2008.08.19 Neuss : Steiner und Frodeno holen Gold für Deutschland

Gewichtheber Matthias Steiner und Triathlet Jan Frodeno haben die deutschen Goldmedaillen zehn und elf gewonnen. Isabell Werth und Fabian Hambüchen verpassten dagegen Platz eins.

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Matthias Steiner mit dem Foto seiner verstorbenen Frau

Die Goldmedaillen Nummer zehn und elf gab es am Dienstag für die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen in Peking: Gewichtheber Matthias Steiner stand ebenso ganz oben auf dem Treppchen wie Triathlet Jan Frodeno. Dressurreiterin Isabell Werth dagegen musste sich mit Silber begnügen, Turner Fabian Hambüchen holte am Reck "nur" Bronze.

Steiner setzte sich in der Klasse über 105kg durch. "Wahnsinn, Wahnsinn, ich kann das nicht erklären. Dieses Gold widme ich Susann", sagte der Chemnitzer und war im größten Moment seiner sportlichen Karriere in Gedanken bei seiner vor einem Jahr bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommenen Frau. Der 145-Kilo-Mann stemmte die persönliche Bestleistung von 461kg und verwies den Russen Jewgeni Tschigischew um ein Kilo auf Rang zwei. Bronze gewann der Lette Viktors Scerbatihs mit 448kg. Almir Velagic aus Kaufbeuren belegte mit 413kg Rang acht.

Bereits am Morgen holte Triathlet Jan Frodeno Gold. Der ehemalige EM-Zweite aus Saarbrücken verwies im Schlussspurt nach 1,5km Schwimmen, 40km Radfahren und 10km Laufen Sydney-Olympiasieger Simon Whitfield aus Kanada und Vize-Weltmeister Bevan Docherty aus Neuseeland auf die Plätze zwei und drei. Ex-Weltmeister Daniel Unger aus Mengen wurde Sechster, Christian Prochnow aus Witten belegte Platz 15.

Werth muss sich Anky van Grunsven geschlagen geben

Nach einem Patzer ihres Pferdes verpasste Isabell Werth beim Reitturnier in Hongkong die zweite Goldmedaille. Die 39 Jahre alte Dressur-Reiterin aus Rheinberg musste sich nach dem Sieg mit der Mannschaft in der Einzelwertung mit Silber zufrieden geben. Mit ihrem 14 Jahre alten Wallach Satchmo ließ sie damit die Chance ungenutzt, zum sechsten Mal bei Olympia Gold zu gewinnen. Olympiasiegerin wurde Anky van Grunsven aus den Niederlanden mit dem 14 Jahre alten Wallach Salinero. Bronze holte Heike Kemmer aus Winsen an der Aller.

Eine Enttäuschung erlebte auch Fabian Hambüchen. Der Reck-Weltmeister von der TSG Niedergirmes verpasste an seinem Paradegerät die erhoffte Goldmedaille. Deutschlands Sportler des Jahres musste sich mit Bronze zufriedengeben. Gold gewann der Chinese Zou Kai vor Jonathan Horton aus den USA. Am Barren belegte der 20-jährige Hambüchen zum dritten Mal nach der Mannschaftsentscheidung und dem Bodenfinale nur den undankbaren vierten Platz. Das neunte Turn-Gold für China holte Li Xiaoping vor dem Südkoreaner Yoo Won Chul.

Ohne Medaille blieb der frühere Junioren-Weltmeister Maximilian Levy bei den Bahnrad-Wettbewerben. Der Cottbuser verlor im Rennen um Platz drei gegen den Franzosen Mickael Bourgain in drei Läufen. Gold ging an den Briten Chris Hoy. Stefan Nimke aus Schwerin belegte im Sprint den neunten Platz. Bei den Frauen gewann die britische Bahnradsportlerin Victoria Pendleton die Goldmedaille im Sprint.

Harting verpasst Diskus-Medaille

In der Leichtathletik musste sich Diskus-Vizeweltmeister Robert Harting mit Platz vier begnügen. Der Berliner lag mit seinen 67,09 Metern um 71 Zentimeter hinter dem drittplatzierten zweifachen Olympiasieger Virgilijus Alekna aus Litauen. Gold ging wie bei der WM an den Esten Gerd Kanter, der mit 68,82m souverän vor Piotr Malachowski siegte. Der Pole kam auf 67,82m.

Hervorragender Olympiafünfter im Hochsprung wurde der Dresdner Raul Spank. Der mit 20 Jahren jüngste aller zwölf Final-Teilnehmer steigerte seine persönliche Bestleistung auf 2,32m. Gold ging an den Russen Andrej Silnow. Er lag mit 2,36m vor dem Briten Germaine Mason und seinem Landsmann Jaroslaw Rybakow, die beide 2,34m überquerten.

Rashid Ramzi bescherte dem Königreich Bahrain die erste Medaille in der Geschichte der Olympischen Spiele. Der WM-Zweite gewann Gold über 1500m und verwies Asbel Kipruto Kiprop aus Kenia und Nicholas Willis aus Neuseeland auf die Plätze zwei und drei.

Überraschungssiegerin über 100m Hürden wurde die Amerikanerin Dawn Harper. Die 24-Jährige triumphierte in der persönlichen Bestzeit von 12,54 Sekunden mit einem Vorsprung von zwei Hundertstel vor Sally McLellan. Zeitgleich mit der Australierin belegte die Kanadierin Priscilla Lopes-Schliep Rang drei.

Ohuruogu holt Gold für Großbritannien

Die britische Weltmeisterin Christine Ohuruogu gewann mit ihrem Sieg über 400m die 16. Goldmedaille in Peking für ihr Land. In 49,62 Sekunden verwies sie die Jamaikanerin Shericka Williams um sieben Hundertstelsekunden auf den zweiten Platz. Die favorisierte Amerikanerin Sanya Richards musste sich mit Bronze begnügen.

100-m-Olympiasieger und Weltrekordler Usain Bolt zog am Dienstabend in Peking in 20,09 Sekunden ohne Mühe und als Schnellster in den Endlauf über 200m ein. Der 21-Jährige kann am Donnerstag als neunter Sprinter beide Distanzen bei Olympia gewinnen. Zuletzt war dies Carl Lewis 1984 in Los Angeles gelungen.

Mitfavoritin Christina Obergföll und Medaillenhoffnung Steffi Nerius stehen am Donnerstag im olympischen Speerwurf-Finale. Die WM-Zweite Obergföll erzielte gleich im ersten Wurf der Qualifikations-Gruppe B mit 67,52m ihre zweitbeste Weite in diesem Jahr. Die WM-Dritte Nerius schaffte erst im dritten Versuch 63,94m. Zuvor hatte sie die in der Qualifikation geforderten 61,50m zweimal verfehlt. Als dritte Deutsche kam auch die Leverkusenerin Katharina Molitor mit 60,92m als Neunte ins Finale.

Argentinien und Nigeria im Fußball-Finale

Beim olympischen Fußballturnier der Herren bestreiten Argentinien und Nigeria das Endspiel. Argentinien setzte sich im zweiten Halbfinale überraschend deutlich mit 3:0 gegen Erzrivale Brasilien durch und beendete damit den Traum des Rekord-Weltmeisters von der ersten Olympia-Goldmedaille. Zuvor hatte Nigeria den Außenseiter Belgien 4:1 bezwungen.

Im Hockey erreichte Weltmeister Deutschland das Halbfinale. Einen Tag nach dem Vordringen der Damen in die Runde der letzten Vier zogen die Herren von Bundestrainer Markus Weise nach. Im letzten Vorrundenspiel der Gruppe A machten sie durch einen 3:1-Erfolg gegen Neuseeland alles klar.

Die Wasserspringer Patrick Hausding und Pavlo Rozenberg erreichten das Finale im Wettbewerb vom 3-m-Brett. Der Berliner Hausding qualifizierte sich als Fünfter für den Endwettkampf. Der gebürtige Ukrainer Rozenberg aus Aachen zog mit Platz zwölf ins Finale am Dienstagabend ein.

Auf dem olympischen Revier in Qingdao gewann Paul Goodison das dritte Segel-Gold für Großbritannien. Im Laser verwies der WM-Siebte den Slowenen Wasili Zbogar auf den Silberrang. Bronze ging an Diego Romero aus Italien. Ein deutsches Boot war nicht am Start.

Anna Tunnicliffe holte derweil das erste Segel-Gold für die USA. Bei der Olympia-Premiere im Laser Radial verwies die Weltranglisten-Erste Gintare Volungeviciute aus Litauen auf den Silberrang. Bronze ging an Xu Lijia aus China. Die Berlinerin Petra Niemann beendete die Rennserie auf einem enttäuschenden 15. Platz.

Im Tornado und Starboot führte eine Flaute vor Qingdao nach einem mehrstündigen Geduldsspiel zur Absage der Rennen. Die abgesagten Wettfahrten sollen am Mittwoch nachgeholt werden.

Walsh/May-Treanor können Geschichte schreiben

Das Beachvolleyball-Duo Kerri Walsh und Misty May-Treanor steht derweil vor dem historischen zweiten Olympiasieg. Die Amerikanerinnen triumphierten im Halbfinale von Peking 2:0 gegen die Brasilianerinnen Talita/Renata. Gegner im Finale am Donnerstag sind die topgesetzten Jia Tian/Wang Jie, die sich im Duell der Lokalmatadoren 2:1 gegen Xue Chen/Xi Zhang durchsetzten.

Der frühere Junioren-Weltmeister Maximilian Levy sprintet bei den olympischen Bahnrad-Wettbewerben um Bronze. Der Cottbuser verlor das Halbfinale gegen den Briten Jason Kenny glatt in zwei Läufen und bekommt es nun mit dem Franzosen Mickael Bourgain zu tun.

Die Athen-Olympiasieger Ronald Rauhe/Tim Wieskötter im Zweierkajak und Christian Gille/Tomasz Wylenzek im Zweiercanadier sind mit Vorlaufsiegen direkt in die Finals über 500 Meter am Samstag eingezogen.

Dittmer muss auch über 500 Meter den Umweg gehen

Der dreimalige Canadier-Olympiasieger Andreas Dittmer hat über 500 Meter wie schon am Vortag über die doppelte Distanz den direkten Einzug in das olympische Finale am Samstag verpasst. Der 36-Jährige musste sich in seinem Vorlauf überraschend mit Rang vier begnügen, nur Gewinner Alexander Schukowski aus Weißrussland kam direkt in den Lauf um die Medaillen.

Henry Cejudo bescherte den USA das erste Ringer-Gold. Der bislang international wenig in Erscheinung getretene 21-Jährige setzte sich im Finale der Freistil-Klasse bis 55kg gegen den Japaner Tomohiro Matsunaga durch. Bronze holten der Bulgare Radoslaw Welikow und Besik Kuduchow aus Russland.

Deutschlands Basketballer haben die Spiele auf dem 10. Platz beendet. Nach dem verpassten Viertelfinale wurden die Ergebnisse der Vorrunde für die Rangliste zugrunde gelegt. Die Mannschaft um NBA-Star Dirk Nowitzki hatte die fünf Gruppenspiele mit nur einem Sieg und vier Niederlagen beendet.

Weltmeister USA und die Niederlande spielen im Finale des Wasserball-Turniers der Frauen am Donnerstag um den Olympiasieg. Die Amerikanerinnen sicherten sich durch ein 9:8 im Halbfinale gegen den WM-Zweiten Australien das Endspielticket. Der EM-Fünfte Niederlande schlug in seinem Semifinale Ungarn 8:7.