2008.09.09 Neuss : Ex-Nationaltorwart Herkenrath wird 80

21 Länderspiele bestritt Fritz Herkenrath für die Nationalelf, mit Rot-Weiss Essen wurde der Torhüter Meister und Pokalsieger. Heute feiert "der Professor" seinen 80. Geburtstag.

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Herkenrath nahm 1958 an der WM in Stockholm teil

"Der Herr Professor wohnt links am Berghang. Sie können ihn nicht verfehlen. Denn direkt neben seinem Haus steht auch sein Wohnwagen", verrät ein Nachbar von Fritz Herkenrath, dem ehemaligen Nationaltorwart, Schlussmann der Meistermannschaft bei Rot-Weiss Essen 1955, zuvor schon mit den Essenern 1953 DFB-Pokalsieger. Am heutigen Dienstag wird Herkenrath, der seit Jahren in Walheim vor den Toren der Kaiserstadt Aachen wohnt, 80 Jahre.

Bundestrainer Sepp Herberger berief ihn 21-mal in die DFB-Auswahl. Mit seinen Essener Klubkameraden Helmut Rahn und Heinz Wewers nahm er an der Fußball-WM 1958 in Schweden teil, wurde Vierter. Seinen letzten Auftritt im Nationaltrikot hatte der Keeper Ende 1958 in Kopenhagen gegen Dänemark.

Vereinswechsel sorgte beim DFB für Ärger

Begonnen hatte Herkenraths Laufbahn 1951 eigentlich eher schleppend. Das Torwart-Talent von Preußen Dellbrück hatte eine Einladung zu einem Länderspiel in Berlin gegen die Türkei erhalten.

Die Einladung des DFB und die Bekanntgabe des Wechsels von Preußen Dellbrück zum 1. FC Köln erfolgten fast zeitgleich. Ebenso wie ein Anruf das DFB: "Auf Spieler, die den Verein wechseln, legt der DFB keinen Wert. Sie können sich morgen die Anreise ersparen." Beim 1. FC Köln stand er lange im Schatten des Niederländers Frans de Munck. Er wechselte 1951/52 zu Rot-Weiss Essen.

Zehn Jahre stand er bei RWE zwischen den Pfosten. Bis zur Saison 1961/62 bestritt er 276 Pflichtspiele für die Rot-Weißen, nicht eingerechnet "andere "Pflichtspiele". Herkenrath: "Wir fuhren über die Dörfer. Als Gage gab es Naturalien: Mal Kartoffeln, mal Gemüse, mal Obst."

"Lassen Sie den Professor ruhig weg"

Neben seiner Fußballkarriere bastelte Herkenrath auch an einer anderen beruflichen Laufbahn. Erst war er Volksschullehrer, ab 1962 sogar Dozent und Professor an der damaligen Pädagogischen Hochschule in Aachen.

Auf den "Professor" legt er keinen gesteigerten Wert. "Lassen Sie den Professor ruhig weg", sagt er bescheiden. "Dafür habe ich keine Prüfung gemacht. Ich bin dazu lediglich ernannt worden." Mit dem Ende der Saison 1961/62 beendete der "fliegende Schulmeister" seine Torwart-Laufbahn.