2008.09.24 Neuss : Astana angelt sich Armstrong

Lance Armstrong tritt im Januar bei der Tour Down Under erstmals wieder als Radprofi in die Pedale. Wie erwartet trägt der US-Amerikaner dabei das Trikot der Kasachen von Astana.

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Lance Armstrong wird sein Comeback bei der Tour Down Under 2009 geben

Die Comeback-Tournee von Lance Armstrong steht: Mit alten Weggefährten und geplanten Starts auf mehreren Kontinenten will der siebenmalige Toursieger die Radsport-Welt ein zweites Mal erobern. Drei Jahre nach seinem Rücktritt greift der Texaner im Astana-Team unter seinem alten Freund und Mentor Johan Bruyneel wieder ins Renngeschehen ein. Auftakt der "Lance-Armstrong-Show II" soll die Tour Down Under in Australien (18. bis 25. Januar) sein.

Bei seiner Rückkehr geht es dem 37-Jährigen nicht nur um sportlichen Erfolg. Armstrong, der seine Pläne am Mittwoch auf einer Pressekonferenz in New York der Weltöffentlichkeit präsentierte, will vor allem den Kampf gegen den Krebs in den Vordergrund stellen. Deshalb wird der Ausnahmeathlet, der einst selbst den Hodenkrebs besiegt hatte, seine Einsätze nicht nur auf Europa beschränken.p "Ich kann nicht garantieren, dass ich die Tour zum achten Mal gewinne. Aber ich kann garantieren, dass meine Botschaft zu Herzen gehen wird", sagte Armstrong bei einer von Ex-Präsident Bill Clinton geleiteten Pressekonferenz in New York. "Ich freue mich auf 2009 und darauf, wieder Rennen zu fahren."

Dass Armstrong sein Comeback im Astana-Team gibt, war keine große Überraschung. Schließlich wird der von kasachischen Geldgebern gesponserte Rennstall von Bruyneel geführt, und mit dem Belgier hatte Armstrong einst schon bei US Postal und Discovery die Radsport-Geschichte umgeschrieben.

"Armstrong wird eine neue sportliche Marke für Kasachstan setzen. Er ist ein großartiger Sportsmann", sagte Nikolaj Proskurin, Vizepräsident des kasachischen Radsport-Verbandes, der Nachrichtenagentur afp.

Contador hat keine Probleme mit Armstrong

Entgegen anders lautender Meldungen vom Vortag dürfte der Einstieg des einstigen Tour-Dominators bei Astana problemlos sein. Bei dem Erfolgsteam fährt neben den beiden Rundfahrt-Spezialisten Andreas Klöden und Levi Leipheimer auch der Spanier Alberto Contador, der erst am Sonntag als jüngster Fahrer überhaupt das historische Triple aus Tour-, Giro- und Vuelta-Sieg perfekt gemacht hatte. Contador war zunächst zitiert worden, dass er bei einer Verpflichtung Armstrongs möglicherweise das Team verlassen werde." In einer Mitteilung von Astana jedoch war davon nicht mehr die Rede. "Es ist doch im Profisport normal, dass es zwei oder drei Chefs in einem Team gibt. Ich habe nichts gegen Lance, ich identifiziere mich mit seiner Leidenschaft für den Sport. Er war ein Idol für mich und viele andere Menschen. Mit ihm in einer Mannschaft zu fahren, motiviert mich noch mehr", erklärte Contador.

Auch Armstrong freut sich auf die Zusammenarbeit. "Alberto ist derzeit der beste Fahrer des Planeten. Das müssen wir respektieren", sagte Armstrong, der seine eigenen Chancen herunterspielte. "Ich bin nicht sicher, ob ich so schnell fahren kann. Ich hoffe, es klappt."

Neben der Tour Down Under will Armstrong offenbar auch bei der Kalifornien-Rundfahrt, bei Paris-Nizza, bei der Tour de Georgia, der Dauphine Libere und als Höhepunkt bei der Tour de France starten. Laut VeloNews fährt der Weltmeister von 1993 zum Nulltarif und verzichtet auf jegliche Gehaltszahlungen.

Die Freude über das Comeback Armstrongs wird aber nicht überall geteilt. ARD-Sprecher Rolf-Dieter Ganz hatte jüngst schon betont, dass man beim Sender keinen Wert auf eine Rückkehr des Ausnahmefahrers lege

. Die französischen Sporttageszeitung L'Equipe hatte den Ausnahmefahrer 2005 des EPO-Dopings bezichtigt. Das Blatt berief sich dabei auf die Auswertung eingefrorenerer Blutproben durch das französische Doping-Untersuchungslabor LNDD von der Tour 1999. Der Radsport-Weltverband UCI wies die Vorwürfe als haltlos zurück.