2008.09.13 Neuss : Vettel fährt in Monza zu seiner ersten Pole

Sebastian Vettel ist sensationell zur ersten Pole gefahren. In Monza gewann der Toro Rosso-Pilot in 1:37,555 Minuten vor Heikki Kovalainen (McLaren). Nico Rosberg wurde Fünfter.

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Sebastian Vettel freut sich über seine erste Pole

Regenkönig Sebastian Vettel hüpfte überglücklich auf seinen Toro Rosso, nachdem er in Monza als jüngster Pilot der Formel-1-Geschichte sensationell auf die Pole Position gerast war. Unter den Augen des siebenmaligen Weltmeisters Michael Schumacher schaffte der Heppenheimer im verregneten Qualifying zum Großen Preis von Italien (Sonntag 14.00 Uhr/live bei Premiere und RTL) im Alter von 21 Jahren und 73 Tagen eine der größten Überraschungen der letzten Jahren. Weltmeister Kimi Räikkönen und WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton hatten auf den Positionen 14 und 15 in der "Formel verrückt" keine Chance gegen Vettel in seinem eigentlich unterlegenen Auto.

"Da wird einer meiner größten Träume wahr."

"Unglaublich. Ich bin hin und weg. Heute früh habe ich noch Witze mit meinen Mechanikern gemacht, dass wir im Regen um die Pole Position fahren müssen. Und jetzt stehe ich tatsächlich da", sagte Vettel und schüttelte immer wieder ungläubig den Kopf: "Da wird einer meiner größten Träume wahr." In 1:37,555 Minuten verwies der Youngster im Stil seines Vorbilds Michael Schumacher den Finnen Heikki Kovalainen im Silberpfeil (1:37,631) und den Australier Mark Webber im Red Bull (1:38,117) auf die Plätze.

Die Mechaniker in der Toro-Rosso-Box standen in den letzten Sekunden mit betend erhobenen Händen vor den Bildschirmen, dann brachen sie in grenzenlosen Jubel aus und herzten ihren Helden. Im erst 22. Rennen in der Königsklasse schaffte das von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone schon als "kommender Weltmeister" gefeierte Supertalent Vettel den größten Erfolg seiner jungen Karriere.

Vettel der jüngste Fahrer auf der Pole

Der Rekord als jüngster Fahrer auf Pole bedeutet Vettel "nicht besonders viel", wohl aber, dass er Ferrari beim Heim-Grand-Prix die Show gestohlen hatte: "Auch für die Scuderia Toro Rosso ist das in Italien ein Heimrennen, das werden die Leute jetzt vielleicht wahrnehmen."

Für das Rennen ist ebenfalls Regen vorausgesagt, doch Vettel mag noch nicht an die nächste Sensation und den ersten deutschen Formel-1-Sieg seit Schumacher am 1. Oktober 2006 in Schanghai (ebenfalls im Nassen) denken: "Man kann jetzt nicht erwarten, dass wir um den Sieg mitfahren. Aber ein paar Punkte oder ein Platz auf dem Podium wären schon schön."

Seinen letzten Sieg im Regen hatte Vettel 2006 in der Formel 3 in Barcelona gefeiert: "Ich fühle mich im Nassen einfach wohl." Vor dem letzten Rennen in Spa hatte er sogar extra in Schumachers Heimatstadt Kerpen mit dem Kart das Fahren im Regen geübt.

Hinter dem auf Platz fünf ebenfalls überraschend starken Williams-Piloten Nico Rosberg (Wiesbaden/1:38,767) landete Ferrari-Mann Felipe Massa (Brasilien/1:38,894) auf Platz sechs. Er liegt in der WM-Wertung nur zwei Punkte hinter Hamilton, der die schwächste Qualifikation seiner Karriere zeigte und schon in Teil zwei der Ausscheidung scheiterte.

Norbert Haug erwartet turbulentes Rennen

"Das ist genau, was mit Lewis nicht hätte passieren sollen. Glückwunsch an Sebastian Vettel und Toro Rosso zur ersten Pole - das war eine tolle Leistung", meinte Mercedes-Sportchef Norbert Haug, der wegen der ungewöhnlichen Startaufstellung ein sehr turbulentes Rennen erwartet.

Timo Glock (Toyota) belegte Platz neun vor dem enttäuschten BMW-Piloten Nick Heidfeld (Mönchengladbach). "Ich hatte mir viel mehr ausgerechnet", meinte Heidfeld. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen meinte: "Das ist das turbulenteste Qualifying, an das ich mich erinnern kann. Ein Lotteriespiel, aber Sebastian Vettel hat eine Superleistung gezeigt."

Theissen wird sich ärgern, dass er Vettel im vergangenen Jahr abgegeben hatte. Im nächsten Jahr wird das Riesentalent für Red Bull fahren und hat auch nach seinem Husarenstück weiter große Träume: "Natürlich will ich irgendwann mal um Siege und den WM-Titel mitfahren."