2008.09.22 Neuss : FIA vertagt Entscheidung im "Fall Hamilton"

Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA hat die Entscheidung im "Fall Lewis Hamilton" auf Dienstag vertagt. Das gab die FIA nach mehrstündigen Verhandlungen bekannt.

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Lewis Hamilton nach der Anhörung in Paris

Formel-1-Star Lewis Hamilton und sein Team McLaren-Mercedes werden erst am Dienstag ein Urteil zum Einspruch gegen die Zeitstrafe beim Grand-Prix in Spa erhalten. Das Berufungsgericht des Automobil-Weltverbandes FIA vertagte nach mehrstündigen Anhörungen aller Beteiligter am Montag eine Entscheidung. "Es war lang und intensiv. Und ich war beeindruckt, wie intensiv die Beratungen waren", sagte der 23 Jahre Brite zu den Befragungen des fünfköpfigen FIA-Gremiums und meinte weiter: "Ich hoffe, dass die Richter die Wahrheit sehen und sie auch aufrecht erhalten."

In der Schlussphase des Rennens in Spa hatte sich Hamilton ein packendes Duell mit Weltmeister Kimi Räikkönen (Finnland) geliefert. Dabei hatte Hamilton in einer Kurve zunächst abgekürzt, um so eine Kollision zu vermeiden, ehe er den Ferrari-Piloten Räikkönen wieder passieren ließ. In der direkt danach folgenden Kurve setzte Hamilton zu einem erneuten Überholmanöver an und zog an Räikkönen vorbei, der wenig später auf der regennassen Fahrbahn durch einen selbst verschuldeten Unfall ausschied.

Hamilton sieht sich im Recht

Die Rennkommissare hatten Hamilton danach eine 25-Sekunden-Zeitstrafe aufgebrummt mit der Begründung, der Silberpfeil-Pilot habe sich durch das Abkürzen einen Vorteil verschafft. "Ich dachte, dass ich den Vorteil, den ich durch das Schneiden der Schikane hatte, wieder zurückgegeben habe. Ich habe gedacht, dass ich getan habe, was ich tun musste", sagte Hamilton zu der umstrittenen Szene. "Das Letzte, was man will, ist ein Crash mit ihm. Man muss keine blödsinnigen Risiken eingehen."

McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh hatte sich vor Beginn der FIA-Verhandlung noch gelassen gezeigt und seine Überzeugung zum Ausdruck gebracht, dass sein Formel-1-Rennstall im Recht ist. "Die meisten Leute, die das gesehen haben, sagen, Lewis hat den Sieg verdient und nicht Felipe", sagte Whitmarsh.

Alles, was man noch tun könne, sei, die Fakten zu präsentieren, sagte Whitmarsh bei seiner Ankunft in Paris: "Wir planen die aberkannten WM-Punkte nicht ein. Wir führen immer noch in der Fahrer-Wertung mit einem Punkt." Hamilton liegt vor dem 15. von 18 Saisonrennen am Sonntag, dem Nacht-Grand-Prix, in Singapur mit insgesamt 78 Zählern knapp vor dem brasilianischen Ferrari-Piloten Felipe Massa (77).

Die Strafe gegen Hamilton war kontrovers diskutiert worden. Auch Fachleute hatten ihr Unverständnis zum Ausdruck gebracht. Der RTL-Experte und dreimalige Weltmeister Niki Lauda hatte die Strafe gar als die "schlimmste Entscheidung in der Geschichte der Formel 1" bezeichnet: "Es ist absolut inakzeptabel, wenn drei Leute die WM in dieser Weise beeinflussen."

Auch der Schweizer Ex-Pilot und heutige Premiere-Experte Marc Surer hatte entsetzt reagiert. "Ich bin schockiert. Die Strafe kam für mich völlig überraschend, denn Lewis hat aus meiner Sicht alles richtig gemacht." Konkurrenten aus dem Fahrerlager wie der deutsche Williams-Pilot Nico Rosberg (Wiesbaden) hatten dagegen Verständnis für die Entscheidung gezeigt.

Mercedes-Sportchef Norbert Haug betonte vor der Verhandlung im sid-Interview: "Die Fakten sprechen aus unserer Sicht ganz klar für Lewis Hamilton und sein faires Verhalten in Spa. Wer bei Start und Ziel nach einem Nachteil vom Gas geht, knapp 7 km/h langsamer fährt als sein Widersacher vor ihm und dann keine 300 Meter später sauber und überzeugend überholt, ist einfach schneller."