2008.08.17 Neuss : Nowitzki: "Bin schon wahnsinnig enttäuscht"

Noch nicht verdaut hat Dirk Nowitzki den geplatzten Traum vom olympischen Viertelfinale. "Die Chancen waren da", ärgerte sich der NBA-Star im Interview auch über die Referees.

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Freud und Leid: Die NBA-Stars Dirk Nowitzki und Yao Ming

Das Olympia-Aus der deutschen Basketballer nach der Vorrunde nagt noch an Dirk Nowitzki. "Wir haben viele einfache Würfe vergeben. Ich habe einige verschossen, die ich normalerweise mache", zeigte sich der NBA-Star nach dem 55:59 gegen China enttäuscht.

Frage: "Dirk Nowitzki, wie groß ist die Enttäuschung nach dem verpassten Viertelfinale beim olympischen Turnier?"

Dirk Nowitzki: "Ich bin schon wahnsinnig enttäuscht. Die Chancen waren da. Wir wussten vorher, dass das China-Spiel das entscheidende wird. Und dann so knapp zu verlieren, das ist bitter. Aber das Leben geht weiter. Unseren Traum haben wir uns zumindest erfüllt."

Frage: "Wo sehen Sie die Gründe für die Niederlage?"

Nowitzki: "Verloren haben wir das Spiel im dritten Viertel. Wir haben gut gekämpft, offensiv aber nicht unsere beste Leistung gebracht. Wir haben viele einfache Würfe vergeben. Ich habe einige verschossen, die ich normalerweise mache. Vielleicht sind wir auch ein bisschen leer. Es war ein langer Sommer. Seit Juni sind wir jetzt schon unterwegs."

Frage: "In der Schlussphase fehlte unter anderem ein wenig Glück - auch bei den Schiedsrichter-Entscheidungen ..."

Nowitzki: "Mein Dreier war kurz vor Schluss schon so gut wie drin. Wenn der reingeht, haben wir nochmal eine Chance. Es waren schon ein paar Pfiffe dabei, wonach es am Ende anders hätte laufen können. Es war klar, wenn das Spiel eng ist, dass die Schiedsrichter Einfluss haben. Der Weltverband wollte China auf jeden Fall im Viertelfinale sehen, und das haben sie dann ja auch hingekriegt."

Frage: "Das letzte Vorrundenspiel gegen die NBA-Kollegen aus den USA wird nun zum Abschiedsspiel ..."

Nowitzki: "Natürlich habe ich gehofft, dass wir im Viertelfinale noch weiterspielen können. Die ersten Vier aus der anderen Gruppe wären alle schlagbar gewesen, hätten wir einen guten Tag erwischt. Jetzt wollen wir uns natürlich gut verabschieden in letzten Spiel."

Frage: "Wie sieht Ihre Zukunft im Nationalteam aus?"

Nowitzki: "Es ist für mich schwer vorstellbar, wenn man einmal bei Olympia ins Stadion eingelaufen ist, im nächsten Jahr eine EM in Polen zu spielen. Wir haben viel erreicht mit der deutschen Nationalmannschaft in den letzten zehn, zwölf Jahren. Wir haben bei der EM Silber geholt, Bronze bei der WM und nun Olympia - es hat viel Spaß gemacht. Mein großer Traum nach den Olympischen Spielen ist die NBA-Meisterschaft, und darauf werde ich nun meine Konzentration legen."

Frage: "Und was ist mit Olympia 2012 in London?"

Nowitzki: "Das sind ja noch vier Jahre und ein langer Weg. Dann bin ich 34. Mal sehen, wie die Knochen bis dahin halten und was die Zukunft so bringt."

Frage: "Welche Eindrücke nehmen Sie von Olympia mit?"

Nowitzki: "Ich glaube, die Eröffnungsfeier werde ich nie in meinem Leben vergessen. Da einzumarschieren und dazu mit der Fahne, das war das i-Tüpfelchen. Das war ein Riesenerlebnis, wenn du da um die Ecke biegst und schaust in ein Stadion mit 90.000 Menschen. Das war ein Riesengefühl. Aber wir haben ja auch lange und hart dafür gearbeitet."

Frage: "Geschwärmt haben Sie auch immer vom olympischen Dorf ..."

Nowitzki: "Das Leben im olympischen Dorf ist schon Wahnsinn. Wenn man da in der Mensa hockt und 10.000 Athleten gehen ein und aus, das kann man nirgendwo erleben - bei keiner EM, bei keiner WM. Das ist ein einmaliges Gefühl, dort zu wohnen.

Frage: "Wir sehen Ihre nächsten Wochen nach der Rückkehr aus?"

Nowitzki: "Das habe ich mir noch nicht so genau überlegt. Ich bin wieder Onkel geworden vor zwei Tagen und will jetzt erstmal das Baby sehen. Mal sehen, wie lange ich in Würzburg bleibe. Spätestens Ende September geht es aber wieder rüber nach Dallas."