2008.09.22 Neuss : Linsenhoff tritt als Sporthilfe-Chefin zurück

Der überraschende Rücktritt von Sporthilfe-Chefin Ann Kathrin Linsenhoff stürzt die Stiftung in eine Krise. Die ehemalige Reiterin kündigte ihren Rückzug zum 31. März 2009 an.

mfr
Tritt nun doch zurück: Ann Kathrin Linsenhoff

Mit einer überraschenden Rücktrittsankündigung hat Ann Kathrin Linsenhoff die Stiftung Deutsche Sporthilfe in eine Führungskrise gestürzt. Gerade mal 14 Stunden nachdem ihr der Aufsichtsrat am Sonntagabend das Vertrauen ausgesprochen hatte, kündigte die 48-Jährige in einer Pressemitteilung ihren Rückzug zum 31. März 2009 an.

Die Olympiasiegerin mit der Dressur-Equipe von 1988 in Seoul geht somit als Verliererin aus dem Machtkampf mit ihrem Vorgänger und jetzigen Aufsichtsratschef Hans Wilhelm Gäb hervor. Sämtliche Vermittlungsbemühungen des Industrie-Managers und ehemaligen Chefs der Leipziger Olympiabewerbung, Peter Zühlsdorff, blieben erfolglos, die sechste Vorsitzende der 1967 von Josef Neckermann gegründeten Stiftung gibt vorzeitig auf.

"Durch die Vorkommnisse der vergangenen Wochen fehlt jegliches Vertrauen zwischen Hans Wilhelm Gäb und meiner Person", hieß es in der Linsenhoff-Pressemitteilung auf Sporthilfe-Briefpapier, mit der die ehemalige Reiterin am Montagmittag alle überraschte. Zwar war das Datum des Rückzuges laut Linsenhoff schon Sonntag diskutiert worden, doch kommuniziert werden sollte es vorerst nicht.

Nachfolge unklar

Linsenhoff selbst wollte dem Vernehmen nach bereits zum 31. Dezember 2008 aufhören, sei jedoch im Sinne einer geordneten Amtsübergabe gedrängt worden, bis zum 31. März 2009 weiterzumachen. Selbst das scheint nach den jüngste Entwicklungen aber nicht mehr vorstellbar. Wer Linsenhoff beerben könnte, ist derzeit unklar. Kommissarisch könnte Geschäftsführer Michael Ilgner ihre Aufgaben übernehmen.

Das Verhältnis zwischen Gäb und seiner selbst gewählten Nachfolgerin, die ihr Amt am 1. Januar 2008 angetreten hatte, war zuletzt durch die Personalie Johannes B. Kerner belastet worden. Der Fernseh-Moderator ist vom Aufsichtsrat als Sporthilfe-Vizepräsident vorgesehen. Linsenhoff war nach eigener Meinung zu spät in diesen Prozess eingebunden worden und kritisierte jüngst, das sei "nicht sauber" gelaufen.

Doch der Aufsichtsrat stellte am Sonntag klar, er habe das "Auswahl- und Berufungsrecht für die Mitglieder des Vorstands". Weiter hieß es am Abend noch: "In diesem Zusammenhang bedauern beide Seiten die Irritationen, die bei der zum Teil öffentlichen Diskussion um die Zuwahl von Kandidaten in den Vorstand aufgetreten sind. Der Vorwurf, der Aufsichtsrat habe in diesem Fall "nicht sauber" gehandelt, ist unberechtigt."

Linsenhoff wegen Amtsführung und mangelnder Teamfähigkeit kritisiert

Gäb kritisierte Linsenhoff zuletzt intern auch wegen ihrer Amtsführung, mangelnder Teamfähigkeit und eines Interessenskonflikts mit ihrer Position als stellvertretende Vorsitzende des Kinderhilfswerks UNICEF.

In Linsenhoff verliert die Sporthilfe zum zweiten Mal binnen drei Jahren ihre Führungskraft, nachdem 2005 Hans-Ludwig Grüschow wegen der Schmiergeldaffäre des Ex-Sportchefs des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, zurückgetreten war. Damals übernahm der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler Gäb das Ruder und rettete die Sporthilfe, ehe er auf den Posten des Aufsichtsratschefs wechselte.

Die Sporthilfe unterstützte seit ihrer Gründung 1967 mehr als 40.000 Athleten mit 350 Millionen Euro. Aktuell profitieren rund 3800 Kaderathleten in 50 Sportarten mit jährlich insgesamt zehn bis zwölf Millionen Euro davon.