2008.08.21 Neuss : Deutschland spielt um Gold

Deutschlands Hockey-Herren haben das Finale der Olympischen Spiele erreicht. Die Mannschaft gewann ihr nervenaufreibendes Halbfinale gegen Holland im Siebenmeterschießen.

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Deutschland steht im Hockey-Finale

Sie tanzten mit der Deutschland-Fahne vor der Tribüne, schrien ihre Freude immer wieder raus und erdrückten Torwart Max Weinhold fast vor Begeisterung. Mit drei gehaltenen Schüssen im Siebenmeterschießen war der lange Keeper der Garant für den Einzug der deutschen Hockey-Herren ins Olympiafinale von Peking am Samstag (20.30 Uhr/14.30 MESZ). Mit 4:3 setzte sich der Weltmeister gegen die Niederlande im entscheidenden Shootout durch, nach der Verlängerung hatte es zwischen den Erzrivalen 1:1 (1:1, 0: 0) gestanden.

Im Finale ist Vize-Europameister Spanien der Gegner. Die Iberer setzten sich gegen Athen-Olympiasieger Australien mit 3:2 (0:1) durch. Des Abbott (1.), Eddie Ockenden (38.) hatten die Australier in einem teils hochklassigen Halbfinale schon 2:0 in Führung gebracht, doch zweimal Eduard Tubau (41. und 46.) und Santiago Freixa (68.) schafften für die Spanier noch die Wende.

Der Weltmeister greift nach der taktischen und kämpferischen Meisterleistung gegen Australien oder Spanien erstmals nach 1992 wieder zum Gold und strebt insgesamt den dritten Olympiasieg an. "Ich bin begeistert, wie meine Mannschaft nach dem 0:1 zurückgekommen ist, das war einfach fantastisch", sagte Bundestrainer Markus Weise, der damit vier Jahre nach den Damen auch das Herrenteam ins olympische Endspiel führte: "Es ist unglaublich, wie die Jungs mit dieser Drucksituation klargekommen sind."

Erst Rasenschach, dann Hockey-Hitchcock - die Partie nahm insgesamt den erwarteten Verlauf. Das dramatische Ende konnte man sich allerdings nicht ausdenken. Als Timme Hoyng die Niederländer vier Minuten vor Ende der regulären Spielzeit in Führung gebracht hatte, sah es bereits nach einem traurigen Ende nach einer großartigen Leistung aus.

Der Weg geht weiter

Aber Philipp Zeller nutzte zwei Minuten vor Abpfiff der regulären Spielzeit einen schnell ausgeführten Freischlag von Moritz Fürste. "Wir haben zu viel investiert, um in den letzten fünf Minuten aufzugeben", sagte der Kölner, "unser Ziel war immer Gold und wir werden auch am Samstag noch einmal alles in die Waagschale werfen. Unser Weg ist noch lange nicht zu Ende."

Mit einer konzentrierten Abwehrleistung hielt das Team die Holländer aus dem eigenen Kreis. Taeke Taekema, der beste Strafeckenschütze der Welt, kam nur zweimal zum Schuss. Die deutschen Angreifer hatten dagegen bei Kontern gute Chancen, verzweifelten aber an Oranje-Torwart Guus Vogels. Hinzu kam großes Pech, als Benjamin Weß in der Verlängerung nur den Pfosten traf. "Da habe ich gedacht, heute geht nicht viel", sagte Christopher Zeller.

"Mach dich zur Legende"

Aber das Team hatte ja Max Weinhold. Der baumlange Torwart war von Weise völlig überraschend statt der Weltmeister Ulrich Bubolz und Christian Schulte nominiert worden. Am Donnerstag zeigte er warum. Dreimal siegte er im Psycho-Duelle mit den Oranjes, am Schluss wehrte er den Schuss von Taekema ab. "Man schaut den Leuten in die Augen und hat dann ein Gefühl, dem man dann folgt", sagte der 26-Jährige.

Mit den Worten: "Mach dich zur Legende", hatte die Mannschaft ihren Schlussmann in das Siebenmeterschießen geschickt. Aber auch voller Vertrauen in die eigene Stärke vom Punkt. Im Halbfinale der WM vor zwei Jahren hatten sie gegen Spanien bei den Penaltys das bessere Ende ebenfalls für sich. "Wir wussten, Max hält auf jeden Fall einen", sagte Christopher Zeller, der zwei Siebenmeter versenkte, "die Holländer waren jedenfalls nicht so cool wie wir."

Am Donnerstag durften sie den Triumph noch genießen, ab Freitag wird sich auf das große Finale vorbereitet. "Wir haben zwar eine Medaille sicher, aber jetzt wollen wir mit aller Macht Gold holen", erklärte der Berliner, der nun als fünftes Mitglied seiner Familie olympisches Edelmetall gewonnen hat. Sie waren nach der unglaublichen Energieleistung vom Donnerstag zwar alle platt, aber noch nicht satt: "Wir werden im Endspiel ein Feuerwerk abbrennen", versprach Fürste.