2008.09.15 Neuss : Rummenigge warnt vor dem Niedergang der Bundesliga

Karl-Heinz Rummenigge hat sich über die Nachteile der Bundesliga im europäischen Vergleich beklagt. Der Bayern-Chef befürwortet eine offene Diskussion zum Thema Investoreneinstieg.

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Karl-Heinz Rummenigge

Vor dem ersten Spieltag in der Champions League hat Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München Karl-Heinz Rummenigge vor einem weiteren Niedergang der Bundesliga im internationalen Vergleich gewarnt. Zugleich schloss der Vorsitzende der Vereinigung der europäischen Klubs (ECA) auf lange Sicht den Einstieg eines Investors auch beim deutschen Rekordmeisters nicht mehr aus.

"Wir finden in Deutschland unter Rahmenbedingungen statt, die keinen fairen Wettbewerb zulassen", sagte Rummenigge am Montag bei einer Veranstaltung des Champions-League-Senders Premiere. Mit dem Hinweis, dass die Bundesliga ohnehin nur noch die Nummer fünf in der Rangliste der Europäischen Fußball-Union (UEFA) sei, ergänzte er: "Wir müssen aufpassen, dass wir nicht den Anschluss verlieren."

Ausgehend von der finanziellen Benachteiligung der deutschen Klubs im internationalen Vergleich plädiert Rummenigge innerhalb der Deutschen Fußball Liga (DFL) sowie beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) für eine "weniger ängstliche und ergebnisoffene Diskussion" über eine Aufweichung der "50+1"-Regelung und den damit möglichen Einstieg von finanzstarken Investoren.

Zulassung von Fremdkapital nicht ausgeschlossen

Auch für den sportlich und finanziell erfolgreichsten deutschen Klub wollte Rummenigge die Zulassung von Fremdkapital nicht mehr ausschließen. "Wenn sich das Rad so weiterdreht, dann wird sich das Thema auch für den FC Bayern stellen." Allerdings, so betonte der Bayern-Chef gleich mehrfach, "haben wir aktuell diese Gedanken nicht".

Auf lange Sicht könnte sich dies aber ändern. Denn die leise Hoffnung der Bayern, dass es einen der großen europäischen Klubs aufgrund der Pleite oder des Rückzugs seines Besitzers "zerreißt", hat sich bislang nicht erfüllt. Er habe bisher eher den Eindruck, räumte Rummenigge ein, dass Klubs wie Manchester United, der FC Chelsea oder AC und Inter Mailand "stärker geworden sind".

"Quo vadis Bundesliga?"

Angesichts der großen finanziellen Unterschiede bei den europäischen Klubs sind für Rummenigge die großen Favoriten für die Champions League leicht auszumachen. "Die Engländer sind im Moment Europa etwas davongelaufen. Wenn man sich anschaut, was dort für Möglichkeiten herrschen, muss man sich schon fragen: Quo vadis, Bundesliga?".

Derzeit, sagte Rummenigge, "fehlt mir die Aussicht, wie die Top-Klubs der Bundesliga im Konzert der Großen eine Rolle spielen sollen." Die Bundesliga benötigte deshalb neues Kapital: Das Geld sei entscheidend für "das, was auf dem Transfermarkt passiert, und was dort passiert, ist entscheidend für das, was auf dem Platz passiert."

Die Chancen des FC Bayern in der Champions League beurteilt Rummenigge deshalb verhalten optimistisch. "Wir wollen zurück in die europäische Spitze. Und wir werden alles dafür tun."