2008.08.25 Neuss : Massa mit Hamilton auf Augenhöhe

Nach Felipe Massas perfektem Rennen in Valencia scheint es in der Formel 1 zu einem Zweikampf um den Titel zu kommen. Lewis Hamilton hat sechs Zähler Vorsprung auf Massa.

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Titelkandidat Felipe Massa

Das Titelrennen in der Formel 1 wird zu einem Fall für zwei. Nach seinem souveränen Sieg bei der Premiere in Valencia scheint Ferrari-Pilot Felipe Massa aus Brasilien der einzige Fahrer zu sein, der mit dem britischen WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton auf Augenhöhe fährt. Massas Ferrari-Kollege Kimi Räikkönen dürfte dagegen nicht nur wegen seines Motorschadens, sondern vor allem wegen seiner zuvor lustlosen Vorstellung bei der spanischen Hafenrundfahrt eher geringe Chancen auf die erfolgreiche Titelverteidigung haben.

Räikkönen in Massas Schatten

Denn bei Ferrari steht der "Iceman" im Moment klar im Schatten von Massa, der zum zweiten Mal in Folge ein perfektes Rennen ablieferte und im Gegensatz zu Budapest, als er nach einem Motorschaden drei Runden vor Schluss ausfiel, diesmal auch mit dem Sieg belohnt wurde. "Ferrari hat eine neue Nummer Eins", titelte daraufhin bereits Corriere dello Sport.

So weit will der Brasilianer nach dem Erfolg in seinem 100. Formel-1-Rennen aber nicht gehen. "Nein, ich will immer alle Fahrer auf der Strecke besiegen. Es spielt keine Rolle, ob es mein Teamkollege ist oder nicht", sagte Massa: "Ich will immer mein Bestes geben." Ein paar Sorgenfalten hat der Brasilianer aber doch, da Ferrari schon den zweiten Motorschaden hintereinander beklagte - und möglicherweise aus dem gleichen Grund wie bei Massas Motor in Budapest.

Das sind für den 27-Jährigen keine guten Aussichten für das nächste Rennen am 7. September in Spa, wo die Triebwerke ganz besonders gefordert werden. Für Massas Motor wird es das zweite Rennen in Folge. "Wir müssen hart arbeiten und überlegen, ob wir den Motor-Joker ziehen oder nicht", sagte Massa. Ein erster vorzeitiger Motorwechsel innerhalb der Saison würde ihn in Belgien nicht die üblichen zehn Startplätze kosten, doch dann müsste Massa das zweite Rennen mit dem gleichen Motor ausgerechnet beim Heimspiel eine Woche später in Monza bestreiten - auch auf einer Vollgas-Strecke, die den Triebwerken alles abverlangt.

"Zuverlässigkeit ist der Schlüssel zum Titel"

"Die Zuverlässigkeit ist der Schlüssel zum Titel", weiß auch McLaren-Mercedes-Pilot Lewis Hamilton, der nach Platz zwei jetzt in der Gesamtwertung sechs Punkte Vorsprung vor Massa (70:64) hat. "Ich kenne das Gefühl, man schläft nicht gut", meinte auch Mercedes-Sportchef Norbert Haug in Richtung der Ferrari-Probleme. Dennoch will der Schwabe noch nicht von einem Zweikampf sprechen, er schreibt auch Räikkönen (57 Punkte) noch lange nicht ab. "Im letzten Jahr hatten wir vor ihm 17 Punkte Vorsprung bei nur noch zwei Rennen. Da muss mir jetzt niemand etwas von 13 Punkte bei noch sechs Rennen erzählen", sagte Haug.

Auch Räikkönen selbst will noch nicht aufgeben. "Natürlich war es kein tolles Wochenende", meinte der Finne, der zu allem Überfluss auch noch bei einem Boxenstopp einen eigenen Mechaniker überfuhr, der einen leichten Bruch im Fußgelenk erlitt. "Aber es war nicht das erste Mal. Natürlich bin ich in einer schlechten Situation in der Meisterschaft. Aber wenn wir alle Dinge aussortiert bekommen, habe ich immer noch eine Chance, noch einmal zurückzukommen", erklärte Räikkönen: "Ich bin sicher, dass ich mein Qualifying und meine Rennergebnisse verbessern kann. Es sind noch sechs Rennen zu fahren. Lasst uns abwarten und schauen, was noch passiert."

Die italienischen Gazetten haben den Finnen, über dessen Rücktritt zum Saisonende trotz eines noch bis Ende 2009 laufenden Vertrages weiter spekuliert wird, aber schon fallen gelassen. "Kimi, was für eine Pleite", titelte Tuttosport, und die Gazzetta dello Sport urteilte: "Der Finne ist nur noch ein Schatten seiner selbst."