2008.09.08 Neuss : Auf Domenech wartet "ein Sieg oder die Tür"

Nach dem Fehlstart in die WM-Qualifikation wächst der Druck auf den französischen Nationaltrainer Raymond Domenech. Am Mittwoch gegen Serbien muss unbedingt ein Sieg her.

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Mit dem Rücken zur Wand: Raymond Domenech

Nach dem peinlichen Auftakt in der WM-Qualifikation droht der Grande Nation eine französische Revolution gegen Nationaltrainer Raymond Domenech. Eine weitere Niederlage im zweiten Gruppenspiel des Vize-Weltmeisters am Mittwoch gegen Serbien im Stade de France von St. Denis, und die Tage des 56-Jährigen als Selectionneur dürften gezählt sein. Während Domenech von Spielern und Funktionären halbherzig in Schutz genommen wird, wetzten die französischen Medien im Vorfeld schon einmal die Messer.

"Für Domenech heißt es jetzt: ein Sieg oder die Tür", titelte Le Parisien. Durch das 1:3 zum Qualifikationsstart am Samstag in Österreich hat der frühere Nationalverteidiger auch den letzten Kredit verspielt, der ihm nach dem EM-Debakel mit dem Vorrunden-K. o. noch geblieben war. "Es muss sich etwas ändern - aber schnell!", forderte L'Equipe und lästerte: "Domenech hat den Faden verloren. Es scheint, als wäre er am Ende seines Weges angekommen."

Deschamps und Boghossian im Gespräch

Ein offizielles Ultimatum gibt es vom französischen Verband selbstredend nicht, doch hinter den Kulissen soll sich bereits eine Front gegen Domenech gebildet haben. Als mögliche Alternativen werden der frühere Welt- und Europameister Didier Deschamps und Assistenz-Trainer Alain Boghossian gehandelt.

Frankreichs Idol Zinedine Zidane hatte bereits nach der EURO für seinen Kumpel Deschamps plädiert. Nach dem Fehlstart hielt sich der dreimalige Weltfußballer jedoch mit Kritik an Domenech zurück: "Sie haben das erste Spiel verloren. Jetzt sollte man sie in Ruhe arbeiten lassen."

Auch Verbands-Präsident Jean-Pierre Escalettes wehrt sich gegen die Spekulationen, obwohl Frankreich erstmals seit 1964 drei Pflichspiele in Folge verloren hat. "Wir befinden uns nicht mehr in der Epoche der Guillotine." Sein Vize Noell le Graet kritisierte: "Einige Beobachter kommen nur, um den Kopf von Domenech rollen zu sehen statt den Fußball." Dass beide es versäumten, Domenech mit einem klaren Treuebekenntnis aus der Schusslinie zu bringen, spricht jedoch Bände.

Domenech, der seit Sommer 2004 im Amt ist und stets kritisch beäugt wurde, will den Wirbel um seine Person vergessen und den Fokus auf die Begegnung gegen Serbien richten. "In das Spiel müssen wir mit Leidenschaft und Entschlossenheit gehen, um wieder auf Qualifikationskurs zu kommen", meinte der Lyoner.

Mannschaft stellt sich hinter ihren Coach

Gegen Österreich schickte der Coach zwar wie von vielen gefordert eine im Vergleich zur EM verjüngte Elf auf den Platz, doch spielerische Fortschritte waren ohne den Rekonvaleszenten Franck Ribery von Bayern München nicht zu erkennen. Niemand habe behauptet, dass es einfach werden würde, erklärte Domenech: "Vor allem ich nicht."

Rückendeckung erhielt der Trainer von einem Großteil der Mannschaft. "Ich denke nicht, dass sein Job auf dem Spiel steht. Wir Spieler und der Trainer verfolgen das gleiche Ziel", sagte Torhüter Steve Mandanda. Der in Wien indisponierte Verteidiger Philippe Mexes nahm die Niederlage auf seine Kappe: "Was geschehen ist, war mehr mein Fehler als der des Trainer. Alle Spieler vertrauen ihm."

Das darf jedoch bezweifelt werden. So wurde Florent Malouda von Domenech auf die Tribüne verbannt, weil der Teamkollege von Michael Ballack beim FC Chelsea sich in einem Interview öffentlich über seine Rolle bei der EURO beschwert hatte.