2008.09.13 Neuss : Klopp kennt "tausend gute Gründe zu gewinnen"

Erstmals seit 29 Jahren ist das 132. Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 (heute 15.30 Uhr) ein echtes Spitzenspiel. Der Tabellendritte empfängt den Ersten.

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Für BVB-Trainer Jürgen Klopp ist das Derby kein normales Fußballspiel

Es geht nicht nur um die Tabellenführung in der Bundesliga, sondern gleichzeitig auch um die Vormachtstellung im Revier. Erstmals seit 29 Jahren ist das Revier-Derby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04 (heute 15.30 Uhr/live bei Premiere) ein echtes Spitzenspiel. Erster gegen Dritter hieß es zwischen den Erzrivalen zuletzt am 3. November 1979. Damals gewann der BVB als Tabellenführer mit 2:1. Mit einem erneuten Sieg in der 132. Auflage könnten die Schwarz-Gelben den vierten Spieltag als Nummer eins beenden und S04 vom Gipfel stürzen.

Nur der punktgleiche und ebenfalls noch ungeschlagene Hamburger SV kann dem Sieger des Nachbarschaftskampfes mit einem "Dreier" gegen den Vierten Bayer Leverkusen den ersten Rang ablaufen. "Die Tabelle ist nur eine Momentaufnahme", sagte BVB-Kapitän Sebastian Kehl, denn theoretisch könnte selbst der VfL Wolfsburg als derzeitiger Achter nach dem Wochenende auf dem Bundesliga-Thron sitzen.

Die Musik der vierten Runde spielt jedoch in Dortmund. "Dortmund gegen Schalke, das ist kein normales Fußballspiel. Und deshalb sollten wir auch nicht so tun, als wäre es dennoch eins", meinte BVB-Coach Jürgen Klopp, der wie sein Schalker Kollege Fred Rutten dem ersten Derby auf der Bank entgegenfiebert. "Seit Wochen wird uns im Minutenrhythmus erklärt, was das Derby bedeutet. Inzwischen gibt es für mich tausend gute Gründe zu gewinnen", ergänzte Klopp.

Derby-Debütanten auf den Trainerbänken

Die Arena wird mit 80.552 Zuschauern voll besetzt sein, 150.000 Tickets hätten die Borussen verkaufen können. Deshalb heißt es für die Gastgeber, "die richtige Mischung zwischen Anspannung und Motivation zu finden" (Klopp). Um auch dem letzten Derby-Debütanten die Brisanz zu verdeutlichen, hat der BVB-Fanklub seinen Idolen spezielle Mappen mit den schönsten und wichtigsten Momenten des traditionsreichen Duells überreicht.

"Für die Fans ist es das Spiel des Jahres. Als Trainer muss ich das natürlich nüchterner sehen, denn für den Erfolg einer Saison ist im Prinzip jedes Spiel gleich wichtig", meinte Schalkes Coach Rutten, der den Peruaner Jefferson Farfan wieder aufbieten kann, aber auf Orlando Engelaar (Trainingsrückstand) verzichten muss und wohl ein Torhüter-Problem zu bewältigen hat.

Manuel Neuer steht zwar nach seinem überstandenen Mittelfußbruch überraschend im Schalker Kader, allerdings hat der 22-Jährige bisher noch nicht mit der Mannschaft trainiert. Daher ist es fraglich, ob Trainer Rutten ihn aufstellt. Da auch Ersatzmann Mathias Schober (Muskelfaserriss in der Wade) verletzt ist, steht der 19-jährige Ralf Fährmann vor seinem Einsatz.

Wieder mit Nationaltorhüter Rene Adler zwischen den Pfosten wird Leverkusen beim HSV antreten, der EM-Teilnehmer hat seine Schulterverletzung auskuriert. "Er ist gut vorbereitet und strahlt Zuversicht aus", berichtete Bayer-Trainer Bruno Labbadia, der den HSV zum Titelaspiranten erklärte. Nicht zuletzt wegen seiner spektakulären Neuzugänge, von denen der 7,5 Millionen Euro teure Thiago Neves von Fluminense Rio de Janeiro gegen Leverkusen seine Bundesliga-Premiere feiern wird.

Kein Köln-Bonus für Lukas Podolski

In einem weiteren Derby empfängt Neuling 1899 Hoffenheim (Tabellen-6.) den VfB Stuttgart (5.). Ralf Rangnick, einst Trainer bei den Schwaben, hat im Angriff die Qual der Wahl. Möglicherweise wird er versuchen, mit drei Spitzen den Platz im oberen Tabellendrittel zu festigen. Dagegen zwickt es den VfB besonders im Sturm, denn Cacau, Danijel Ljuboja und auch Ciprian Marica sind angeschlagen.

Beim deutschen Meister Bayern München muss Franck Ribery (Syndesmoseriss) sein Comeback verschieben, im Auswärtsspiel beim Aufsteiger 1. FC Köln fehlt der Franzose noch. Dennoch ist der zweite Sieg Pflicht. Seinen Beitrag leisten möchte natürlich auch der Ex-Kölner Lukas Podolski. Doch ihm droht wie schon in den Wochen zuvor zunächst die Ersatzbank. "Es gibt für ihn keinen Köln-Bonus", ließ Coach Jürgen Klinsmann wissen. Sein Bundesliga-Debüt wird voraussichtlich der Italiener Massimo Oddo geben.

Von den vermeintlichen Titelaspiranten dümpelt Werder Bremen nach zwei Unentschieden und einer Niederlage noch immer im Tabellenkeller herum. Der Befreiungsschlag ist gegen die sieg- und torlosen Gäste von Energie Cottbus geplant. Doch Trainer Thomas Schaaf warnte: "In vielen Köpfen geht es nur darum, wie hoch der Sieg ausfällt. Dass es aber gegen eine solche Formation besonders schwierig ist, haben schon andere Mannschaften erlebt."