2008.08.19 Neuss : "Eisenmann" Frodeno sichert sich Gold

Jan Frodeno hat überraschend Olympia-Gold im Triathlon gewonnen. Der Saarbrücker lief aus dem Schatten von Ex-Weltmeister Daniel Unger, der sich mit Platz sechs begnügen musste.

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Jan Frodeno freut sich über Gold

"Frodo" kam ohne Plan B und ging als Herr der Ringe. Trotz eines kleinen Schwächemoments krönte sich Jan Frodeno zum ersten deutschen Triathlon-Olympiasieger der Geschichte. Als er nach der Schinderei am Ziel seiner Träume angekommen war, ließ sich der Goldjunge wie ein Käfer erschöpft auf den Rücken fallen. Dann rappelte er sich hoch, schnappte sich eine schwarz-rot-goldene Fahne und bejubelte den Triumph. "Frodo" war im Olymp angekommen und hat sich einen Tag nach seinem 27. Geburtstag selbst das schönste Geschenk gemacht.

"Der Traum ist wahr geworden"

Bei der Siegerehrung hatte Frodeno schon wieder etwas Kraft gesammelt, sprang auf das Podium und sang die Nationalhymne mit der rechten Hand auf dem Herzen mit. "Dieser Moment ist mir in so manchen Nächten tausendmal durch den Kopf gegangen. Jetzt ist der Traum wahr geworden", meinte er und genoss den Augenblick seines größten Triumphes: "Ich habe sowieso schon immer nach dem Motto gelebt: Ich habe keinen Plan B, also muss Plan A funktionieren."

Und sein Plan funktionierte im Ming Tomb Reservoir etwa 50 Kilometer nördlich von Peking vorzüglich, mit einem fulminanten Schlussspurt setzte sich Frodeno gegen die großen Favoriten durch. Nach 1,5 km Schwimmen, 40 km Rad fahren und 10 km Laufen verwies er in 1:48:53,28 Stunden Sydney-Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada (1:48:58,47) und den Athen-Zweiten Bevan Docherty aus Neuseeland (1:49:05,59) auf die Plätze zwei und drei.

"Erst der WM-Triumph von Daniel Unger im Vorjahr, jetzt der Olympiasieg durch Jan Frodeno - Triathlon in Deutschland ist eine ganz große Nummer", sagte Rainer Düro, der Präsident der Deutschen Triathlon Union (DTU). Er prophezeite "einen zusätzlichen Schub in der Breite". Sportdirektor Rolf Ebeling hatte auch noch ein Lob für Unger: "Er hat großartig gekämpft. Das ganze Team hat hervorragend funktioniert."

Unger "nicht unzufrieden"

Zwar blieb Unger (Mengen) ebenso wie der viertplatzierte Weltmeister Javier Gomez aus Spanien (1:49:13,92) ohne Medaille, enttäuschte als Sechster (1:49:43,78) aber keineswegs. "Natürlich hätte ich gerne eine Medaille geholt. Aber ich bin nicht unzufrieden und freue mich riesig für Jan", sagte Unger. Der Wittener Christian Prochnow landete als dritter Deutscher auf Rang 15 (1:50:33,90).

Doch es war Frodeno, der allen die Schau stahl und dabei sogar einen kleinen Schwächemoment überstand. "Beim Laufen habe ich zum Ende der zweiten Runde kurz den Anschluss verloren. Aber bei der Hitze wollte ich mein eigenes Rennen laufen und mich nicht zu früh verausgaben", erklärte der Vize-Europameister und WM-Sechste von 2007, dem der ganz große Durchbruch bislang verwehrt geblieben war: "Vor dem Laufen wusste ich, dass es die härtesten letzten zehn Kilometer aller Zeiten werden. Am Ende habe ich einfach nur noch gedacht: Augen zu und durch."

Ein Sonderlob bekam Frodeno von Whitfield: "Das war ein spektakulärer An- und Auftritt", sagte der Premieren-Sieger von Sydney: "Das war die späte Revanche dafür, dass ich vor acht Jahren noch Stephan Vuckovic abgefangen habe."

Frodeno hatte sich im Olympiastützpunkt Saarbrücken ganz gezielt vorbereitet. "Ich habe mir dort die letzten zwei Monate ein Zimmer genommen, eine Matratze auf den Boden gelegt, eine Olympiafahne an die Wand gehängt und mich vorwiegend von Reis ernährt", meinte Frodeno zu seinem Erfolgsrezept.

Erst mit 16 Jahren war er zum Triathlon gekommen. Vorher hatte er sich beim Wellenreiten in Südafrika vergnügt. "Meinen Eltern hatte es da so gut gefallen, dass sie mit mir ausgewandert sind", meinte Frodeno: "Sie haben damals das gemacht, was man heute in den Doku-Soaps im Fernsehen sieht." In seiner eigenen Doku-Soap gabs nun das Happy End.