2008.09.23 Neuss : Sporthilfe muss Linsenhoff-Nachfolge klären

Nach dem Rückzug von Ann Kathrin Linsenhoff muss sich die Stiftung Deutsche Sporthilfe mit der Nachfolge beschäftigen. DOSB-Präsident Thomas Bach hofft auf eine schnelle Klärung.

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Hofft auf Klarheit: DOSB-Präsident Thomas Bach

Nach dem angekündigten Rücktritt von Ann Kathrin Linsenhoff haben bei der Stiftung Deutsche Sporthilfe die Aufräumarbeiten begonnen. Aufsichtsratschef Hans Wilhlem Gäb versuchte, sein Gremium schnellstmöglich zusammenzutrommeln. Die Nachfolgefrage drängt. "Jetzt gibt es nur ein Interesse, und das ist, eine vernünftige, neue Lösung zu finden und die Sporthilfe vor weiterem Schaden zu bewahren", sagte er dem Sport-Informations-Dienst (sid).

Doch bevor die Zukunft anbricht, muss noch die Vergangenheit aufgearbeitet und der Abgang von Linsenhoff vollzogen werden. Dies könnte noch einmal unangenehm werden. Denn dass der Aufsichtsrat Linsenhoff tatsächlich bis 31. März 2009 vertraut, ist kaum vorstellbar.

Die Dressur-Mannschafts-Olympiasiegerin von Seoul 1988 wird mit der kürzesten aller Amtszeiten der bisherigen sechs Vorsitzenden in die 41-jährige Geschichte der Stiftung eingehen. Linsenhoff, die als erste Frau an der Spitze der Sporthilfe stand, hatte erst am 1. Januar ihre Tätigkeit aufgenommen und Gäb abgelöst, der in den Aufsichtsrat gewechselt war. Wer sie beerben könnte, ist derzeit völlig unklar. Kommissarisch könnte Geschäftsführer Michael Ilgner ihre Aufgaben übernehmen.

DOSB-Präsident Bach hofft auf schnelle Klärung

Auf eine baldige Nachfolgeregelung setzt auch der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB). "Wir hoffen, dass sich die Personalsituation schnell klärt, damit die Sporthilfe wieder handlungsfähig ist", sagte DOSB-Präsident Thomas Bach am Dienstag vor der DOSB-Präsidiumssitzung in Berlin, wo die Vorkommnisse bei der Sporthilfe am Nachmittag auf der Tagesordnung standen. Dagegen wollte der für den Sport zuständige Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble den Vorgang nicht kommentieren: "Das ist die Autonomie des Sports, dazu sage ich nichts."

Die 48-jährige Linsenhoff hatte am Montag überraschend ihren Rücktritt angekündigt. 14 Stunden vorher sprach ihr der Aufsichtsrat noch das Vertrauen aus, doch sie zog die Konsequenzen aus der Kritik an ihrer Amtsführung. Ihr war mangelnde Teamfähigkeit und ein Interessenskonflikt mit ihrer Position als stellvertretende Vorsitzende des Kinderhilfswerks UNICEF vorgeworfen worden. Am Ende stand sie trotz des Vertrauensvotums isoliert da.

In Linsenhoff verliert die Sporthilfe zum zweiten Mal binnen drei Jahren ihre Führungskraft, nachdem 2005 Hans-Ludwig Grüschow wegen der Schmiergeldaffäre des Ex-Sportchefs des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR), Wilfried Mohren, zurückgetreten war.

Damals übernahm der ehemalige Tischtennis-Nationalspieler Gäb das Ruder und rettete die Sporthilfe, ehe er auf den Posten des Aufsichtsratschefs wechselte.

Die Sporthilfe unterstützte seit ihrer Gründung 1967 mehr als 40.000 Athleten mit 350 Millionen Euro. Aktuell profitieren rund 3800 Kaderathleten in 50 Sportarten mit jährlich insgesamt zehn bis zwölf Millionen Euro davon.