2008.09.07 Neuss : Olympische Flamme über Peking brennt wieder

Chinas Staatspräsident Hu Jintao hat die XIII. Sommerparalympics offiziell eröffnet. 4032 behinderte Sportler werden bis zum 17. September in 472 Disziplinen um Edelmetall kämpfen.

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Pyrotechnik über dem Vogelnest

Peking hat den olympischen Glanz auch auf die Eröffnungsfeier der "Paralympics der Rekorde" übertragen können. 13 Tage nach der Olympia-Abschlussfeier wurden die XIII. Sommerspiele der Behinderten am Samstag um 22.36 Uhr Ortszeit (16.36 Uhr MESZ) mit einem farbenfrohen, optimistisch verträumten und beeindruckenden Spektakel eröffnet.

Das paralympische Feuer entzündete in Hou Bin der bekannteste Behinderten-Sportler des Gastgeberlands China. Der 33-Jährige gewann bei den vergangenen drei Spielen den nun aus dem Programm genommenen Wettbewerb der amputierten Hochspringer und ist Athletenvertreter und erster Botschafter des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC). Die rund dreistündige Feier im "Vogelnest" von Peking, die unter dem Motto "Erde, Himmel und Menschen" stand, verfolgten 13 Könige beziehungsweise Staatsoberhäupter, darunter auch Bundespräsident Horst Köhler und der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad, sowie 50 Sportminister aus verschiedenen Nationen.

Craven: "Ich bin überzeugt, dass wir saubere Spiele haben werden"

"Wir haben mehr Länder, mehr Sportarten und mehr Athleten dabei als je zuvor", sagte IPC-Präsident Phil Craven: "Ich werde vorher nicht sagen, das werden die besten Spiele aller Zeiten, aber sie werden fantastisch werden." Der Brite ist sich sicher, dass die Spiele ohne Dopingfall bleiben werden. "Ich bin überzeugt, dass wir saubere Spiele haben werden", sagte Craven: "Wir haben in den letzten vier Jahren sehr hart in diesem Bereich gearbeitet. Sowohl an den Tests als auch an der Aufklärung. Schließlich sind auch die Winterspiele vor zwei Jahren in Turin ohne einen einzigen positiven Test geblieben."

Bis zum 17. September werden 4032 Athleten aus 148 Ländern um Medaillen in 472 Disziplinen kämpfen, darunter 1750 Rollstuhl-Fahrer. Deutschland tritt mit 170 Athleten an, ist in allen Sportarten außer Boccia, Fußball und Volleyball vertreten. Bei der Eröffnungsfeier marschierte Deutschland als sechstletzte Nation ein. Fahnenträgerin war die 45 Jahre alte Goalballerin Conny Dietz aus Stuttgart. Die Gold-Medaillengewinnerin der Spiele von Atlanta 1996 nimmt zum sechsten Mal an Paralympics teil. Goalball ist eine Mannschaftssportart für Blinde und Sehbehinderte, in der mit einem Klingelball auf zwei Tore gespielt wird.

Fahnenträgerin Dietz: "Es ist wie im Traum"

"Wir haben uns für sie entschieden, weil sie ein Vorbild für alle ist", sagte Karl Hermann Haack, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS): "Nicht nur, dass sie in ihrer Sportart alles erreicht und gewonnen hat, auch ihren Alltag und die Verbindung zwischen Beruf und Sport meistert sie vorbildlich." Die Welt- und Europameisterin war sichtlich ergriffen: "Es ist wie im Traum, ich kann es kaum fassen. Schon als kleines Kind habe ich immer gedacht, wie toll es sein muss, die deutsche Fahne in so ein Stadion zu tragen."

Das paralympische Feuer war eine Woche lang von 120 Fackelläufern durch China getragen worden. Die Feier vor 91.000 begeisterten Zuschauern im ausverkauften Vogelnest wurde von mehr als 3000 Akteuren zelebriert, darunter 2000 Kindern. Um Punkt 20.00 Uhr Ortszeit wurde sie mit einem lauten Feuerwerk eröffnet, nach dem Einmarsch der Nationen folgte eine bunte Show mit behinderten und nicht-behinderten Darstellern. Zu Klängen wie Ravels Bolero und Elementen von Ballet über Musical bis Pantomime wurden Träume, Natur oder Jahreszeiten, das Leben in all seinen Facetten, demonstrativ positiv dargestellt.

Zwischenfall offenbar nur knapp vermieden

Ein Zwischenfall wurde bei der Eröffnungsfeier offenbar nur knapp vermieden. Wie Augenzeugen berichteten, wurde eine Frau, die auf das Feld rennen wollte, von mehreren Sicherheitskräften überwältigt und in Gewahrsam genommen. Ein Pressesprecher des Organisationskomitees erklärte, dass die Frau nach Angaben der Behörden "geistig verwirrt" sei. Damit wurde indirekt bestritten, dass die Zuschauerin gegen die Tibet-Politik Chinas protestieren wollte.