2008.08.17 Neuss : Shelly-Ann Fraser schnellste Frau der Welt

Dreifach-Erfolg für Jamaika im 100-m-Finale: Shelly-Ann Fraser gewann Gold, ihre Landsfrauen Sherone Simpson und Kerron Stewart sicherten sich zeitgleich Silber.

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Gold für Shelly-Ann Fraser (2. v. r.) über 100m

Erst Usain Bolt, dann Shelly-Ann Fraser - das Königspaar der Leichtathletik kommt aus Jamaika. Nach dem goldenen Weltrekordlauf von Bolt stürmte dessen Mannschaftskollegin ähnlich ungefährdet in 10,78 Sekunden zum Olympiasieg über 100 Meter. "Wenn wir nach Hause kommen, wird richtig gefeiert, die Leute auf Jamaika flippen aus", sagte die überglückliche Fraser nach einem weiteren Sprint in Olympias Geschichtsbücher.

Die jeweils 21 Jahre alten Bolt und Fraser sind das erste Gold-Paar über die 100 Meter aus einer Nation, seit Florence Griffith-Joyner und nachträglich Carl Lewis 1988 Gold für die USA erspurteten.

Das grandiose Wochenende für Jamaikas Sprinter komplettierten Sherone Simpson und Kerron Stewart: Sie kamen hinter Olympiasiegerin Fraser auf die Tausendstelsekunde zeitgleich in 10, 979 Sekunden über die Ziellinie. Drei Olympia-Medaillengewinner aus einer Nation über 100 Meter sind bei den Frauen ein Novum, bei den Männern standen 1904 und 1912 jeweils drei Amerikaner auf dem Treppchen.

Der Sieg von Fraser war schnell klar, schon nach etwa 30 Metern zog die Neuentdeckung des Jahres, deren persönliche Bestzeit bisher bei 10,85 Sekunden lag, unwiderstehlich dem Feld davon. "Ich wollte hierher kommen und mein Bestes geben, ich war voller Siegeswillen", sagte die neue Olympiasiegerin, die nach dem Zieleinlauf aufgeregt wie ein kleines Kind über die Tartanbahn hüpfte.

Eine schwere Niederlage musste erneut die Sprint-Nation USA einstecken. Die ehemalige Weltmeisterin Lauryn Williams landete nur auf Rang vier (11,03), knapp vor ihrer Mannschaftskollegin Muna Lee (11,07) auf Rang fünf. Torri Edwards, zwischenzeitlich wegen Dopings gesperrte Weltmeisterin von 2003 und Staffel-Weltmeisterin 2007, war zum Finale nicht mehr angetreten.

Die Amerikaner hatten auch keinen Erfolg damit, den Ausgang des Rennens nachträglich am grünen Tisch zu beeinflussen. Ein Protest des amerikanischen Leichtathletik-Verbandes USTAF gegen einen angeblichen Fehlstart wurde vom internationalen Leichtathletik-Verband IAAF zurückgewiesen.