2008.09.09 Neuss : Buggenhagen und Pistorius sorgen für Highlights

Für die Highlights des dritten Paralympics-Tages sorgten Marianne Buggenhagen und Oscar Pistorius. Buggenhagen gewann überraschend den Diskuswurf, Pistorius dominierte über 100m.

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Oscar Pistorius dominiert über 100m

Die Krönung der großen Karriere von Marianne Buggenhagen und der umjubelte erste Goldlauf von "Blade Runner" Oscar Pistorius haben den dritten Wettkampftag der XIII. Paralympics in Peking überstrahlt. Die 55 Jahre alte Berlinerin Buggenhagen gewann überraschend den Diskuswurf und holte ihr neuntes Gold bei den fünften und letzten Paralympics. Dann rannte der Südafrikaner Oscar Pistorius wie erwartet zum 100-m-Gold und wurde von 90.000 Fans im ausverkauften Vogelnest gefeiert.

Zwei Skandale rücken in den Hintergrund

Dem Internationalen Olympischen Komitee (IPC) kamen solche Highlights recht; so rückten zwei Skandale in den Hintergrund. Der pakistanische Gewichtheber Naveed Ahmed Butt wurde wegen anaboler Steroide zum ersten Dopingfall und zwei Jahre gesperrt. Schon 2004 in Athen waren die Gewichtheber für zehn von elf Dopingfällen verantwortlich. Zudem sorgte das IPC für eine peinliche Panne: Trotz dreier laufender Proteste nach einem Massensturz wurde die Siegerehrung des 5000-m-Rollstuhllauf der Frauen wie gewohnt durchgezogen. Anschließend wurde das Rennen neu angesetzt, die bereits geehrten Sportlerinnen mussten ihre Medaillen wieder abgeben.

Die Athleten des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS) gewannen am Dienstag zehn Medaillen, insgesamt sind es bereits 22, davon vier goldene. Mit nunmehr 4 Gold, 10 Silber und 8 Bronze machte die deutsche Mannschaft im Medaillenspiegel, den Gastgeber China mit 16 Goldmedaillen vor Großbritannien (14) anführt, einen Sprung von Platz 15 auf 10.

"Die Ausbeute ist sehr gut", sagte der deutsche Chef de Mission Karl Quade. Das dritte Gold nach Reiterin Britta Näpel am Montag und Buggenhagen holte überraschend die Sprinterin Katrin Green. Die unterschenkelamputierte Studentin aus Leverkusen nutzte Stürze zweier vor ihr liegender Läuferinnen und siegte über 200m in 28,02 Sekunden.

"Ich habe den Sturz nur im Augenwinkel mitbekommen", sagte die 23-Jährige, die kurz nach dem Rennen in Tränen ausbrach: "Ich habe zuerst gar nicht gemerkt, dass ich gewonnen habe. Und als ich es gemerkt habe, war ich erstmal geschockt.". Anschließend errang Reiterin Hannelore Brenner (Petersau) die Goldmedaille in der Individualprüfung im Grade III, Bettina Eistel (Lensahn) komplettierte den Erfolg als Dritte, die Mannschaft holte Silber.

Silber gewann am Dienstag der gelähmte Radsportler Michael Teuber (München) in der Einerverfolgung. Medaillen holten auch vier amputierte Sportler: Tobias Graf (Freiburg) in derselben Disziplin, die Leverkusenerin Astrid Höfte im Weitsprung, ihre Vereinskollegin Michaela Floeth mit dem Leistungsklassen-Weltrekord von 12,58m im Kugelstoßen und im 1000-m-Zeitfahren der Radsportler Wolfgang Sacher (Penzberg), der nach Silber am Montag bereits seine zweite Medaille gewann.

Buggenhagen überzeugt mit grandioser Leistung

Marianne Buggenhagen überzeugte im vorletzten Wettkampf ihrer beispiellosen Karriere mit einer grandiosen Leistung. Nach Bronze mit der Kugel hatte sie niemals mit Gold im Diskus gerechnet, am Ende hätte jeder der sechs Versuche zum Sieg gereicht. "Ich fühlte mich fit wie nie. Der Regen hat mir als Asthmatikerin geholfen", sagte Deutschlands Sportlerin des Jahres 1994.

Ihre 46. Medaille bei einem internationalen Ereignis genoss die querschnittsgelähmte Ausnahme-Athletin konzentriert und weitgehend in sich gekehrt, erst nach der Rückkehr ins Paralympische Dorf feierte sie ausgelassen. Am Montag wird sie noch im Speerwurf starten - wo sie sich allerdings ohne Chancen auf eine Medaille sieht - danach ein Buch über die Zeit in Peking schreiben und ihre Karriere beenden.

Pistorius gewann über 100m in 11,17 Sekunden, jubelte nach dem ersten von drei angestrebten Titeln kurz in der Kurve und half dann dem gestürzten Athen-Sieger Marlon Shirley auf die Beine. Der "schnellste Mann auf keinem Bein" begeisterte beim mit Spannung erwarteten ersten Auftritt die Zuschauer und erwies sich auch als fairer Sportsmann.