2008.09.03 Neuss : Oliver Bierhoff stärkt DFB-Kapitän Ballack

Vor den WM-"Quali"-Spielen in Vaduz und Helsinki hat Oliver Bierhoff die Position von Nationalmannschaftskapitän Ballack betont. "Er ist als Kapitän anerkannt", sagte Bierhoff.

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DFB-Manager Bierhoff stärkt Kapitän Ballack

Kurz vor dem Start in die WM-Qualifikation der deutschen Nationalmannschaft hat DFB-Manager Oliver Bierhoff die Position von Kapitän Michael Ballack (FC Chelsea) gestärkt. "Er ist als Kapitän anerkannt. Ich sehe keine Probleme zwischen der Mannschaft und ihm und denke, dass dies auch während der WM-Qualifikation nicht der Fall sein wird", sagte Bierhoff am Mittwoch in der Sportschule Oberhaching, wo sich die deutsche Mannschaft auf ihre beiden Spiele am Samstag in Liechtenstein und kommenden Mittwoch in Finnland vorbereitet. Darüberhinaus startet Bierhoff parallel die Suche nach einem geeigneten Quartier für die WM 2010.

Nationalmannschafts-Teammanager Oliver Bierhoff hat Michael Ballack nach dem Ende des fast drei Monate lang schwelenden Streits demonstrativ den Rücken gestärkt, gleichzeitig den DFB-Kapitän aber vor dem Start in die WM-Qualifikation sportlich in Frage gestellt. "Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie von Personen unabhängig ist. Wir haben in der EM-Qualifikation sowohl mit als auch ohne Michael gute Spiele gezeigt. Durch die Verletzung von Michael und auch von Torsten Frings haben nun mit Blick auf die WM 2010 andere Spieler die Möglichkeit, sich in den Vordergrund zu spielen", sagte Bierhoff, der vor allem dem bereits zu Saisonbeginn starken Bastian Schweinsteiger in Zukunft eine tragende Rolle in der Auswahl des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zutraut.

Die sportliche Betrachtungsweise von Bierhoff zu Ballack war am Mittwoch im DFB-Quartier das eine Thema, das andere war der nach dem heftigen Disput im Wiener Ernst-Happel-Stadion zwischen den beiden Streithähnen geschlossene Burgfrieden. In einem 20-minütigen Gespräch räumten die ehemaligen Teamkollegen Ballack und Bierhoff die nach dem EM-Finale offen zur Schau getragenen Probleme aus. Ballack entschuldigte sich nach sid-Informationen sogar bei Bierhoff für seine rabiate und aus der Emotion heraus entstandene Wortwahl. nach dem EM-Finale.

Bierhoff stärkt dem "Capitano" den Rücken

"Das Thema ist damit für mich erledigt. Wichtig war, dass vor Beginn der WM-Qualifikation nichts hängen bleibt. Bei der EM waren wir sogar zwei-, dreimal zusammen Golf spielen und hatten dabei auch kein Problem miteinander", sagte Bierhoff, der nach dem EM-Endspiel in Wien Bierhoff mehrfach aufgefordert hatte, mit einem Dreh-Transparent zu den deutschen Fans zu gehen.

Nachdem Ballack aus dem Platz bereits zweimal Bierhoffs Aufforderung mit einem "nein" beantwortet hatte, flippte der Mittelfeldspieler vom FC Chelsea bei der dritten Nachfrage aus. Es folgte eine lautstarke Auseinandersetzung.

Doch trotz des vom Teammanager ausgerufenen Konkurrenzkampfes im DFB-Team, stärkte Bierhoff vor dem Auftakt der WM-Qualifikation bei Fußball-Zwerg Liechtenstein am kommenden Samstag (20.45 Uhr/live in der ARD) und vier Tage später in Finnland (19.35 Uhr/live im ZDF) dem "Capitano" öffentlich den Rücken.

"Er ist als Kapitän anerkannt. Ich sehe keine Probleme zwischen der Mannschaft und ihm und denke, das dies auch während der WM-Qualifikation nicht der Fall sein wird. Wir erwarten von ihm, dass er die Dinge offen anspricht", meinte Bierhoff, nachdem auch aus Spielerkreisen Kritik an Ballacks Überreaktionen laut geworden war.

Schweinsteiger: Ballack-Diskussion "ist völlig überflüssig"

Im Gegensatz dazu stellten sich aber auch Schweinsteiger und Marcell Jansen auf die Seite von Ballack. "Das ist eine völlig überflüssige Diskussion. Er ist der Kapitän und verfügt über enorme Qualitäten, die es in Deutschland nicht so häufig gibt", meinte Schweinsteiger. Jansen untermauerte: "Bei uns gibt es überhaupt keine Reibungspunkte. Michael sitzt auch nicht alleine am Tisch, er wird von allen anerkannt und ist ein wichtiger Führungsspieler. Ich finde es gut, dass er hier ist und sich behandeln lässt."

Bis einschließlich Freitag wird sich Ballack wegen seiner Mittelfußprellung bei Nationalmannschafts-Arzt Hans-Wilhem Müller-Wohlfahrt behandeln lassen. Anschließend reist der 31-Jährige zurück nach London. Gegen Liechtenstein und Finnland wird Ballack fehlen, für Spieler wie Simon Rolfes und Thomas Hitzlsperger die Chance, sich bei Bundestrainer Joachim Löw in den Vordergrund zu spielen.

In den Vordergrund spielte sich beim Thema Ballack am Mittwoch auch FIFA-Präsident Joseph S. Blatter. Der Schweizer kritisierte das Verhalten von Ballack gegenüber Bierhoff nach dem verlorenen EM-Finale unverblümt. "Trainer und Spieler, vor allem die Stars, müssen sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in der Öffentlichkeit bewusst sein. Deshalb verurteile ich Ballacks Verhalten, es entspricht nicht dem Fair-Play-Gedanken, den die FIFA immer betont", sagte Blatter Sport Bild.

Quartier-Suche für die WM 2010 startet parallel

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) bemüht sich bereits während der am Samstag beginnenden WM-Qualifikation um ein geeignetes Quartier für die WM-Endrunde 2010 in Südafrika. Mitte Oktober werden neben Nationalmannschaftsmanager Bierhoff auch Georg Behlau (Leiter Büro Nationalmannschaft) und Wolfgang Wirthmann vom DFB-Reisebüro eine einwöchige Inspektionsreise durch das WM-Gastgeberland unternehmen, um frühzeitig ein Mannschafts-Quartier für den WM-Zeitraum zu blocken.

"Ich weiß, dass andere Nationen bereits in Südafrika unterwegs sind und sich dort um gute Trainingsanlagen und Hotels zu bemühen. Deshalb müssen wir frühzeitig mit der Planung beginnen, auch wenn wir noch nicht qualifiziert sind", begründete Bierhoff die Reise. Zudem sei die WM-Endrunde in Südafrika (11. Juni bis 11. Juli 2010) aufgrund der Sicherheitsaspekte sowie der klimatischen Bedingungen nicht mit den vorangegangenen Großereignissen zu vergleichen.

"Die Spieler können sich wegen der Sicherheitslage nicht so offen bewegen wie bei der WM in Deutschland oder zuletzt in Österreich und der Schweiz. Zudem haben wir in Südafrika während der Endrunde Winter. Deshalb müssen wir geeignete Trainingsbedingungen schaffen, die den Umständen Rechnung tragen", so der Teammanager weiter.