2008.08.17 Neuss : Pech für Carow/Dräger, Bronze für Vierer

Während Berit Carow und Marie-Louise Dräger im Doppelzweier Bronze knapp verpassten, sicherte sich der deutsche Doppelvierer mit Kathrin Boron Platz drei.

jba
Dräger Carow haben die Bronzemedaille knapp verpasst

Die deutsche Ruder-Flotte hat bei der olympischen Regatta den schlimmsten Schiffbruch seit 52 Jahren erlitten. Selbst Galionsfigur Kathrin Boron verhinderte mit Bronze die Goldflaute nicht, dem silbernen Doppelzweier fehlten 4,68 Zentimeter zum Olympiasieg.

"Das ist nicht der deutsche Anspruch. Wir sind keine führende Rudernation mehr", lautete das ernüchternde Fazit von Sportdirektor Michael Müller nach dem fatalen Schlag ins Wasser mit nur zwei Medaillen im Shunyi Park.

Nach dem vorzeitigen Aus für den einst so stolzen Achter und Einer-Meister Marcel Hacker hatten ausgerechnet die Nobodys Annekatrin Thiele (Leipzig) und Christiane Huth (Potsdam) im Doppelzweier als einziges deutsches Boot Gold vor Augen. Doch am Ende fehlte eine Hundertstelsekunde zum großen Triumph. So blieben die deutschen Ruderer erstmals seit den Olympischen Sommerspielen 1956 in Melbourne ohne Gold. In den 14 Bootsklassen gab es letztlich nur sieben deutsche Finalteilnahmen. Vor vier Jahren in Athen hatte es zwei Gold- und zwei Silbermedaillen gegeben.

Boron fordert Aussprache

Die viermalige Olympiasiegerin Boron fuhr im Doppelvierer zu Bronze und forderte nach dem Fiasko den Deutschen Ruderverband (DRV) zum raschen Handeln auf: "Alle müssen sich jetzt an einen Tisch setzen und die Sache analysieren", sagte die achtmalige Weltmeisterin.

Das Ergebnis sei eine bittere Niederlage, meinte Müller. Der in der Kritik stehende Sportdirektor schloss seinen Rücktritt aber aus: "Diese Frage stellt sich in keiner Weise." Das Debakel von Peking rief heftige Kritik bei ehemaligen Top-Athleten des deutschen Rudersports hervor. Der langjährige Achter-Schlagmann Roland Baar sprach von "einem Desaster", der fünfmalige Einer-Weltmeister Peter-Michael Kolbe kritisierte in der Bild am Sonntag die Athleten: "Die Deutschen trainieren einfach zu wenig und sie meiden immer mehr Regatten. Ich war damals in der Saison alle zwei Wochen am Start. Nur so bekommst du Wettkampf-Härte."

Silber für Thiele/Huth

Dieser Vorwurf gilt für Thiele/Huth nicht. Das Duo hockte noch Minuten nach dem Rennen Arm in Arm völlig erschöpft im Boot und wusste nicht, ob es zum Olympiasieg gereicht hatte. Die 4,68 Zentimeter Rückstand nach 2000 m Schwerstarbeit auf Georgina und Caroline Evers-Swindell aus Neuseeland waren mit bloßem Auge auch nicht zu erkennen. Das entscheidende Zielfoto wollte das Duo selbst Stunden nach dem Rennen nicht sehen und freute sich über Platz zwei. "Wir haben Silber gewonnen und nicht Gold verloren", sagte die ehemalige WM-Dritte Huth.

Ihre Erfolgstrainerin Jutta Lau haderte da schon ein wenig mehr mit der Zentimeterentscheidung: "Bei so einem knappen Rennen müsste es zwei Goldmedaillen geben."

Die 38-jährige Boron verpasste es hingegen, sich in ihrem letzten Rennen zur erfolgreichsten Ruderin zu krönen. "Es ist eine gewisse Enttäuschung dabei, wir haben uns Gold vorgenommen. Aber mit ein wenig Abstand kommt die Freude über Bronze", meinte die Mutter einer sechsjährigen Tochter nach Platz drei hinter China und Großbritannien. Es war das erste chinesische Ruder-Gold in der olympischen Geschichte.

Halbfinale ohne Männer-Vierer

Neben den Nackenschlägen auf dem Wasser war der DRV durch insgesamt sechs erkrankte Ruderer auch etwas vom Pech verfolgt. So trat der leichte Männer-Vierer zum Halbfinale überhaupt nicht an, der Vierer ohne Steuermann wurde im A-Finale mit Ersatzleuten Letzter.

Die größte Panne leistete sich der finanziell klamme Verband, der schon bei der Heim-WM 2007 in München ohne Titel geblieben war, aber im Vorfeld. Der in der Vergangenheit mit drei Olympiasiegen glänzende Deutschland-Achter wurde 65 Tage vor den Spielen komplett ausgetauscht. Die Ruderer des neu formierten Flaggschiffs verfolgten den Finalsieg von Weltmeister Kanada nach dem letzten Platz im Hoffnungslauf nur als Zuschauer.