2008.09.18 Neuss : Timo Scheider träumt vom Titel in der DTM

Timo Scheider liegt in der DTM-Gesamtwertung drei Rennen vor Ende in Führung. "So langsam darf man mit dem Träumen vom ersten Titel beginnen", so der 29 Jahre alte Audi-Pilot.

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Timo Scheider liegt im Audi auf Meisterschaftskurs

Drei Rennen vor Schluss führt Timo Scheider aus Braubach die Gesamtwertung der DTM mit einigem Vorsprung an. Allen Grund also, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (sid) äußerte sich der sympathische Audi-Pilot über seinen Traum vom Titel, die Konkurrenz in der DTM und Sebastian Vettel.

sid: "Träumen Sie schon vom DTM-Titel, immerhin haben Sie neun Punkte Vorsprung?"

Timo Scheider: "Ja, so langsam darf man mit dem Träumen vom ersten DTM-Titel beginnen. Aber ich bin vorsichtig, entschieden ist noch lange nichts. Wir haben noch drei Rennen und meine Konkurrenten sind keinesfalls zu unterschätzen, alles ausgebuffte, schnelle Jungs."

sid: "Sie sind der Fahrer der Saison, wer kann Sie stoppen?"

Scheider: "Es gibt sicher mehr als eine Handvoll Leute, die die Performance dafür haben. Aber aus Meisterschaftssicht kommen wohl nur noch Jamie Green, Paul di Resta und mein Markenkollege Mattias Ekström in Frage, den man nie unterschätzen sollte, schließlich ist er im Meisterschaftskampf derjenige mit der meisten Erfahrung von uns allen. Jamie Green und Paul di Resta haben sich hervorragend in der DTM etabliert. Mattias ist ein hervorragender Allrounder, der beim Race of Champions immerhin Michael Schumacher geschlagen hat. Schnell sind sie, wie gesagt, alle drei."

sid: "In Barcelona könnte eine Vorentscheidung fallen. Liegt Ihnen der Kurs?"

Scheider: "Audi hat generell gute Erinnerungen an Barcelona. Unser Auto sollte dort wie im letzten Jahr gut funktionieren. Mit dem Sieg aus Brands Hatch im Gepäck freue ich mich natürlich umso mehr auf das kommende Rennen."

sid: "Sie sind jetzt 29 Jahre alt, gibt es für Sie im Automobilsport außerhalb der DTM noch eine Herausforderung?"

Scheider: "Herausforderungen gibt es im Leben ganz viele. Ich persönlich würde gerne noch einen Sieg bei den 24 Stunden von Le Mans und den Sieg bei den 24 Stunden von Daytona erringen."

sid: "Was sagen Sie als Fahrer zum derzeitigen Format der DTM?"

Scheider: "Es wird immer Jahre geben, in denen dem einen das Format der DTM gefällt und dem anderen nicht. Man wird es nie jedem recht machen können. Ich persönlich bin momentan sehr zufrieden mit der DTM in ihrer derzeitigen Form, wobei ich das Format mit den zwei 100 Kilometer Sprintrennen plus Superpole auch sehr spannend finde. Fakt ist: in der DTM fahren die besten Tourenwagen-Piloten der Welt. Hier muss man sich erstmal durchsetzen und behaupten. DTM-Autos sind - im Gegensatz zu den Fahrzeugen anderer Rennkategorien - nicht einfach zu fahren und zu beherrschen. Neulinge müssen das immer wieder erfahren."

sid: "Ist die DTM zu brav? Müsste es nicht mehr sogenannte Hass-Duelle geben, was ja auch den Reiz der Formel 1 ausmacht?"

Scheider: "Für die Medien sind sogenannte Hass-Duelle gewiss das Salz in der Suppe. Eigentlich ist es schade, dass man über die Stränge schlagen muss, um interessant zu sein. Wer unser Geschäft in der DTM beobachtet und untersucht, findet in jedem Fall Material für gute, lesenswerte, aber ehrliche Geschichten. Wir wollen guten und glaubwürdigen Motorsport bieten."

sid: "Was sagen Sie zum neuen Formel-1-Überflieger Sebastian Vettel? Könnte er ein neuer Michael Schumacher werden?"

Scheider: "Klar habe ich seinen Sieg am Fernseher verfolgt. Hoffentlich wird Sebastian kein neuer Michael Schumacher, sondern ein neuer Sebastian Vettel. Er war ja schon in der Vergangenheit für sein Alter super erfolgreich. Ich freue mich sehr für ihn, da ich ihn und auch seinen Vater persönlich kenne. Außerdem hoffe ich für ihn, dass er von seinem Team und seinen Sponsoren die Zeit bekommt, die er gewiss noch benötigt. Was er in Monza gezeigt hat, nämlich über ein gesamtes Wochenende zu dominieren, war aller Ehren wert und zeigt das Potential, das in ihm steckt. Auch wenn er bei nasser Fahrbahn von der Pole gestartet ist und damit erstmal freie Fahrt und Sicht hatte, hat er dem Druck, der auf ihm gelastet hat, meisterhaft widerstanden."

sid: "Haben Sie Vorbilder, oder welchen Rennfahrer bewundern Sie?"

Scheider: "Ayrton Senna war mit Sicherheit einer der größten Fahrer aller Zeiten. Ich bewundere aber auch Michael Schumacher, der über einen extrem langen Zeitraum auf höchstem Niveau gearbeitet hat. Respekt muss man für seine Leistungen in jedem Fall haben."