2008.08.18 Neuss : Belgiens Coach Vandereycken nicht unumstritten

Wenn Belgien am Mittwoch in Nürnberg auf die deutsche Nationalmannschaft trifft, steht Coach Rene Vandereycken einmal mehr im Focus. Der Coach ist in seiner Heimat umstritten.

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Belgiens Nationaltrainer Rene Vandereycken

Als Spieler prägte Rene Vandereycken in den Achtziger Jahren Belgiens glorreiche Fußball-Ära entscheidend mit, als erfolgloser Nationaltrainer sitzt der 55-Jährige bei den "Roten Teufel" aber auf einem heißen Stuhl. Spätestens seit der verpassten Qualifikation zur EM 2008 hagelte es für den Flamen Kritik. Dennoch genießt Vandereycken auch vor dem Duell mit Deutschland am Mittwoch (21.00 Uhr) in Nürnberg das Vertrauen des belgischen Verbandes.

Der Vertrag des ehemaligen Bundesligaprofis von Blau-Weiß 90 Berlin wurde im Dezember des vergangenen Jahres bis 2010 verlängert, obwohl die Bilanz seit seinem Amtsantritt 2006 nicht gerade positiv ist: Von 21 Spielen wurden lediglich sieben gewonnen, neun gingen verloren, und fünfmal gab es ein Unentschieden. In der Weltrangliste rutschte Belgien, das seit 2002 für kein großes Turnier qualifiziert war, hinter Guinea und den Iran auf Position 46 ab.

Auch ein erneuter "Neuanfang" im März dieses Jahres ging mit einem 1:4 gegen Marokko in die Hose. Viele Experten erkannten eher Rück- als Fortschritte und warfen dem Coach ein zu defensives Konzept vor. "Ich habe mit Vandereycken bei Standard Lüttich zusammengearbeitet. Da spielten wir auch mit sieben, acht Spielern in der Abwehr. Sorry, so eine Taktik mag ich nicht", sagte der Ex-Schalker Marc Wilmots. Und nach dem 1:3 Ende Mai in Italien hatten selbst Spieler die Mauertaktik, zu viele Experimente sowie ein fehlendes System beklagt.

"Es ist nicht immer einfach, den Jungen zu erklären, in welche Richtung wir uns gerade entwickeln wollen", sagte Vandereycken, dem die öffentliche Darstellung seiner Person, die vor allem im französischsprachigen Landesteil zur Zielscheibe der Kritik wurde, gleichgültig ist. Mit Journalisten redet er nur noch bei Pressekonferenzen, individuelle Interviewwünsche lehnt er kategorisch ab.

Fachwissen ist unbestritten

Immerhin ist das zweifelsohne vorhandene Fachwissen des Amtsnachfolgers von Aimee Anthuenis weiterhin unbestritten. Und auch seinem Ruf als akribischer Arbeiter konnten die schlechten Ergebnisse wenig anhaben. Schließlich absolvierte Vandereycken, der im Jahr 2000 für fünfeinhalb Monate den Zweitligisten FSV Mainz 05 trainierte, als Profi 50 Länderspiele für die "Roten Teufel" und erzielte 1980 im EM-Endspiel gegen Deutschland in Rom (1:2) per Foulelfmeter den zwischenzeitlichen Ausgleich. Sechs Jahre später schaffte der Linksfuß in Mexiko den Einzug ins WM-Halbfinale.

Trotz seiner Erfolge als Spieler ist in Belgien der Glaube daran, dass der Trainer Vandereycken gegen Teams wie Europameister Spanien und EM-Halbfinalist Türkei die Qualifikation zur WM 2010 in Südafrika schafft, nicht besonders ausgeprägt. Der Kolumnist der belgischen Tageszeitung Grenz-Echo regte bereits an, eine Petition zu starten, damit der Coach endlich abgelöst werde. Mit Frank Vercauteren stellte der Verband Vandereycken immerhin schon einen neuen Assistenten zur Seite.