2008.09.15 Neuss : "Königsklasse" letztmalig im alten Gewand

Ein neuer Qualifikations-Modus zur Champions League soll die "solidarische Geldverteilung" fördern: Vereine aus Ländern mittlerer Stärke sollen mehr Unterstützung bekommen.

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Michel Platini will kleinere Vereine stärken

Das Millionenspiel Champions League beginnt: Die "Königsklasse" des europäischen Fußballs startet mindestens bis 2012/2013 weiterhin mit 32 Mannschaften, die in einer Gruppenphase mit acht Gruppen a vier Teams die 16 Teilnehmer ausspielen, die ab dem Achtelfinale im K.o.-System um Europas Krone spielen.

Im letzten Jahr sind an die 32 teilnehmenden Vereine 585,6 Millionen Euro verteilt worden, aber aus den Einnahmen aus der Champions League als Solidarzahlung auch noch 26,5 Millionen an die 53 Nationalverbände. 160.000 Euro erhielt zudem jeder Meister, der es nicht in die Champions League schaffte, 100.000 Euro jeder Klub, der in der Qualifikation scheiterte.

Doch letztmals präsentiert sich die Eliteklasse im alten Gewand, heimlich, still und leise ändert sich einiges in der Champions League. Michel Platini, Präsident der Europäischen Fußball-Union (UEFA), erläuterte im Gespräch mit dem Sport-Informations-Dienst (sid): "In Zukunft werden wir durch den neuen Qualifikations-Modus, durch den sich garantiert fünf Vereine aus Ländern mittlerer Stärke für die Champions League qualifizieren, immer Klubs aus 17 der 53 Verbände in der Königsklasse vertreten haben."

Das ist zwar auch in diesem Jahr der Fall, aber wer hätte schon daran geglaubt, dass sich Werder-Gegner Anorthosis Famagusta aus Zypern und BATE Borissow aus Weissrussland durchsetzen? Platini: "Für mich ist das ein Beweis, dass die Solidarität im europäischen Fußball ihre Früchte trägt. Aus den Einnahmen in der Champions League zweigen wir Jahr für Jahr Millionen ab, die an Verbände und scheiternde Vereine, die nicht in die Endrunde der Großen vorstoßen, verteilt werden. Mit diesem Geld holen sie auf - und können ganz allmählich den Großen ein Bein stellen."

Kleine Vereine sollen mehr Unterstützung bekommen

Frankreichs Fußball-Ikone möchte diese Art der solidarischen Geldverteilung noch fördern, weiß aber auch: "Die großen Vereine wollen ihre Einnahmen zumindest halten, die kleinen wollen immer mehr vom Kuchen. Deshalb betrachte ich es eine der größten Leistungen meiner bisherigen Amtszeit, Verbände, Ligen, Vereine und Spieler an einen Tisch gebracht zu haben, damit der Begriff der Familie wieder mit Sinn erfüllt wird."

Anlässlich der Übergabe eines Schecks in Höhe von 619.000 Euro an Zinedine Zidane, Gründer des Europäischen Leukodystrophie-Verbandes, meinte Platini: "Wir haben Probleme im Fußball, große sogar. Aber man sollte auch nicht vergessen, was die UEFA für unseren Sport und damit unsere Gesellschaften tut - und damit meine ich nicht nur den sozialen Bereich." Die Gelder für den karitativen Zweck wurden auch aus den Millionen der Champions League finanziert.

Ab 2010, wenn das Finale der Champions League erstmals an einem Samstag ausgetragen wird, will Platini Europas Fußball eine Woche lang ins Rampenlicht rücken. Gedacht ist daran, mittwochs in Madrid das Endspiel um den Europapokal der Frauen auszutragen sowie viele Aktivitäten für Kinder und Jugendliche zu veranstalten. Platini: "Zum Endspiel erhalten drei- bis viertausend Kinder Freikarten. Und statt bisher 60 Prozent gehen dann 75 Prozent der Karten in den freien Verkauf."