgen Klinsmann, wie bewerten Sie Ihre Premiere als Trainer in der Bundesliga?"

Jürgen Klinsmann: "Als Trainer will man im ersten Spiel natürlich einen Dreier einfahren, das ist ganz klar. Wir waren auch auf einem guten Weg, haben den HSV durch den Elfmeter zum 2:2 aber wieder zurückgeholt. Wenn man alles addiert, war es ein gerechtes Ergebnis. Nach dieser zerfahrenen Vorbereitung und mit den vielen Verletzten muss man zufrieden sein, auch wenn ich ein klein wenig enttäuscht bin."

Frage: "Sie haben in der Coaching-Zone über 90 Minuten sehr viel Engagement gezeigt, haben Ihr Team immer wieder angefeuert. Ist der Job als Vereinstrainer stressiger als der des Bundestrainers?"

Klinsmann: "Es ist überhaupt nicht stressig, sondern es macht irrsinnig Spaß. Wir Trainer wollen es nicht anders, wir wollen das Adrenalin spüren und am liebsten selbst mitspielen. Man ist auf Strom."

Frage: "Es hat zwei Foulelfmeter gegeben. Wie bewerten Sie die Szenen?"

Klinsmann: "Das muss man so nehmen, wie es jetzt ist. Es ist Vorgabe der Liga an die Schiedsrichter, rigoroser zu Werke zu gehen. Das hat Thorsten Kinhöfer gemacht, das ist vollkommen in Ordnung."

Frage: "Haben Sie trotz des 2:2 Fortschritte bei Ihrer Mannschaft gesehen?"

Klinsmann: "Es gibt noch eine Menge Arbeit. Aber ich habe bei einzelnen Spielern Fortschritte gesehen. Die Mannschaft spürt langsam, dass immer mehr Frische und Bewegung reinkommt. Wir kommen auch der Feinabstimmung näher. Wir müssen aber immer noch improvisieren. Wir brauchen noch einige Zeit, um den gewünschten Spielfluss zu entwickeln und überall Druck zu machen. Vor allem die Nachzügler sind noch nicht auf dem Leistungsstand, um in der Bundesliga 90 Minuten zu gehen."

Frage: "Ihre Defensive hat erneut Schwächen gezeigt. Wie beurteilen Sie die Leistung der Abwehr?"

Klinsmann: "Dass wir noch nicht eingespielt sind, ist ganz normal. Es findet noch ein Herantasten statt. Wir arbeiten an den taktischen Elementen."