2008.08.17 Neuss : DFB ermittelt nach Ausschreitungen in Mannheim

Nach schweren Ausschreitungen und antisemitischen Sprechchören während der Regionalliga-Partien in Mannheim und Erfurt wird der Kontrollausschuss des DFB Ermittlungen einleiten.

osch1

Die noch junge Regionalliga-Saison hat bereits ihren ersten Skandal. Während und nach der Partie zwischen dem ehemaligen Bundesligisten Waldhof Mannheim und 1860 München II (1:4) kam es zu schweren Ausschreitungen. Antisemitische Parolen wurden hingegen bei der Drittliga-Partie Rot-Weiß Erfurt gegen Carl Zeiss Jena (2:1) am Freitagabend skandiert. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) wird in beiden Fällen in den kommenden Tagen Stellungnahmen von den Klubs anfordern und dann Ermittlungen einleiten.

In Erfurt riefen rund mehrere hundert Anhänger der Gastgeber "Juden-Jena" und stimmten zudem ein antisemitisches Lied an. Erst nach einer Aufforderung durch den Erfurter Stadionsprecher, die Rufe zu unterlassen, verstummten die Parolen. Die Anhängerschaft der Gäste hatte ihrerseits für Aufsehen gesorgt, als sie mehrere Schals der Hausherren in ihrem Block verbrannten.

Wiese: "Leider nicht vermeidbar, dass es immer ein paar Bekloppte gibt"

"Diese Rufe sind unmöglich. Wir werden uns davon öffentlich distanzieren", sagte der Erfurter Präsident Rolf Rombach nach den Vorfällen. Auch Jena-Geschäftsführer Andreas Wiese war entsetzt: "Es ist leider nicht vermeidbar, dass es in jedem Stadion immer ein paar Bekloppte gibt. Aber die Intensität von 400 bis 500 Personen hat mich bestürzt", erklärte Wiese, der eine Klage wegen Beleidigung und Volksverhetzung einreichen will.

In Mannheim musste Schiedsrichter Christian Dingert (Thallichtenberg) die Begegnung zwei Minuten nach der Pause unterbrechen, als Chaoten aus dem Gästeblock Leuchtraketen zündeten und auf das Spielfeld warfen. Die Unterbrechung dauerte 28 Minuten.

Massive Übergriffe gegen Polizei

Nach Spielende gruppierten sich rund 300 Anhänger des SV Waldhof vor dem Stadion. Es kam hierbei zu massiven Übergriffen gegenüber den eingesetzten Polizeibeamten und 1860 II-Anhängern, die von den Randalierern mit Steinen und Flaschen beworfen wurden. Mehrere Beamte wurden hierbei verletzt. Zwei Personen wurden in Gewahrsam genommen. 100 Randalierer hatten noch versucht, ins Stadioninnere zu kommen, um den Bus anzugreifen.

"Diese Aggression war bei dieser Begegnung nicht vorhersehbar. Steine wurden von den Gleisen der Theodor-Heuss-Anlage zu gefährlichen Wurfgeschossen benutzt. Den Bus der Münchener konnten wir nur über einen Schleichweg am Neckarufer nach draußen lotsen", erklärte Mannheims Polizeisprecher Volker Böhm.