2008.09.16 Neuss : Bewegender Sieg von Czyz

Weitspringer Wojtek Czyz holte am letzten großen Wettkampf-Tag der XIII. Paralympics in Peking das 14. Gold für Deutschland. Neben Gold für Czyz gab es zudem zweimal Silber.

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Wojtek Czyz gewann die 14. deutsche Goldmedaille

Das 14. Gold durch Weitspringer Wojtek Czyz, Silber für das Tischtennis-Team der Frauen und das Sprint-Talent Claudia Nikoleitzik - die deutschen Behindertensportler standen auch am letzten großen Wettkampf-Tag der XIII. Paralympics in Peking nicht mit leeren Händen da. Eine große Enttäuschung war am Dienstag dagegen Heinrich Popow. Der Leverkusener, der über 100m diesmal Silber und in Athen dreimal Bronze geholt hatte, schied im Weitsprung nach drei ungültigen Versuchen im Vorkampf aus.

Dafür war der Sieg von Czyz umso bewegender. Nach einem nahezu unfassbaren Jahr voller Rückschläge und Schicksalsschläge stand der Kaiserslauterer auch nach dem vierten Paralympics-Wettkampf seiner Karriere ganz oben auf dem Siegerpodest und ließ seinen Tränen freien Lauf.

Sieg war für kranken Vater

Den Erfolg im Weitsprung widmete der oberschenkelamputierte Athlet seinem schwer kranken Vater Jan. "Er hat noch geschlafen, weil er an der Dialyse hängt", sagte Czyz mit feuchten Augen: "Es ist eine neue, schwere Situation für uns, aber wir werden das meistern. Dieser Sieg war jedenfalls nur für ihn."

Von großen Schmerzen geplagt durch einen Ermüdungs-Anbruch im Fuß hatte Czyz gleich im ersten Versuch mit 6,50m einen Weltrekord erzielt. Vor zwölf Wochen war er noch am Pfeifferschen Drüsenfieber erkrankt, zudem wurde er in diesem Jahr bereits am Stumpf des amputierten Beines und am Kiefer operiert.

Im Deutschen Haus gönnte sich der 28-Jährige mittags das erste Bier seines Lebens. Nach dem ersten Versuch mit Wodka im Alter von 14 Jahren hatte er auf Alkohol verzichtet. Doch auch der zweite schien keine neuen Erkenntnisse zu bringen. "Angeblich schmeckt es ja erst, wenn man mehr davon trinkt", meinte Czyz nach dem ersten Schluck mit süßsaurer Miene.

Tischtennis-Frauen im Finale chancenlos

Die deutschen Tischtennis-Frauen haben den Kampf um Gold dagegen erwartungsgemäß verloren. Im Finale erwies sich Gastgeber China für Monika Sikora-Weinmann (Bielefeld) und Andrea Zimmerer (Preetz) als eine Nummer zu groß. Den einzigen Sieg bei der 1:3-Niederlage schaffte Zimmerer, die im Einzel Bronze gewonnen hatte, durch einen 3:2-Erfolg gegen die Chinesin Gai Gu. Alle anderen Matches gingen mit 3:0 Sätzen an die Gastgeber.

"Wenn man ehrlich ist, hatten wir keine wirkliche Chance", meinte Bundestrainer Christian Bode: "Aber bin dennoch stolz auf meine Spielerinnen." Diese waren vor allem vom enthusiastischen und fairen Publikum begeistert. "Es war eine Ehre, hier spielen zu dürfen", sagte Sikora-Weinmann.

Derweil hat Nikoleitzik ihren Ruf als großes Talent im deutschen Behindertensport eindrucksvoll unterstrichen. Nach Silber über 200m belegte die 18-Jährige aus dem saarländischen Püttlingen auch über 100m Rang zwei. In 15 Sekunden musste sie sich wie über die doppelte Distanz nur der Chinesin Fang Wang (13,82) deutlich geschlagen geben.

Am Mittwoch gibt es vor der Schlussfeier noch Entscheidungen im Marathon, im Blinden-Fußball und beim Rollstuhlfechten. Als einziger deutscher Athlet ist der oberschenkelamputierte Erfurter Ralph Brunner im Marathon an den Start. Medaillenchancen werden ihm allerdings nicht eingeräumt.